Montabaur
Nr. 37/98
Ein IHK-Wegweiser zur Existenzgründung
Existenzgründung in Deutschland - Ist die Selbständigkeit das Richtige? •
Wer hilft?
Existenzgründung in Deutschland
Der Mittelstand ist die entscheidende wirtschaftliche Größe in Deutschland. Das „Rückgraf der Wirtschaft wird er immer wieder genannt.
Die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland erbringen fast die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung. Rund zwei Drittel aller Beschäftigten haben dort ihren Arbeitsplatz, und außerdem werden ca. drei Viertel aller Azubis dort ausgebildet. Hinzu kommt, daß die meisten der etwa drei Millionen Unternehmerinnen und Unternehmer es geschafft haben, sich durch ihre Selbständigkeit ihre persönlichen und beruflichen Wünsche zu erfüllen.
In der Bundesrepublik Deutschland werden jährlich ungefähr 570.000 Gewerbe angemeldet, auf der anderen Seite aber auch wieder etwa 470.000 abgemeldet. Je kleiner der Negativsaldo um so besser. Eine größtmögliche und dauerhaft nachwachsende Zahl von Unternehmern ist beispielsweise mit entscheidend für
- Wirtschaftswachstum,
- Arbeits- und Ausbildungsplätze,
- neue Produkte und Verfahren,
- Wettbewerb,
- verbraucherfreundliche Versorgung,
- Steueraufkommen und überhaupt eine
- funktionierende soziale Marktwirtschaft.
Angesichts dessen gehört die Förderung von Existenzgründungen zu den wirtschaftspolitischen Spitzenthemen unserer Tage.
In der Bundesrepublik gibt es zur Zeit rund drei Mio. Selbständige, davon 880.000 Frauen.
Möglichst viele Existenzgründungen sind auch deshalb erforderlich, um keine Unternehmerlücke entstehen zu lassen. In Deutschland gilt es, einiges im europäischen Vergleich wettzumachen - ganz zu schweigen von den Vereinigten Staaten.
Während hierzulande der Anteil der Selbständigen an der Zahl der Erwerbstätigen bei 9 Prozent liegt, erreicht die Quote in anderen Ländern der EU bis zu etwa 12 Prozent. Hinzu kommen Ausfallgefahren bei aus Alters- oder Gesundheitsgründen erforderlichen betrieblichen Nachfolgelösungen.
Hier ist in Deutschland bis zum Jahr 2000 mit rund 300.000 Unternehmensaufgaben durch die derzeitigen Besitzer zu rechnen.
Nach Expertenmeinung wird hiervon etwa ein Viertel nicht mehr die Kraft besitzen, am Markt bestehen zu bleiben. In Rheinland-Pfalz stehen 21.000 Unternehmen bis zur Jahrtausendwende zur Übergabe an.
Die Kammern führen in der Bundesrepublik Deutschland jährlich fast 150.000 Existenzgründungsgespräche durch. Die IHK zu Koblenz registriert seit Jahren ein anhaltend hohes Interesse an Existenzgründungen. So wurden im Jahr 1997 2.318 Beratungsgespräche geführt und 367 Teilnehmer an den Existenzgründungsseminaren der Kammer gezählt. Hauptgründe für den Gang in die Selbständigkeit sind:
• Unabhängigkeit;
• Selbstverwirklichung;
• gesellschaftliche Anerkennung;
• höheres Einkommen;
in zunehmendem Maße aber auch
• Vorbeugung vor drohender Arbeitslosigkeit;
• Beendigung von eingetretener Arbeitslosigkeit.
Auf der anderen Seite lauern aber auch erhebliche Gefahren, sich am Markt nicht durchsetzen zu können. Damit verbunden sind nach dem Ausscheiden nicht selten über viele Jahre zu bezahlende Verbindlichkeiten. Zwischen 1990 und 1992 wurden beispielsweise bei der IHK zu Koblenz rund 21.000 Gewerbeanmeldungen registriert. Davon waren bis Mai 1996 wieder 53 Prozent gelöscht, ein Prozent in Konkurs und 46 Prozent noch existent. Gut jedes zweite Unternehmen überstand also die ersten vier bis sechs Jahre.
Diese 5-teilige Sonderserie zum Thema Existenzgründung liefert einen Überblick der wichtigsten Aspekte - aber Vorsicht: Eine gründliche Beratung will und kann sie keinesfalls ersetzen.
Ist die Selbständigkeit das Richtige?
Jede Existenzgründung steht und fällt mit der Person der Gründerin bzw. des Gründers. Sie bzw. er ist und bleibt die treibende Kraft des Unternehmens (oder eben nicht). Das sehen übrigens die Banker, die möglicherweise einen Kredit als Startkapital geben sollen, genauso.
Geld gibt es letztendlich nur dann, wenn die Bank oder Sparkasse dem/der Existenzgründerin ein solches Vorhaben persönlich zutraut. Daher sollte man sich zunächst folgende Fragen beantworten: Kann ich ein Unternehmen führen?
Reichen meine beruflichen Fähigkeiten und Qualifikationen dafür aus?
Habe ich kaufmännische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse (z. B. zu Kostenrechnung, Preisgestaltung, Buchführung)?
Bin ich bereit, 60 Stunden in der Woche, möglicherweise auch am Wochenende, zu arbeiten? Unterstützt mich meine Familie? Ist sie bereit, Entbehrungen im Privatleben in Kauf zu nehmen?
Es ist also wichtig, sich hierauf vorzubereiten sowie ggf. Qualifikations- und Fortbildungsangebote zu nutzen! So bietet beispielsweise das Bildungszentrum der IHK zu Koblenz ein Seminar „Kaufmännische Grundlagen zur dauerhaften Existenzsicherung für Jungunternehmerinnen“ an (Auskunft und Anmeldung: »
0261/30471-12 und-19, ^ *
Fax: 0261/30471-21).
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Bezirksstelle Montabaur VERLAG
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