Montabaur 28 / 48 / 82
leichterung, denn es kann neben dem normalen Hausmüll in vielen lallen sogar zusätzlich Sperrmüll wöchentlich untergebracht werden.
Mit diesen Vorteilen für den privaten Haushalt sind jedoch untrennbar regional und landesweit schwerwiegende Nachteile für unsere Umwelt verbunden, die zu Beginn der bundesweiten Planungen des Großbehälter-Konzeptes vor etwa 10 Jahren noch nicht abzusehen waren: Der Raum für Mülldeponien in Rheinland-Pfalz ist nahezu erschöpft und die langfristigen Gefahren für das Grundeasser sind meist unkalkulierbar.
Dabei weisen wir besonders auf die hochgiftigen Schwermetalle Quecksilber, Cadmium und Blei hin, die vielfach in Batterien enthalten sind. Cadmium wird zusätzlich für die Einfärbung von Kunststoffen und die ebenfalls hochgiftigen chlorierten Kohlenwasserstoffe in Holzschutzmitteln verarbeitet.
Es ist nachgewiesen, daß bei großem Behältervolumen die Hausund Sperrmül Imenge beträchtlich ansteigt. Bekannt sind Gewichtszunahmen von ca. 100 %. Es entfällt die Mühe zur Vorsortierung und zum abfallbewußten Einkauf (Abfallvermeidung), denn „mir steht ja eine Riesentonne zur Verfügung".
Nach unserer Beobachtung hilft auch die kreisweite Einführung der neuen Großbehälter nicht, das Problem des in der Natur wild abgelagerten Mülls zu beseitigen. Wir verweisen dabei auf die neuerlichen Klagen der Ortsbürgermeister.
Daß die Landschaft nach wie vor von wild weggeworfenem Unrat verschandelt wird, zeigt auch unsere erste und spontan durchgeführte Aktion „Saubere Landschaft" vom 5. Juni 1982, damals haben 17, meist jugendliche Helfer in zwei Stunden 10 1001 Plastiksäcke mit Unrat gefüllt.
Wir möchten Ihnen deshalb heute über die rein technischen Hinweise hinaus, auf die sich die Kreisverwaltung bei Einführung der neuen Behälter beschränkt hat, konkrete Vorschläge machen, wie jeder einzelne Bürger zu einer Verringerung der Müllmenge beitragen kann:
- Bitte beachten Sie, daß die Abfallmenge nicht dadurch reduziert wird, daß der Müll statt in den dafür vorgesehenen Behälter in der Natur weggeworfen wird
- Vermeiden Sie beim Einkauf sperrige Verpackung und Einwegflaschen
- Beginnen Sie mit der Vorsortierung des Abfalls schon in der Küche. Glas, Papier und verrottbares Material lassen sich leicht vom übrigen Müll abtrennen
- Die verrottbaren Abfälle sollten nach Möglichkeit zusammen mit den Gartenabfällen wie Gras, Laub und zerkleinerten Zweigen verkompostiert werden. Das Verbrennen von Gartenabfällen ist nur in Ausnahmefällen erlaubt. Zuständig hierfür ist das Landratsamt in Montabaur. Das flächenhafte Abbrennen ist grundsätzlich verboten.
- Für Glasabfälle sollten Sie die in allen Augst-Gemeinden aufgestellten Container nutzen
- Altpapier (gebündelte Zeitungen, [Cartons usw.) wird vom Westerwaldkreis abgefahren
- Gefährliche Abfälle gehören nicht in den Großbehälter. Farben, Farbläser und Lacke sind zu verbrauchen. Überalterte Arzneien werden von Apotheken, verbrauchte Haushaltsbatterien von Elektrogeschäften, Altöl und Autobatterien von Kfz-Werkstätten und Tankstellen entgegengenommen.
- Für Altmetalle wie Eisen, Aluminium, Kupfer, Zink und Messing werden Ihnen aktuelle Marktpreise geboten, die je kg etwa zwischen DM -,10 für Eisen und DM 2,50 für Messing liegen (z.B. Fa. Thyssen Sonnenberg, Koblenz)
- Altpapier und Sperrmüll werden jährlich 2 - 3 mal abgefahren Die Termine erfahren Sie im Januar aus dem Wochenblatt und der Westerwälder Zeitung.
