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Feierliche Einweihung des Rathauserweiterungsbaues In einer Feierstunde wurde am Freitag, 25. November 1983 der Rathauserweiterungsbau offiziell seiner Bestimmung übergeben. Gäste des Festaktes waren u.a. der rheinland-pfälzische Innenminister Kurt Böckmann, der Abgeordnete des Deutschen Bundestages August Hanz, die Abgeordneten des rheinland- pfälzischen Landtages Joachim Hörster, Karl Hoppe, Paul Lamboy und Hans Schweitzer, Regierungspräsident Heinz Korbach, Landrat Dr. Norbert Heinen, die Mitglieder des Verbandsgemeinderates und des Stadtrates, die Ortsbürgermeister aus den Gemeinden, die zur Verbandsgemeinde Montabaur gehören, der Bürgermeister der Partnerstadt Tonnerre, Roz4, eine Delegation des Patenschiffes „Troßschiff Westerwald", die Lei ter der Behörden in der Stadt Montabaur, Dekan Niederberger von der Kath. Pfarrgemeinde „St. Peter in Ketten", Pfarrvikar Boucsein von der Evangl. Kirchengemeinde sowie Vertreterder am Bau beteiligten Firmen. Besonders herzlich begrüßte Bürgermeister Dr. Possel-Dölken die Witwe seines Amtsvorgängers, Frau Annette Mangels.
In seiner Begrüßungsansprache bezeichnete BÜRGERMEISTER DOKTOR POSSEL-DÖLKEN die Einweihung eines neuen Rathauses als „historische Stunde" in der Geschichte einer Stadt und Verbandsgemeinde.
Dies werde deutlich, wenn man sich vergegenwärtige, daß dieses neue Verwaltungsgebäude der Verbandsgemeindeverwaltung Montabaur das vierte Rathaus sei, das in der mehr als 1000jähri- gen Geschichte von Montabaur gebaut worden ist.
Bereits dadurch werde deutlich, welche baugeschichtliche- Bedeutung dieser Tag habe. Der Bau eines Rathauses in einer Stadt sei zu jeder Zeit ein Ereignis besonderen Ranges gewesen, und vor allem auch Ausdruck des bürgerlichen Selbstbewußtseins und für spätere Generationen ein Zeugnis der Baukunst dieser Zeit.
viele Städte das Stadtrecht erlangt haben und - meistens gegen entsprechendes finanzielles Entgelt - für ihre Gemeinden Freibriefe mit bestimmten Privilegien erhielten. Auf ähnliche Weise habe auch die Stadt Montabaur 1291 das Stadtrecht erlangt.
Das erste Rathaus der Stadt Montabaur müsse - so Bürgermeister Dr. Possel-Dölken - schon vorher am „Großen Markt,, gestanden haben; denn die damaligen Verwaltungsgebäude seien in erster Linie Gerichtshäuser gewesen und um 12 30 sei in Montabaur bereits ein Schöffengericht urkundlich erwähnt worden.
Das Amt des Bürgermeisters und die Existenz eines Stadtrates sei erst seit 1359 bzw. 1442 in Montabaur nachgewiesen.
Das erste Rathaus habe offenbar schon im 14. und 15. Jahrhundert den Beinamen „Roter Löwe" getragen, was allerdings nicht - so der Bürgermeister pointiert - auf etwaige politische Mehrheitsverhältnisse im Rathaus zurückzuführen sei, sondern auf das Wappentier der Blutgerichtsbarkeit, einen rot bemalten Löwen, dessen Nachbildung heute noch unter der Vorhalle des Rathauses am „Großen Markt" aufgestellt ist.
Der nach der Zerstörung durch den Stadtbrand 1534 erforderliche Wiederaufbau habe trotz vielfacher Eigenleistung der Bürger beträchtliche Geldmittel erfordert. Weil es damals weder ein „kurfürstliches Förderungsprogramm" noch eine Brandversicherungsanstalt gegeben habe, sei vom Kurfürst die Sammlung von Geldern durch Kollekten erlaubt, die Gewährung von Sachspenden durch andere Städte angeregt und an- j geordnet worden, daß sich die Bürger nach Maßgabe ihres Einkommens an den Baukosten zu beteiligen hätten.
