Einzelbild herunterladen

Montabaur

58

Nr. 48/95

Anzeige

Alfred Einhaus,

Jagdpächfer des Reviers Wirges I / Ebernhahn

Hasenplaqe im Gemeindewald Ebernhahn?

Wenn verwachsene Strukturen es schwer machen, objektive Tatbestände der Öffentlichkeit nahezubringen, so müssen neue Wege gefunden werden. Daher suche ich den Weg zur Öffentlichkeit in dieser, sicher nicht alltäglichen Form. In dem von mir gepachteten Jagdrevier Wirges I / Ebernhahn spielen sich nämlich Dinge ab, von denen die Öffentlichkeit wissen soll­te, um selbst beurteilen zu können, ob das Handeln der Forstverwaltung und hier speziell des Forstamtes Montabaur und des Forstreviers Wirges zum Nutzen der waldbesitzenden Gemeinde - hier Ebernhahn - sein kann. Hasenplage im Gemein­dewald Ebernhahn müßte man in der Überschrift eigentlich nicht mit einem Fragezeichen versehen, denn nier ist es anschei­nend Realität. Wohl einmalig im Westerwald, sicherlich auch darüber hinaus wurden im Gemeindewald Ebernhahn zwei Hasengatter als Hordeneinzäunung errichtet. Dies ist leicht verwunderlich, wenn man weiß, daß der Leiter des Forstamtes Montabaur, Herr Oberforstrat Wehr, in ganz Rheinland-Pfalz als Zaunkönig einen unrühmlichen Titel erworben hat. Die ca. 500 m Umzäunung zweier Flächen wurde nicht gegen Rot- oder Rehwildverbiß, nein, gegen Hasen errichtet. Auf mei­ne diesbezügliche Frage an den Revierleiter des Forstreviers Wirges - Herrn Forstamtmann Gemmer - antwortete mir die­ser: »Hier sind zwei Hasen, die die Pflanzen verbeißen, wir mußten einzäunen.« Ist dies möglich? Für zwei Hasen werden öffentliche Gelder der Gemeinde in Höhe von rd. DM 5.000,- verausgabt. Wurde diese Maßnahme überhaupt vom Gemein­derat genehmigt? Und wenn ja, wußten die Gemeinderatsmitglieder überhaupt, was sie hier zu beschließen hatten? Ein Anruf bei mir hätte genügt und ich hätte einen oder beide Hasen erlegt, wenn dies dann hätte sein müssen, und die Gemein­de hätte sich diese Ausgaben ersparen können. Oder können wir es uns in unserer Überflußgesellschaft nicht mehr leisten, zwei Hasen auf dieser Fläche zu ernähren, selbst wenn hierdurch naturbedingt einige Pflanzen verbissen werden, die im nächsten Jahr aber wieder austreiben? Gerade gegen den Hasen, den verschiedene Umweltschutzorganisationen am lieb­sten auf die rote Liste setzen und von der Jagd verschonen möchten, den die Jäger bereits heute in vielen Revieren freiwil­lig schonen, wird hier zu Felde gezogen in einer m. E. nicht tolerierbaren Art und Weise. Wissen die Waldbesitzer eigent­lich, was sich das Forstamt Montabaur und einige - gewiß nicht alle - Förster vor Ort erlauben? Bis auf wenige Ausnahmen sprechen das Forstamt und der Revierleiter eine Sprache, in selten anmutender Übereinkunft und können so den Gemein­den alles verkaufen, da diese dem sogenannten fachlichen Rat vertrauen. Die meisten Revierleiter - bis auf einige Ausnah­men - trauen sich heute überhaupt nicht mehr, eine eigene Meinung zu vertreten, da sie ganz vom Forstamtsleiter abhän­gig sind und dies vom Leiter des Forstamtes Montabaur, Herrn Wehr schäm- und rücksichtslos ausgenutzt wird. Gemein­deratsmitglieder handeln demzufolge zumindest im guten Glauben, nur müssen sie sich allmählich fragen lassen, ob sie nicht besser ihren gesunden Menschenverstand einsetzen sollten und kritischer den Anträgen des Forstamtes gegenüber sein sollten. Die Finanzen fast aller Gemeinden sind oder werden in den nächsten Jahren knapper, öffentliche Einrichtungen müs­sen teilweise geschlossen werden, aber im Wald werden Zigtausende von Mark unnütz ausgegeben, ja verschwendet. Den Rotwildbestand in meinem Revier habe ich drastisch reduziert, um Schäden an Jungpflanzen und Bäumen zu mindern. Und dennoch werden Gatter in einem Maße unvermindert weiter errichtet, als wäre der Wildbestand noch auf der Höhe von vor 6 - 8 Jahren.

