Einzelbild herunterladen

Montabaur 42/82

AUS DER HEIMISCHEN WIRTSCHAFT

Unsere Artikelreihe befaßt sich in der heutigen Ausgabe mit Frauen, die heimische Wirtschaftsunternehmen führen. Wir stellen diesmal Frau Karin Arndt, geschäftsführende Gesellschafterin des Autohauses Gerlach, OPEL-Vertragshändler in Niederahr und Selters vor.

Frage:

"Verehrte Frau Arndt, über die mehrfache Belastung, der Die Frau im Chefsessel ausgesetzt ist, wurde schon eine Men­ge geschrieben. Wir wollen heute keine Fragen an Sie richten, die auf Nebenbereiche zielen, sondern etwas über Ihre Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Zielsetzungen und Erwartungen erfah­ren. Worin sehen Sie Ihre Aufgabe als Chefin eines Kfz-Unter- nehmens?

Frau Arndt

Zunächst ist es verpflichtend das von den Eltern übernommene Unternehmer nach markt- und betriebswirtschaftlichen Grund­sätzen zu führen, dies bedeutet, daß berechtigte unternehmeri­sche Interessen, nämlich die Erwirtschaftung von Erträgen im Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns stehen. Nur mit der Erwirtschaftung von Erträgen alleine ist jedoch die Unterneh­mensaufgabe noch nicht erfüllt. Diese Roherträge müssen nach Abzug aller Kosten, Steuer etc. - und das Kfz-Geschäft ist eine höchst kostenintensive Angelegenheit - Betriebsgewinne erbrin­gen, die unsere Investitionsfähigkeit erhalten und somit einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen darstel­len. Damit ist unsere Verantwortlichkeit jedoch noch nicht er­schöpft.

Frage:

Wo sehen Sie die Haupt-Schwerpunkte Ihrer Geschäftsziele, wenn Sie die obengenannten Betriebs- und volkswirtschaftli­chen Aspekte einmal beiseite lassen?

Frau Arndt

Nun, so einfach lassen sich die Themen nicht nach Schwerpunk­ten trennen, denn das Betriebsergebnis ist ein wichtiger Teil, der nur dann eine zufriedenstellende, angemessene Größe dar­stellt, wenn unsere Bemühungen von unseren Kunden aner­kannt und neue Kunden dazugewonnen werden. Unsere Bestre­bungen,zufriedene Kunden zu erhalten und neue Kunden dazu­zugewinnen sind die Grundziele unserer täglichen Arbeit.

Frage:

Es wird allgemein viel vonBemühungen und demDienst am Kunden gesprochen und geschrieben. Präzisieren Sie doch bit­te einmal das, was Sie darunter verstehen.

Frau Arndt

Sie haben recht, diese Begriffe werden in der Tat oft gebraucht und erscheinen abgenutzt. Für das Autohaus Gerlach in Nieder­ahr und Selters, und nur dafür kann ich sprechen, haben diese Begriffe nichts von ihrem Wert eingebüßt. Wir empfinden die Verpflichtung zum Dienst am Kunden in ihrer ursprünglichen ehrlichen Bedeutung und stellen dies mit unserer Gesamtbeleg­schaft, vom jüngsten Auszubildenden bis einschließlich meiner Person,täglich unter Beweis.

Im einzelnen beginnt dies mit unserem Angebot an

solider, fachgerechter und prompter Werkstattarbeit zu an­gemessenen Preisen,

einer erweiterten Dienstbereitschaft im Service-, Teile- und Tankbereich,

servicegerechter Bereithaltung eines rund 10.000 Positionen umfassenden Original-Opel-Teile- und Zubehörbestandes,

einem umfassenden marktgere chten Besta nd an Opel-Neuwa­gen zur sofortigen Verfügbarkeit,

einem gutsortierten und im Preis angemessenen Gebraucht­wagenbestand und setzt sich fort über das Angebot an

korrekter Bedienung,

kundenfreundlicher Räumlichkeiten im Verkauf und Kunden­dienst

Neu- und Gebrauchtwagen, die vom Kunden in aller Ruhe in unserer Ausstellungshalle besichtigt werden können,

einer breitgefächerten Vorführ- und Testwagenflotte, die all­zeit dem Kunden zur Verfügung steht,

bis hin zu günstigen Finanzierungs-, Leasing- und Versicherungs­angeboten. Alle diese Punkte stellen nur einen kleinen, aber sehr wesentlichen Teil unserer Bemühungen dar, unsere Kunden zu­friedenzustellen.

