Montabaur
Nr. 18/92
m
Vorträge im Turm ■ Fortsetzung von Seite 3 -
Insgesamt vertraten die Herzoge in Anlehnung an das Österreich Metternichs eine eher konservative, ja manchmal reaktionäre politische Linie, was auch für Montabaur hinsichtlich der Selbstverwaltung bis 1848 Verluste bedeutete. Überhaupt waren Schloß und Stadt Montabaur für die Landesherren lediglich Stätten zur Ausübung ihres ausgeprägten Jagdvergnügens. Wie der Referent akribisch geführten herzoglichen Jagdprotokollen entnehmen konnte, wurden Bäcker, Metzger und Hoteliers der Stadt (Crone, Nassauer Hof u.a.) den Ansprüchen der herzoglichen Tafel und der Behebergung gerecht. Sechs bis sieben Sorten Fleisch vermochten z.B. die Montabaurer Metzger der herzoglichen Küche anzubieten, bestanden jedoch auch auf angemessene Bez ahlun g, was einem von ihnen sogar einen Prozeß wegen Majestätsbeleidigung eintrug; - er beklagte sich darüber, den für seine Ware geforderten Betragnicht vollständig erhalten zu haben.
Der Vortragfand die Zustimmung aller Hörer, wie der Beifall am Ende bewies. Eine kleine Ausstellung des Stadtarchivars im Eingangsraum des Tirmes zum Thema gab vor und nach dem Vortrag Anlaß zu Fragen und Antworten.
An dieser Stelle sei ausdrücklich der Archivarin Frau Hübner gedankt, die Initiatorin der Vorträge im Turm« ist.
Partnerstadt Sebnitz
ist um eine touristische Attraktion reicher
Schauwerkstatt zur traditionellen Kunstblumenherstellung eröffnet
Kürzlich eröffnet# die Stadt Sebnitz eine Kunstblumen-Schauwerk- statt. Mit dieser Einrichtung möchte die Stadt das traditionelle Kunstblumenhandwerk in Sebnitz unterstützen und einen Beitrag zur Fremdenverkehrsförderung leisten.
Daß sich diese Einrichtung positiv auf den Fremdenverkehr auswirkt, erhofft sich auch der Vorsitzende des noch jungen Sebnitzer Fremdenverkehrsvereins, Wolf gang Wünsch (Mitte) und die Mitarbeiter der Seb- nitz-Tburisteninformation, hier im Gespräch mit Wilfried Noll (links), Sachbearbeiter für Fremdenverkehr und Wirtschaftsförderung in der Verbandsgemeinde Montabaur.
Informationen über Sebnitz sind auch im Rathaus Montabaur, Altbau, 3. Stock, Tbl. 02602/126.111 erhältlich.
Die Partnerstadt Sebnitz in der sächsischen Schweiz ist um eine touristische Attraktion reicher. Kürzlich öffnete die unter der Regie der Stadtverwaltung Sebnitz stehende Schauwerkstatt ihre Pforten. Zwei wichtige Ziele hat man sich in Sebnitz gesetzt; Zum ersten die Weiterführung der mit der Geschichte von Sebnitz eng verbundenen Tradition der Kunstblumenherstellung und zum anderen die Werbung für Sebnitz, denn die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt wird in Zukunft auch vom Fremdenverkehr bestimmt.
Die Besucher der Schauwerkstatt können die Herstellung von traditionellen Kunstblumen verfolgen und während des Besuches in der Werkstatt gefertigte Einzelblumen und Blumengestecke erwerben.
Eng mit der Schauwerkstatt verbunden ist die Ausstellung des Heimatmuseums »Prof. Alfred Meiche« Sebnitz auf der Bergstraße 9, Tfel. 2590. Hier werden historische Sachzeügen zur Geschichte der Kunstblumenherstellung im Sebnitzer Raum und die enge Verflechtung von Stadtgeschichte und Kunstblumenindustrie in den vergangenen 150 Jahren gezeigt.
Öffnungszeiten:
Die Ausstellung ist von
November bis April: Mo. - Fr. 10.00 bis 12.00 Uhr /13.00 bis 16.00 Uhr (nur Schauwerkstatt) und vom
Maibis Oktober: Di. - Fr. 10.00 bis 12.00Uhr /13.00 bis 16.00 Uhr (gemeinsam mit Museum)
Sonntag: 13.00 bis 16.00 Uhr
(Außerhalb der Öffnungszeit sindBesuche auchnach Voranmeldung möglich).