Der Rotwildabschuß ist auf der Einzeljagd heute kaum noch durchführbar. Groß angelegte Drückjagden werden empfoh­len und auch in die Praxis umgesetzt. Für mein Revier muß ich die Überlegung anstellen, ob dies aus Gründen des Tier­schutzes überhaupt noch vertretbar ist, da das Wild bei dieser Form des Jagens nur noch gegen Zäune anrennt und hier tierschutzrechtlichen Gesetzen zuwidergehandelt wird. Man glaubt im Forstamt Montabaur so Waldbau betreiben zu kön­nen, als wenn kein Wild vorhanden wäre. Ein Miteinander - Wald mit Wild - ist hier anscheinend ein Fremdwort. Ein Herr Wehr traut sich lediglich nicht öffentlich zu sagen, er möchte Wald ohne Wild, da er dann vermutlich von der Öffentlich­keit zerrissen würde. Selbst ältere Wäldbestände sollen nach einer Empfehlung des Herrn Wehr eingegattert werden; anstel­le von Einzelschutz, der viel billiger wäre und dem Wild den Lebensraum erhalten würde. Es wäre viel besser, einen recht dichten Zaun um das Forstamt Montabaur zu errichten, um weiteren Schaden von den Gemeinden abzuwenden, als den Wald einzugattern. Wenn Sie, verehrter Leser, als Spaziergänger den Wald vornehmlich um den Koppel auf der Monta- baurer Seite betreten, schauen Sie sich um, bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. Eine von einem Förster unterbreitete Aussage gegenüber einem Jagdpächter wie: »Der Pächter wird sich noch wundern, wieviel km Zäune wir noch errichten«, spiegelt die sach- und haltlose Lage Wald und Wild wider. Als Jagdpächter zahle ich den Gemeinden alljährlich nicht unerhebli­che Jagdpachtgelder. Ist es da nicht eine Ungeheuerlichkeit, wenn der Forstamtsleiter die Gemeinden aufklären will, daß sie besser auf diese Gelder verzichten sollten, wenn die Jagd nicht mehr verpachtet, sondern in anderer Form ausgeübt wird * vielleicht von einem Herrn Wehr? Mir ist an einem ausgewogenen Verhältnis des Wildes im Wald gelegen. Alles in mei­ner Befugnis Liegende wie die Reduzierung der überhöhten Rotwildbestände, die Anlage und Unterhaltung von Asungs- flächen, Pflanzen von Weichhölzern und Frucht tragenden Bäumen u.v.m. wurde getan. Jetzt gehe ich allerdings an aie Öffentlichkeit und frage Sie: Wollen Sie der schleichenden Ausrottung unseres Kulturgutes Wila durch das Forstamt Mon­tabaur tatenlos Zusehen? Es ist höchste Zeit, daß sich die Gemeinden nicht länger vom Forstamt Montabaur bevormunden lassen, von einem Mann, der unfähig ist, ein solches Amt zu bekleiden, sondern daß sie sich gemeinsam mit denen, die das Wild auf der Montabaurer Höhe in angemessener Zahl erhalten wollen, zusammensetzen.

i