In einem Bericht aus dem Jahr 1602 an den Kurfürsten sei die Fertigstellung des neuen Rathauses mitgeteilt worden. Dieses zweite Rathaus habe wiederum etwa 300 Jahre,also bis zum Jahre 1866, am „Großen Markt" gestanden und den Ausgang der kurfürstlichen Zeit sowie seit 1802 die nassauische Zeit in Montabaur miterlebt.
Dieses zweite Rathaus sei in einem Aquarell eines belgischen Offiziers 1862 festgehalten worden, das ein relativ schlicht gestaltetes Gebäude zeige.
Bürgermeister Dr. Possel-Dölken schilderte die Geschichte der Rathäuser in der Stadt Montabaur und berichtete, das erste Rathaus in der Stadt Montabaur sei eng verbunden mit der aufstrebenden Entwicklung dieser Stadt zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert.
Es sei Mittelpunkt der mittelalterlichen Stadt Montabaur zwischen dem Schloßberg und der Pfarrkirche, also zwischen den weltlichen, staatlichen und kirchlichen Obrigkeiten der damaligen Zeit gewesen.
Dieses Rathaus habe mindestens 300 Jahre am „Großen Markt" also am Schnittpunkt der Handelsstraßen dieser Stadt gestanden. Im Jahre 1534 sei es durch den großen Stadtbrand zerstört worden.
Das erste Rathaus in Montabaur sei vermutlich zur gleichen Zeit entstanden , in der zu Anfang des 13. Jahrhunderts das Schloß auf dem Schloßberg vom Erzbischof Dietrich von Wied als Befestigungsanlage ausgebaut wurde und Schloß und Burgsiedlung den Namen „Mons Tabor" erhalten haben. Es sei dies in Deutschland eine Epoche wirtschaftlicher Umwälzungen und aufstrebender Entwicklungen der mittelalterlichen Städte gewesen.
Während die weltlichen und kirchlichen Landesherren mit der Organisation und Finanzierung von Kreuzzügen nach Palästina und zahlreichen Machtkämpfen untereinander befaßt gewesen seien, hätten es viele Orte verstanden, sich aus bescheidenen Anfängen heraus mehr und mehr aus der fürstlichen Oberherrschaft zu lösen und eigene politische Vertretungskörperschaften zu bilden. So sei es bezeichnend, daß gerade im 13. Jahrhundert
Als Montabaur 1866 preußisch geworden sei, habe man dieses Rathaus - offenbar nach langjähriger Vorplanung - abgerissen.
Das heutige Rathaus der Stadt Montabaur, also das dritte in der Baugeschichte dieser Stadt, ist - so Bürgermeister Dr.Possel- Dölken - ein Werk des nassauischen Baumeisters Hermann Adolf Meurer, der dieses Gebäude in den Jahren J867 -1869 iif Auftrag der Stadt Montabaur gebaut hat. Dieses Rathaus sei in seiner äußeren Gestaltung ein Denkmal selbstbewußter kommunaler Selbstverwaltung aus nassauischer und preußischer Zeit. Das im neugotischen Stil errichtete und äußerlich weitgehend bis heute unverändert gebliebene Gebäude hatte im ersten und zweiten Obergeschoß einen eindrucksvoll gestalteten Sitzungssaal mit zwei Emporen für Zuhörer und im Erdgeschof eine Säulenhalle als Markthalle. Der zunehmende Raumbedarf für die VerwaltungsräumQ machte nach den Worten von Bürger- meister Dr. Possel-Dölken in den vergangenen Jahrzehnten mehrfache Umbauarbeiten notwendig.
Mit Bildung der Verbandsgemeinde Montabaur im Jahr 1972$ deutlich geworden, daß dieses Rathaus für die neue Verbands-] gemeindeverwaltung nicht mehr ausreiche. Man habe drei NeW stellen eingerichtet, was den Betriebsablauf der Verwaltung erheblich erschwert und beeinträchtigt habe. Inden ersten Jahren nach Bildung der Verbandsgemeinde seien jedoch anderj Aufgaben vorrangig gewesen, insbesondere der Schulbau, die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung.
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