Montabaur
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Nr. 51/93
Was bewegte uns 1993? - Gegensätzliche Gedanken sammeln sich da im Rückblick:
Bedrückende Schlagzeilen wie: Umsturzversuch und Bürgerkrieg im Bereich der ehemaligen Sowjetunion; unverändert Krieg im ehemaligen Jugoslawien; weiterhin Schlagzeilen über Somalia; Terror in Nordirland. Bürgerkriege und Anschläge in afrikanischen Ländern; daneben aber auch Hoffnungszeichen auf Frieden in Israel und Palästina, in Südafrika.
In der Bundesrepublik wurden die Wirtschaftslage und die innere Sicherheit Themen des Jahres; dazu werden politische Lösungen von den Parteien erwartet und zum Teil kontrovers diskutiert. Die Notwendigkeit des Sparens in den öffentlichen Haushalten bleibt eine wichtige Orientierung für die nächsten Jahre.
Mit Sorge wird wiederzunehmende Gewaltbereitschaft, politische Radikalität, zunehmende Gewalt schon bei Kindern und nachlassendes Interesse, für die Gemeinschaft einzutreten, festgestellt. Demnach müssen wir bei all diesen Fragen den Maßstab unserer Gesellschaft, der sehr hoch im Vergleich zu fast allen anderen Ländern, anzusetzen ist, nicht aus den Augen verlieren und Gemeinschaftssinn in unserer unmittelbaren Umgebung bewahren.
ln der Verbandsgemeinde Montabaur setzt sich dasJahr 1993 ebenfalls aus verschiedensten »Puzzleteilchen« zusammen. Als eine zukunftsweisende Perspektive für unseren Raum fiel in dem 1993 die Entscheidung zugunsten eines ICE- Haltepunktes in Montabaur. Mit diesem neuen »Fembahnhof« werden Verbandsgemeinde, Stadt und Ortsgemeinden in den nächsten Jahren neue »Weichenstellungen« für Arbeiten, Wohnen und Leben in unserer Region zu entwickeln haben, eine wichtige und schwierige Aufgabe mit großen Entwicklungschancen für die Zukunft.
An vielen Beispielen in Vereinen, Gruppen, Gemeinden und auch in der Stadt und Verbandsgemeinde lassen sich mit großer Anerkennung Gemeinsinn und Engagement für das örtliche Gemeinschaftsleben erfreulicherweise deutlich machen; dieses gilt es zu fördern und hervorzuheben.
Als Bürgermeister der Verbandsgemeinde und Stadt Montabaur möchte ich hierfür allen danken und Sie ermuntern mitzumachen und sichfür das Gemeinschaftsleben in unseren Gemeinden zu interessieren. Die bevorstehenden Wahlen für die kommunalen Räte imJahre 1994solltenfür alle Veranlassungsein, nicht nur Probleme zu hinterfragen, sondern aktiv mitzugestalten, wo immer dazu Gelegenheit wahrgenommen werden kann. Denn Demokratie in den Gemeinden kann nur weiterentwickelt und bewahrt werden, wenn Mitbürgerinnen und Mitbürger auch bereit sind mitzuwirken. Aus Gesprächen weiß ich, daß viele Mitbürgerinnen und Mitbürger überhaupt nicht wissen, wie groß die Mitwirkungsmöglichkeiten hier sind. Es sollte hier die Devise gelten: Nicht nur kritisieren, auch bereit sein, aktiv mitzuwirken, und dann Einfluß zu nehmen auf gute Entscheidungen für die gemeindliche Gemeinschaft.
Im kommenden Jahr werden Ortsgemeinderäte und Ortsbürgermeister neu gewählt - wobei sich in 1994 dann noch die Bundestagswahl anschließt.
Das bevorstehende »Jahr der Wahlen« veranlaßt mich zum einen, den bisher ehrenamtlich Tätigen in den Gemeinden für ihr Engagement zum Wohle derA llgemeinheit herzlich zu danken. A ngesichts eines allgemein stark zurückgehenden Interesses für den ehrenamtlichen Einsatz möchte ich damit gleichzeitig einen Appell verbinden an jedermann • sowie besonders die Jugendlichen, sich in der Gemeinschaft zu engagieren, sich in die »Politik« einzumischen, statt nur von außen dagegen zu reden. Allein auf diesem Wege, daß viele mitmachen und an einem Strang ziehen, kann Demokratie lebendig bleiben, sich entwickeln und die Gesellschaft voranbringen.
Das Thema » Wahlen« betrifft mich daneben auch als Leiter der Verbandsgemeindeverwaltung. Mit Blick auf1994 wird die Verwaltung vor die besondere Herausforderung gestellt, die anstehenden Wahlen neben den »laufenden Geschäften« zu organisieren. Ich gehe diese Aufgabe im Vertrauen auf die bisherige verantwortungsbewußte und engagierte Arbeit meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, denen ich an dieser Stelle für ihre Unterstützung im vergangenen Jahr ebenfalls herzlich danke.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, es sind doch einige »Puzzleteilchen« des Jahres 1993, die ich in diesen Zeilen beleuchtethabe. Ich schließe mitderHoffnungunddem Wunsch, daß1993für Sie persönlich eine gute Zeit war und 1994 eine gute Zeit wird. Für alle, die sich in besinnlicher Stimmung noch die Zeit nehmen möchten, füge ich eine isländische Weisheit an, die mir dieser Tage ins Auge gefallen ist:
»Nimm dir Zeit, um zu arbeiten; es ist der Preis des Erfolges.
Nimm dir Zeit, um nachzudenken; es ist die Quelle der Kraft.
Nimm dir Zeit, um zu spielen; es ist das Geheimnis der Jugend.
Nimm dir Zeit, um freundlich zu sein; es ist das Tor zum Glücklichsein.
Nimm dir Zeit, um zu träumen; es ist der Weg zu den Sternen.
Nimm dir Zeit, um froh zu sein; es ist die Musik der Seele.«
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie besinnliche Weihnachtsfeiertage , alles Gute im neuen Jahr und vor allem: Zeit.
Dr . P ossel-D ölken - Bürgermeister -

