Montabaur
Seite 30
Nr. 52/63/37
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Von A bis Z:
Die Melisse - und der aus ihr hergestellle Melissengeist - gehören zu den wertvollsten Heilmitteln, die uns die Natur gab. Die alten Griechen kannten sie schon, im Fernen Osten wurde sie seit Jahrtausenden angewandt. In unserem Kulturkreis haben neueste Forschungen die von der Erfahrungsme- dizin seit langem behaupteten Wirkungsweisen bestätigt. Auf dieser Seite haben wir das Interessanteste über diese Heilpflanze von A bis Z zusammengesteüt.
Melisse
I Labiatae oder Lamiaceae, Up- | penblüliergewäch- . Pflanzen- I familic der
__ f Ordnung
der Lamiales, der Lip-
penbiütlerartigen. die Melisse gehört.
der
! Abwehrkraft
l Inhall&slofTe der Melisse können * natürlichen Abwehrkrafte des l Körpers steigern. Aus diesem Grund sind Melisse und Melissengeist wertvolle Mittel zur Vorbeugung gegen Eräältung.
.Botanische \ Beschreibung:
* Die Melisse gehört zur ^Familie der Up- lpenblütler (Laminar ceae). Typisch sind die r herzförmigen Blätter, die vierkantigen Stengel und weißen oder rötlichen Blüten, die stark nach Zitrone duften. Sie ist im Mittelmeerraum heimisch, wird seit Jahrhunderten aber auch in Mitteleuropa, selbst noch in Norwegen, kultiviert.
. Cinlrwnrilal:
1 Hauptbestandteil ' des aus der Melis- gewonnenen k ätherischen Öls.
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p Hildegard Bingen: I Für die heilig- I gesprochene | Abtissin, die a von 1098 bis 1179 lebte, besaß die Melisse die „Kräfte von fünfzehn anderen Kräutern". Sie empfahl das Kraut bei Kopfschmerzen, Schwindelgefuhl. Magenbeschwerden. eine Anwendung. die auch heute noch gültig ist.
"Klöster waren über r Jahrhunderte für die Bevölkerung der einzige Ort, wo sie Heilung solchen konnten und in 9 Klosterapotheken Heilmittel bekamen. Klosterfrauen wie Maria Clementine Martin (siehe unter „M") waren die ersten, die aus den Me- Ussenblättern den berühmten Melissengeist destillierten.
^ Maria Cie- mentine I Marlin.
I Klosterfrau I der Karme- f literinneo ' <1775- 1843), war von Napoleon aus ihrem Brüsseler Kloster vertrieben worden, gründete in Köln ein Unternehmen und destillierte dort im Jahre 1826 erstmals jene „ächte Melissenwasser", das sich als „Klosterfrau Melissengeist“ heute io jeder dritten Hausapotheke befindet.
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Dosierung:
Melissenbiätter Teelöfel voll! werden mit heißem Wässer übergossen und dürfen dann zehn Minuten in abgedeckter Tasse ziehen.
Melissengeist muß unmittelbar vor der Einnahme mit der doppelten Menge Wässer verdünnt werden. so daß das Präparat bei der Einnahme (empfohlen maximal 3 x täglich jeweils 1-2 Teelöffel! nur noch einen Alkoholgehalt von 26 % hat.
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, Ernte:
| Die Ernte der heilkräftigen Melissen- Blätter muß sehr vorsichtig gesche- | hen. damit sie nicht beschädigt werden . und ihre Wirkstoffe verlieren. Sie I werden mit der Hand von der Pflan- ^ ze abgestreift. Wichtig ist der Zeitpunkt der Ernte. Sie muß vor der Blüte erfolgen. Dann sind die Wirkstoffe konzentrierter.
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k schung: Die seit I Jahrtausen- ' den medizinisch genutzte Melisse gehört zu den am intensivsten erforschten Heilpflanzen. Im Laborversuch wurden inzwischen die Erkli« . rangen für die von der Erfahrungsmedizin schon immer behaupte-
J Inhaltsstoffe: j Ätherisches öl (mit den I Hauptwirksloffen Ci- I tral, CitroneUol und an- | deren), Bitterstoffe, h Gerbstoffe. Schleim.
