Einzelbild herunterladen

Montabaur

Seite 20

Nr. 26/87

Bauen, Wohnen und der große Komplex des Haushalts waren die drei thematischen Schwerpunkte dieser Schau, die durch vie­le praktische Vorführungen ergänzt wird.

Die KE VAG wollte im Rahmen dieser Veranstaltung weiter über die umweltfreundliche und wirtschaftliche Elektroheizung be­raten und auch über die unterschiedlichen Verwendungsmög­lichkeiten der elektrischen Warmwasserversorgung informie­ren.

Fotos: Capitain

Darüber hinaus ist viel Wissenswertes über den richtigen und vor allem energiesparenden Einsatz von elektrischen Haus­haltsgeräten zu erfahren gewesen.

Allen Fragen interessierter Bürger stand ein fachkundiges Per­sonal gegenüber, das ausgiebig auf die verschiedenen Probleme der Stromkunden einging.

Erste Koblenzer Pferdebahn

Pferdebahnwagen anläßlich des 60. Firmen jubiläums vor der ehemaligen Stadthaile, 1936.

«4t.- *- Jt '

. . tt

***

Pferdebahn am Löhrtor.

I * * t

Pferdebahn ln der Löhrstraße (um die Jahrhundertwende}

«**t* v

* ~

** ßJ&*.

Die Generalprobe, eine Woche zuvor, sie war ein Reinfall; die Jungfemf ahrt, acht läge danach, sie wurde ein wahrer lYiumph- zug. Volksfeststimmung: Blumen, Fahnen und Girlanden, alles, was sich zum Schmücken der Straßen eignete, war auf geboten, um mit Neugier und Nachdruck an jenem Täg die erste Koblen­zer Pferdebahn zu begrüßen. Als eiserne Plattform auf zwei Achsen, überdacht, mit Platz für sechzehn Personen und einem Kutscher, zog sie am 28. Mai 1887 erstmals fahrplanmäßig durch die Straßen, dabei ebenso bezweifelt wie belächelt, ebenso bestaunt wie bewundert. Morgen, auf den Thg genau, vor 100 Jahren, war es Sensation und Stadtgespräch, was uns heute mit Nostalgie erfüllt.

Ganze drei Jahre hat es gedauert, bis die Bahn in Schwungkam. Alexander von Stülpnagel und Wilhelm von Tippelskirch, zwei klassische Managertypen der Gründerzeit, adelig, agil und auf­geschlossen, hatten schon seit 1884 die Idee zu einer von Pferden gezogenen Bahn. Was sie allerdings nicht hatten, oder besser: nicht genügend hatten, war das Kapital dazu. Ein Pferd allein, gut und stark gebaut, wie sie es brauchten, kostete seinerzeit schon an die 1000 Reichsmark und der Bahnwagen selbst ent­sprechend mehr. Deshalb mußte es erst einmal anderweitig - in ihren Kassen nämlich - klingeln, bevor dies erstmalig die Bahn­glocke tun konnte. Mit einem Grundkapital von 125.000 Reichs­mark auf der B ank und einer eingetragenen Aktiengesellschaft auf dem Papier in der Hand war Kapital beschafft und die Fahrt frei in ein neues Zeitalter. Koblenz und seine ebenso honorigen wie bärtigen Stadtväter standen dem Projekt von vornherein of­fen gegenüber, und so liest sich die Eintragung der »Coblenzer Straßenbahn-Gesellschaft« am 04. Oktober 1886 ins Handelsre­gister denn auch als ein Wechsel auf eine verheißungsvolle Zu­kunft.

Mit der Pferdebahn gab es seit 1886 auch in Koblenz für den Zug der Zeit kein Halten mehr. Das neue Verkehrsmittel »Bahn« suchte sich seinen Weg, war gleichermaßen bahnbrechend Schienen und die Streckenführung bezwangen sogar die kampf­geschwärzten Festungsmauem der Preußen in der Stadt: Das Mainzer Ibr, zu engfür die Bahnwagen, wurdeverbreitert, weite­re Türme ab- und Wälle umgerissen.

Weichen und Gleise der Linie I waren als erste verlegt und be­fahrbar. Vom früheren Mosel- unweit des heutigen Hauptbahn­hofs - durch das linke Löhrtor hinunter zur damaligen Schiffs­brücke am Rhein führte die Fahrt; und jeder, der einen Groschen zahlte, konnte einsteigen. Über 330.000 waren es bis zum Jahres­ende 1887 gewesen.

Korrekt bis auf den letzten I-Tüpfel verkehrten die Pferdebahn­wagen auch nach dem ersten regulären Sommerfahrplan; mor­gens und abends in zwölf Minuten, dazwischen im acht - Minu­tentakt - von sieben Uhr in der Früh bis 22.00 Uhr in der Nacht.

Weitere Linien folgten noch im gleichen J ahr. So die Linie 11 vom heutigen Görresplatz bis zum Pappelrondell in der Mainzer Straße, nahedes Schützenhofs, undnochetwas später, die dritte Strecke im Bunde nach Kapellen-Stolzenfels.

Betriebshof für Tier und Mensch war in den ersten Monaten pro­visorisch die Kohlenhandlung Harmeling in der Löhrchaussee, in Höhe der heutigen Löhrstraße, Hausnummer 107. Später wurde ein neuer in der südlichen Vorstadt errichtet.

Schon nachknapp sechsmonatiger Betriebszeit waren Ende De­zember 1887 bereits 5.000 Meter Schienen verlegt, auf denen 24 Pferde und acht Wagen im Pendeldienst die Stadt durchquerten.

»Pärdsbähnersch Leit«, so nannten die alten Koblenzer, ihre