Frage:

Nun Frau Arndt, Ihre Bemühungen benötigen sicher einen hohen persönlichen und finanziellen Einsatz, und sicher erwarten Sie daraus ein angemessenes Ergebnis. Bietet aber die derzeitige Wirt­schaftslage genügend Möglichkeiten,und wie sehen Sie die Zu­kunft im Kfz-Geschäft?

Frau Arndt

Sie sprechen mit Ihrer Frage einen ganzen Fragenkomplex an, der nicht mit einer einzigen Antwort abgehandelt werden kann. Zunächst möchte ich feststellen, daß die gesamtwirtschaftliche Wetterlage auch unsere Branche nicht verschonte, und Sie kön­nen täglich die Hiobsbotschaften der Tagespresse entnehmen. Hohe Arbeitslosigkeit, Energiethema, Kurzarbeit etc. verursa­chen gewiß eine Zurückhaltung beim Kauf neuer oder gebrauch­ter Fahrzeuge und bei der Erteilung von Reparaturaufträgen.

Ich muß Verständnis dafür haben, wenn unsere Kunden unter diesen Gesichtspunkten ihre Entscheidungen bezüglich der Geld­ausgabe überdenken und hinausschieben.

Das veränderte Kundenverhalten zwingt uns andererseits aber dazu, noch mehr Aktivitäten zu entfalten, um als Unternehmen noch attraktiver zu sein. Die gegenwärtige Situation zwingt uns ständig all das, was gestern noch richtig war, heute in Frage zu stellen und neue Konzepte zu entwickeln. In dieser Phase der Anpassung unserer Maßnahmen befanden wir uns in den letzten Wochen und Monaten.

Frage:

Was meinen Sie konkret mit Anpassung der Maßnahmen und Entwicklung neuer Konzepte?

Frau Arndt

Ich denke dabei zunächst an die Tatsache, daß durch die Verwen­dung verschleißärmerer Materialien z.B. Kunststoffe, service­freundlicherer Konstruktionen und Verwendung neuer Techno­logien bei der Automobilherstellung erhebliche Vorteile, z.B. verlängerte Inspektionsintervalle enstanden, was auch wir begrü­ßen. Tatsache ist aber auch, daß wir die Vorjahren geschaffenen Werkstattkapazitäten dadurch nicht mehr voll auslasten können, und hier setzt das ein, was ich zuvor mit Anpassung von Maß­nahmen meinte.

Unter der Entwicklung neuer Konzepte verstehe ich als logische Folge zu dem Vorhergesagten, daß wir unsere Verkehrsbemühun­gen forcieren werden. Die Voraussetzungen in Form von Investi­tionen in die Erweiterung unserer Verkaufshalle und Einstel­lung zusätzlicher Verkaufsberater haben wir - wie Sie wissen - schon geschaffen. Die Umstrukturierung unserer Unternehmens­konzeption ist damit vollzogen, und wir sind damit gut für die zukünftigen Aufgaben im lokalen Markt gerüstet.

Frage:

Mit dem Begrifflokaler Markt haben Sie uns ein Stichwort ge­geben. Wie sehen Sie die Entwicklung des Kfz-Geschäftes im Westerwald?

Frau Arndt

Dazu ist zunächst eine grundsätzliche Feststellung nötig. Ich se­he die Zukunft all der Menschen, die von und mit dem Auto le- ben.positiv, also sehe ich die Möglichkeiten der Kfz-Branche optimistisch. Wie anders könnte ich sonst unsere Investitionen rechtfertigen. Um unsere Kunden zufriedenzustellen und wei­tere Kunden zu gewinnen, werden wir noch mehr, noch zuverläs­siger arbeiten und unsere Leistungsfähigkeit und Leistungsbereit­schaft wirksam anbieten müssen. Die Kfz-Situation im Wester­waldkreis, um auch diesen Teil Ihrer Frage zu beantworten, stellt sich - wenn Sie den Gesamtmarkt betrachten - nicht sonderlich gut dar. Per August 1982 wurden insgesamt 655 Neuwagen weni­ger zugelassen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, was einem Rückgang von rund 11,8 % entspricht. Wir Opel-Händler konnten im Westerwald unsere Position - im Gegensatz zum Gesamtmarkt um 6,0 % steigern. Opel ist mit einem Marktanteil von 23 % die Nr. 1 im Westerwald. Ich sehe darin den Beweis, daß die Käufer von Opel-Wagen die vielfältigen Opel-Initiati ven für w irtschaft- liches Autofahren anerkennen und dies entsprechend in ihre Kaufentscheidung einbeziehen: ich sehe darin aber auch den Be­weis, daß unsere Opel-Händler- Initiativen wirken.