Montabaur
Nr. 43/94
In Ihrem Geld steckt ein Vermögen
Zu den speziellen Aufgaben, die die Urväter der Sparkassengesetze den „Sparcassen“ auferlegten, gehörte es, „den Sparsinn der Bevölkerung zu fördern“. Es ist nicht nur moderne Sprache, wenn die neueren Sparkassengesetze die „Förderung der Vermögensbildung“ in den Vordergrund stellen. Richtig ist vielmehr, daß in breiten Bevölkerungsschichten Deutschlands inzwischen tatsächlich Vermögen gebildet wird. Durchschnittlich sind es laut Bundesbankangaben pro Haushalt in Westdeutschland fast 110 000 DM allein an Geldvermögen und in Ostdeutschland auch bereits rund 20 000 DM. Immobilien und Sachka- pital stockten den Nettovermögensbestand der privaten Haushalte in Deutschland auf über 8,3 Billionen DM auf. Das macht deutlich: Insgesamt ist Deutschland ein reiches Land.
Die Zahlen der Vergangenheit zeigen: Sparen lohnt sich. Einen immer wichtigeren Beitrag zum Einkommen und zur Vermögensbildung tragen inzwischen die Zinsen und Erlöse aus Geldvermögen bei. Betrugen sie 1970 nur etwa 21 Milliarden DM und damit knapp 4 Prozent des Volkseinkommens, so sind sie 1992 auf 173 Milliarden DM gestiegen. Damit erreichten die Erträge des Geldvermögens einen Anteil von über 8 Prozent am Volkseinkommen. Einkommen aus Geldvermögen wird damit ein immer wichtigerer Bestandteil des Gesamteinkommens von privaten Haushalten. Es ist heute schon absehbar, daß Erträge aus Geld und Immobilienbesitz in Zukunft immer größere Flexibilität bei der Erzielung von Arbeitseinkommen ermöglichen.
Vermindert wird die Freude an den Kapitalerträgen durch deren Besteuerung. Mit den relativ hohen Sparerfreibeträgen hat der Gesetzgeber deutlich gemacht, daß Sparen für ihn eine wünschenswerte Aktivität ist. Man könnte aber weiterdenken: Die Steuersystematik, die von der - tatsächlich nie erreichten - Gleichbehandlung aller Einkunftsarten ausgeht, sollte möglicherweise dahingehend überprüft werden, ob es nicht sinnvoller ist, Steuern auf den gegenwärtigen Konsum zu erhöhen und Steuern auf Ersparnisse, Zinsen und Gewinne als „Steuern auf die Zukunft“ eher zu verringern. Der Weltspartag ist ein sinnvoller Anlaß, auch über eine grundlegende Veränderung der Anreizsysteme zugunsten der Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft nachzudenken.
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in Mrd.DM
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1988 89 90 91 92 1993
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Ob im großen oder kleinen - Sparen lohnt sich immer. Dies zeigt ein Blick auf die von den Sparkassen alljährlich für die von ihnen betreuten Ersparnisse gutgeschriebenen Zinsen. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr fast 20 Mrd. DM. Der kontinuierlich steigende Betrag ist einmal auf wachsende Bestände, aber auch auf den höheren Anteil der Sondersparformen zurückzuführen.
Notgroschen bleibt beliebt
Erstaunlich, aber wahr - trotz wiederkehrender Diskussionen über die Attraktivität des Sparens und der Spareinlagen geben die bundesdeutschen Sparer Jahr für Jahr ein deutliches Votum für diese Form der Vermögensbildung ab. Wie sonst wäre es wohl zu erklären, daß allein bei den Sparkassen in Ost- und Westdeutschland rund 85 Millionen Sparkonten - das sind mehr Konten als Einwohner im vereinten Deutsch-
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land - geführt werden.
Auf zwei von drei Sparkassenbüchern werden kleinere Beträge bis zu 3000 DM gespart. Sie dienen als attraktive Form für den Notgroschen, für mittelfristig geplante Anschaffungen oder beispielsweise eine bevorstehende Uriaubsreise. Solche Sparmotive, die eine flexible und schnell verfügbare Sparform erfordern, werden durch die seit dem Sommer 1993 verbesserten Rahmenbedingungen für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist, der ehemaligen gesetzlichen Kündigungsfrist, nachhaltig gefördert. Die Erhöhung des ohne Kündigung sofort verfügbaren Betrages auf 3000 DM innerhalb eines Kalendermonats verleiht dem Sparbuch heute deutlich mehr Flexibilität. So erklärt es sich auch, daß Sparguthaben mit dreimonatiger Kündigungsfrist zur Jahresmitte 1994 mit 291 Milliarden' DM weit mehr als die Hälfte der gesamten Spareinlagen bildeten. Doch nicht allein die schnelle Verfügbarkeit macht diese Sparform interessant.
Stark wachsender Beliebtheit erfreuen sich aber auch die sogenannten Sondersparformen, die überwiegend fest vereinbarte, längere Laufzeiten haben sowie eine zusätzliche Bonifizierung, so daß sie trotz der derzeitigen allgemeinen Niedrigzinsphase dem Sparer immerhin eine durchschnittliche effektive Verzinsung von rund 5,5 Prozent bringen.
Die dynamische Entwicklung bei den Sondersparformen ließ die Spareinlagen insgesamt bei den bundesdeutschen Sparkassen im ersten
Halbjahr auf 459 Milliarden DM an- steigen. Flexibilität, Sicherheit und Zinssätze, die sich durchaus sehen lassen können, sind Garanten dafür, daß sich das Sparkassenbuch auch weiterhin als „Bestseller“ unter den deutschen Büchern behaupten wird.
Überlegt verbrauchen - richtig sparen
In vielen deutschen Haushalten wird das Geld knapp. Reale Einkommenseinbußen und steigende Abgaben führen dazu, daß immer mehr Haushalte Probleme haben, mit dem Einkommen über die Runden zu kommen. Oftmals liegen finanzielle Schwierigkeiten jedoch nicht an einem zu niedrigen Einkommen, sondern an einer schlechten oder nicht vorhandenen Planung. Stoßseufzer: „Wo ist bloß das Geld geblieben?“ machen deutlich, wo das Problem in vielen Fällen liegt: unkontrollierte Ausgaben für nicht unbedingt notwendige Anschaffungen, Spontankäufe, die sich bei einem späteren Vergleich oft als zu teuer heraussteilen. Auch Beträge, die viertel-, halbjährlich oder gar nur jedes Jahr anfallen und daher oft vergessen werden, bringen das Haushaltsbudget durcheinander. Eine solide Finanzplanung hat viele Vorteile und kann dafür sorgen, mit dem vorhandenen Einkommen besser auszukommen.
Zugleich ist sie ein erster Schritt, um Rücklagen für Unvorhergesehenes oder langgehegte Wünsche bilden zu können. Hilfreich dabei ist der „Haushaltskalender“, der kostenlos angefordert werden kann bei „Geld und Haushalt“, Beratungsdienst der Sparkassen, Postfach 80 0448, 70504 Stuttgart.
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Siebzig Jahre ist es her, daß auf einem internationalen Kongreß Sparkassenvertreter aus 29 Ländern in einer Resolution auf die Bedeutung des Sparens für den einzelnen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt hingewiesen haben. Ein solches Jubiläum verdient schon einmal eine große Torte. Allerdings gilt auch hier: Man braucht viele gute Zutaten, damit das Werk gelingt. Auf das Sparen übertragen: Wer regelmäßig etwas zurücklegt, wird durch entsprechende Zinsen „belohnt“.

