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Montabaur

Nr. 46/95

Volkstrauertag

Ehrenmal zu Daubach

Das von Architekt Klaus Mehs aus Frankfurt am Main im Jahre 1921 entworfene Ehrenmal in der verbandsangehörigen Gemeinde Daubach besteht aus einer Weidenhahner Trachytsäule, symbolisiert eine Erdkugel und das daraufstehende Kreuz ist Zeichen des Christentums. Am Sockel des Denkmals sind die Namen der Gefallenen der Gemeinde aus dem I. und II. Weltkrieg eingraviert.

»Gedanken zum Volkstrauertag 1995«

von Josef Otto Schneider Der Krieg, der letzte, uns betreffende Krieg, ist fünfzig Jahre vorbei. Jene, die heute um die Opfer von damals trauern, werden von Jahr zu Jahr weniger. Das Wort »Kriegerwitwe«, das in den Nachkriegsjahren nicht nur im amtlichen Sprachgebrauch als Bezeichnung für eine besonders betroffene große Bevölkerungsgruppe stand, hat sich durch die Jahrzehnte mehr und mehr aus seiner ursprünglichen Aktualität verabschiedet, die Bezeichnung »Kriegswaisen« ist gar völlig verschwunden. Die Zeit hat vieles von selbst erledigt, hat buchstäblich die Wunden geheilt. Distanz, auch die zeitliche, hilft.

Und da kommt dann dieser Volkstrauertag daher, wo doch über­haupt niemand mehr zu trauern scheint! Ist dieser Tag von seiner, im Wort beanspruchten »Trauer« inzwischen nicht antiquiert, über­flüssig, der Zeit nicht mehr angemessen, den seit 1945 folgenden fünfzig Friedensjahren noch entsprechend? Schlimme Vorstellung: Die Menschen gehen auf die Soldatenfriedhöfe und keiner trauert mehr. Kann von einem Fremden überhaupt »Trauer« erwartet werden?

Tatsächlich scheint der Mensch in unserer, die Distanz liebende Welt nur trauerfähig zu sein, wenn ihn der Verlust eines seiner. Lieben unmittelbar betrifft. Dennoch gibt es da auch noch eine andere Dimension, die sich in all den geschäftigen Jahren, die wir hinter uns haben, nicht verschütten ließ. Sie beruht auf der Zusammengehörigkeit von Menschen, die in Gemeinschaft leben, ihr Miteinander, seien es nun um drei oder dreißig oder dreihundert Ecken, gemeinsam gestalten. So gesehen, kann es eine »Entfremdung«, auch zu den Verstorbenen, den Gefallenen, den Opfern des Krieges, der Gewalt, der politischen Verbohrtheit nicht geben-dieToten,werimmer sie waren, gehören zurGemeinschaft der jetzt Lebenden, ihre über tausend Gräber, die zum Beispiel in Montabaur mitten auf dem Friedhof ihren Platz haben, rufen uns ihren Opfergang in schwerer Zeit in Erinnerung.

Doch wer da meint, mit »Trauern« am Volkstrauertag werde ihm zuviel abverlangt, der wird sich vielleicht eines Gedenkens nicht verschließen. »Gedenken« jedoch hat nicht nur inhaltlich etwas mit »Erinnern« zu tun, sondern enthält, mit Blick auf diesen Tag, die unausgesprochene Aufforderung, sich darauf zu besinnen, daß Krieg, Gewalt, Verfolgung, Verderben, Mord sich nicht mehr wieder­holen dürfen. In eine solche Erinnerung wird zudem die Würde des (Mit-) Menschen, die ja auch jedermanns eigene Würde ist, einge­schlossen.

Josef Otto Schneider

Denkmale auf den Friedhöfen und an öffentlichen Plätzen halten das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wach.

Einladung zur Gedenkfeier

Das Totengedenken auf dem Ehrenhain »Westerwald 1939/45« findet statt am Sonntag, 19. November 1995, um 17.30 Uhr, auf dem Ehrenhain Westerwald 1939/45, Friedhof der Stadt Montabaur, an der Friedensstraße.

Im Namen der Stadt Montabaur und des Völksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. sind alle Bürger, insbesondere die jüngere Generation eingeladen, die Gedenkstunde zu besuchen.

Die Ansprache hält der Landrat des Westerwaldkreises, Peter Paul Weinert. Die Kranzniederlegung erfolgt im Auftrag der Landesregierung.

Gestaltet wird die Gedenkstunde durch: Die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, den Musikverein Herschbach bei Selters, den katholischen Kirchenchor St. Cäcilia Montabaur, den Ehrenzug der Bundeswehr Montabaur, die Vertreter der Reservistenkameradschaft Montabaur, die Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr Montabaur, die Abordnung der Schützengesellschaft St. Sebastianus Montabaur.

Fahrdienst für Geh- und Sehbehinderte!

Diejenigen, die geh- bzw. sehbehindert sind, können an der feierlichen Gedenkstunde teilnehmen. Ein Fahrdienst ist dazu eingerichtet. Sie werden auf dem Ehrenhain von Mitgliedern der Reservistenkameradschaft betreut. Melden Sie sich bitte bei dem Beauftragten Herrn Kanz freitags unter Telefon 02602/126130 von 08.00 bis 13.00 Uhr oder samstags unter Telefon 02663/6331 von 10.00 bis 13.00 Uhr. Nehmen Sie einfach das Angebot an.

Dr. Possel-Dölken, Bürgermeister Dieter Kanz, Beauftragter