Zur Geschichte
der Sebnitzer Kunstblumenindustrie
Im Gebiet um Sebnitz und Neustadt hat die Kunstblumenherstellung eine mehr als 150jährige Tradition. Blumenmacher aus Nordböhmen verpflanzten das Gewerbe nach 1834 hierher. Die zunächst in Familienbetrieben mit einfachsten Werkzeugen betriebene Herstellung von Kunstblumen erlangte bereits nach 1860 beachtliche wirtschaftliche Bedeutung für das Territorium. Besonders nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 nahm der Export sprunghaft zu. Eine Verbesserungder Qualität wurde zu dieser Zeit durch die Spezialisierung der Blumenindustrie und die Einführung der Arbeitsteilung in den Betrieben erreicht.
Um die Jahrhundertwende beschäftigten die Kunstblumenbetriebe um Sebnitz und Neustadt zuweilen 10 -15.000 Menschen, darunter viele Heimarbeiter. In Zeiten der Hochkonjunktur 1908 - 1913 und 1925 - 1928 gingen fast 80 % der deutschen Kunstblumenproduktion ins Ausland und trugen damit zur Verbesserung der Handelsbilanz bei 1928 lag beispielsweise der Devisenerlös der aus Deutschland ausgeführten Kunstblumen bei fast 25 Millionen Mark.
Seit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise amEnde der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts ging die wirtschaftliche Bedeutung der Kunstblumenindustrie zurück. Sie erlebte nach 1945 nochmals einen Aufschwung. Mit einem Umsatz von mehr als 20 Millionen Mark im Jahre 1947 hatte die sächsische Kunstblumenindustrie nahezu die durchschnittliche Leistung der Vorkriegsjahre erreicht. Leider wurde diese Entwicklung durch die Währungsreform von 1948 gestoppt.
Der 1953 gebildete volkseigene Betrieb (VEB Kunstblume Sebnitz) stellte als ein vom Staat geförderter Betrieb für die bestehenden Privatbetriebe eine große Konkurrenz dar. 1972 wurden die zu diesem Zeitpunkt noch bestehenden privaten Kunstblumenfirmen in Volkseigentum überführt. Mit dieser Liquidierung winden viele über Jahrzehnte bestehende Geschäftsverbindungen unterbrochen und die bis dahin bestehende Vielfalt der Produktion und Spezialisierung der einzelnen Betriebe eingeschränkt. Wegen der hohen Überalterung der Belegschaft, insbesondere der Heimarbeiter, ging die Beschäftigungszahl bis 1989 auf ca. 3.200 zurück. Da der Betrieb zu Preisen exportierte, die weit unter den wirklichen Herstellungskosten lagen, brach mit der Einführung der D-Mark am 1.7.1990 das Exportgeschäft zusammen. Es folgten Entlassungen größeren Ausmaßes und schließlich das Ende der Kunstblumenherstellung in Sebnitz. Die Folge ist eine hohe Arbeitslosigkeit in der Stadt und ihrer Umgebung. Umso begrüßenswerter ist es deshalb, daß sich einige Unternehmer gefunden haben, die in bescheidenem Umfang die Tradition der Kunstblumenherstellung weiterführen wollen. Damit werden wieder Arbeitsplätze geschaffen.
Kompanieübung
Im Manöverraum Montabaur - Hachenburg - Rennerod - Wetzlar - Limburg - Montabaur findet in der Zeit vom 4. bis 7. Mai 1992 eine Kompanieübung statt.
Thippenstärke: 80 Soldaten
Fahrzeuge: 25 Radfahrzeuge, 2 Kettenfahrzeuge
Integrationsübung
Im Manöverraum: Bendorf - Rhein - St. Goarshausen - B 247 - B 54 - Limburg - B 54 - Stein-Neukirch - B 414 - Hachenburg - B 413 - Bendorf findet in der Zeit vom 05.05. bis 07.05.1992 eine Integrationsübung statt.
Thippenstärke: 180 Soldaten
Fahrzeuge: 17 Räderfahrzeuge, 2 Hubschrauber mit Außenlandungen
Die Bevölkerung wird um Beachtung gebeten.
Gefechtsübung
Im Manöverraum Westierwaldkreis und Rhein-Lahn-Kreis findet in der Zeit vom 4. bis 8; Mai 1992 eine Gefechtsübung statt.