Melissengeist, aus den Blättern der Melisse hergestelltes Destillat, wird von den meisten Ärzten dem reinen Heilpflanzentee vorgezogen. Durch einen Aufguß können nicht alle der in .Heilpfiaa- zen enthaltenen In- haltsstofTe gelöst werden. Bei einer Alkohol-Destillation ist es jedoch möglich, alle ätherischen Öle zu erhalten, auszunutzen und * ? durch den Alkoholanteil des Melis-
y sengeistes auch über Jahre hinweg , stabil zu erhalten (unmittelbar vor der Einnahme muß der Melissengeist jedoch verdünnt werden, so daß das Präparat bei der Einnahme (empfohlen werden maximal 3 X täglich jeweils 1-2 Teelöffel) nur noch einen Alkoholgehalt von 26 % hat. Melissengeist wirkt durch seine Inhaltsstoffe mehrfach. Zusammen mit den Inhaltssloffen von weiteren Heilpflanzen wirkt Melissengeist beruhigend, krampflösend und sogar gegen Bakterien und Viren. Das ätherische Ol der Melisse kann dazu beitragen, Krämpfe za lösen, Abgeschlagenheit verschwinden zu lassen und das subjektive Wohlbefinden za verbessern.
( k Namen: Die medizinisch genutzte Melisse wird Lateinisch „Melissa offi- cinaiis" genannt. Andere volkstümliche Bezeichnungen sind: Zitronen- kraut, Katzenkraut. Henkraut, Nervenkraut, Mutterkraut.
Stabilität der ln-
lulusloifc: Bei .usdwlillier,. Tee aus Melis- senblättera muß berück-
~ . . _. . sichtig!werden,
Paracelsus, der berühmte^^^^daß es sich bei A™. .r“* rf y 5ck ? den getrockneten PfUnr- (1494 bu IM1). der ei- enteign um lebende Substanzen bandelt, auf geolhcht Theophrastus die _ ^ Gegensatz zum Melissengeist - Tera- * “ peratur, Luftfeuchtigkeit, Licht und vor allem auch der Faktor Zeit einwirkco. Die Wirkstoffe bauen sieb während der Lagerzeit ab. Im Destillat Melissengeist bleiben, wie wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, die Inhaltssloffe durch Alkohol über viele Jahre stabil.
öl der Melisse enthält die heilkräftigen Inhths- \ Stoffe. Da sie ia Alkohol besser löslich sind, werden sie mit seiner Hilfe zur Herstellung eines Melissengeistes her-
Bombasins von Hohenheim hieß, sagte:
„Melisse bl von allen Dingen, welche die Erde hervorbringt, das beste Kräutlein für das Herz."
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funden. Auch neue Anwendungsgebiete haben sich ergeben: So hat man die Wirkung der Melissen-lnhaltsslofTe gegen Viren nachgewiesen. Das Bundes- gesundheitsamt ließ deshalb bereits eine Melissen-Salbe zu. die gegen Herpes wirkt.
' Geist: Vieldeutiges
r Wort der deutschen Spra
che, das im berühmten Wörterbuch der Deutschen Sprache der Brüder Grimm in nicht weniger als 119 Spalten erläutert wird. Auch alkoholische Destillate werden mit „Geist“ bezeichnet. Man w ' ‘
te schon im Mittelalter, daß die heilkräftigen ln- baltsstoffe der Pflanzen „flüchtig wie Gespenster“ sind - werden sie nktil, wie z. B. im Melissengeist 1 durch Alkohol gebuodeo und stabil gemacht.
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Terpene: Bausteine der ätherischen öle. In der Melisse wurden über 120 derartiger Stoffe nachgewiesen.
kUnruhezustände aus nervo- J s«d Ursachen ist eine der Be- ■schwerden, bei denen Melisse (helfen kann. Andere sind nervöse Magen- und ^ f Darmbeschwerden, nervöse "Einschlafstörangen, nervöse Herzbeschwerden ohne organische Ursache, Wetterfühligkeit, Beschwerden in den Wech- . seljabrcn.
i Wirkung: Die Inhalts- Stoffe des Melissengeistes und der Melisse wirken krampflösend, beni- r higen und bekämpfen ver- ' sdüedene Krankheitserreger. Auch eine Wirkung gegen Viren wurde naebge- wiesen.
I Zucht der Heilpflanze: Botanikern ge- ' Ung inzwischen , die Zucht einer Melissen- rasse, die wesentlich mehr ätherische öle enthält als jene, die bei uns wächst. Die gegenwärtig gültige Ausgabe des Deutschen Arzneibuches (DAB 8 von 1978) schreibt für Melissen- Arzneipflanzen einen Mindestgehalt von 0,05 Prozent an ätherischem öl vor. ln der Bundesrepublik bringen es die Pflanzen an besonders günstigen Stellen schon mal auf einen Gehall von 0,1 Prozent. Doch im spanischen Ebro-Delta, wo für einen deutschen MeUsseogeislhersteUer die Melisse angebaut wird, konnte in Zusammenarbeit mit der Universität Barcelona eine Melissenrasse gezüchtet werden, die einen Gehalt von 0,8 Prozent an ätherischem öl erreicht-