Der wirtschaftliche Gewinn durch das Vorsortieren sollte nicht unbeachtet bleiben. Er liegt z.B. in Koblenz bei ca.
50.000 DM jährlich.
Wir erinnern Sie abschließend noch an unser Info 2 (Wasserversorgung) vom April 1982 und an die Erwiderung der Verbandsgemeinde. Letztere erweckte in ihrer Beilage zum Wochenblatt durch Nennung von geschätzten jährlich verfügbaren Trinkwassermengen den Eindruck, daß die Wasserversorgung der Augst künftig auch bei der geplanten zusätzlichen Bebauung gesichert sei.
Die Jahresbilanz haben auch wir nicht bezweifelt. Wer aber bei der kommunalen Wasserversorgung mit Jahresmittelwerten argumentiert und sommerliche Trockenheit mit erhöhtem Wasserbedarf und geringerem Angebot nicht berücksichtigt, verstößt gegen die anerkannten Regeln der Wasserwirtschaft.
Wenn Sie mehr zu ( obigem Thema oder über unsere Arbeitsgemeinschaft erfahren wollen, wenden Sie sich bitte an unser Postfach oder an nachfolgende Kontaktadressen :
Helmut Hartmann, Tel. 2322 Hermann G. Mendel, Tel. 8471
Info 4: Anregungen zum Natur- und Artenschutz
Wenn sich unsere Einstellung zur Natur nicht grundlegend ändert, so ist abzusehen, daß bis zum Jahr 2000 ein Drittel der Pflanzen- und die Hälfte aller Tierarten aussterben werden. Artenschutz muß daher eines der wichtigsten Anliegen der Natur- und Umweltschutzgruppen sein.
Im folgenden haben wir einige Anregungen dazu zusammengestellt, die als Hilferuf an die Gemeindevertreter und die Bewohner unserer Region verstanden werden möchten.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen haben fast alle eines gemeinsam: sie kosten nichts, sie helfen sogar sparen. Denn sie zielen darauf ab, mehr „Wachsenlassen" an die Stelle eines bisher praktizierten Ordnungsgedankens zu setzen.
UNSERE ANREGUNGEN:
GEMEINDEWIESEN UND UNBEBAUTE GRUNDSTÜCKE, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden, zu sogenannten naturbelassenen Wiesen umgestalten, d.h . nicht düngen und nur einmal im Jahr (Ende September) mähen. Viele Schmetterlinge und Insekten fänden Lebensraum, und mehr als ein Dutzend unserer Singvogelarten hätten eine ausreichende Ernährungsgrundlage. Zierrasen ernährt nur 4,'Vogelarten. Eine naturbelassene Wiese ist keine verwilderte Wiese.
Auch ein privater Zierrasen kann in eine naturbelassene Wiese umgewandelt werden. Mit einer der handelsüblichen Samenmischungen von Wildblumen kann man erreichen, daß eine solche Wiese ein Schmuckstück des Gartens wird. Wer sich aber vom traditionellen Rasen nicht trennen möchte, kann vielleicht doch als kleine Konzession an den Artenschutz eine „Unkrautecke" mit Wildblumen und Wildkräutern irgendwo in seinem Garten wachsen lassen. Viele dieser Arten, z.B. die Kornblume und die Kornrade, sind auf dpn Feldern kaum noch zu sehen, da sie von der Landwirtschaft als Unkräuter bekämpft werden.
In ÖFFENTLICHEN ANLAGEN sollten einheimische Hölzer gepflanzt werden anstatt der häufig verwendeten exotischen Zierhölzer, die oft für die Insekten- und Vogelwelt wertlos sind. Sehr geeignet sind z.B. Ebereschen und Sommerflieder.
BÖSCHUNGEN UND RAINE an Landstraßen sollten als naturbelassene Wiesen behandelt werden.
Das Verbot des sogenannten „Abflämmens" ist unbedingt zu beachten.
FELD- UND WIRTSCHAFTSWEGE nicht asphaltieren. Teerwege bilden für viele Insektenarten Barrieren, so daß die einzelnen Stämme voneinander isoliert werden. Es kann dadurch zu Inzucht und Ausrottung kommen. Außerdem bieten Feldwege vielen Wildkräutern und Insektenarten eine Zuflucht.
Fortsetzung folgt!

