Ausgabe 
24.12.1971
Seite
1399
 
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Kath. Kirchenchor "St. Cacilia", Montabaur

Doch Luxemburg, die schöne Stadt, vom Bus man nur gesehen hat.

Und mittags wird in Metz gerastet, sich in französisch abgetastet.

Es gilt, die Zunge recht zu bänd 'gen, um eben sich noch zu verstand 'gen.

Und alle wir es trefflich sahn: ein Meister ist nur der Dekan; denn-er bekam, was er bestellt!

Manch andrer hatte weit gefehlt!

Und als der Ober ihn dann fragte woher, wohin, - der Pfarrer sagte:

"Eh bien, garcon, merci, mon eher, je suis en route a Tonnerre!

Und dann Verdun, die triste Stadt, die heut das Grau'n noch in sich hat.

Zwar sind bald sechzig Jahr vorbei, doch keinem ist es einerlei, wenn stumm am Beinhaus er verharrt, auf tausende von Gräbern starrt.

Das ist der konservierte Tod.

Und nach Verdun nur ein Gebot für beide Nachbarn wichtig ist: begrabet allen Bruderzwist, was trennt, das sei nun überwunden, auf daß die Einigkeit gefunden.

So blüh aus Opfern früher Zeit die Blume der Gemeinsamkeit!

Dann der Champagne weite Felder, hoch ist der Himmel, Häuser, Wälder, ein Nickerchen bei achtzig Sachen, wer müde ist, kann Pause machen.

So wird das Fahren nicht zur Plage; es reist sich gut an diesem Tage.

Chalons hat längst man schon passiert, im stillen denkt man an den Wirt, der unter dem Tonnerrer Dach schon vorbereitet das Gemach.

Dijon - und dann ein wenig später: "Tonnerre" - noch zwanzig Kilometer.

Wie herzlich war doch der Empfang, der nach der Reise schwer und lang den Reisenden ward froh entboten, die zur Begrüßung ohne Noten im Saale fröhlich musizieren, sich in französisch revanchieren; denn: "Sur la route de Dijon" ist ohne jede discussion ein Volkslied, das zu diesem Fest die Herzen höher schlagen läßt.

Es ist ein Fest, dies Wiedersehn.

Mit Freunden beieinanderstehn,

auch wenn man nicht der Sprache mächtig.

Man schaut sich an, versteht sich prächtig,

frisch wird drauflos gestikuliert

und beiderseits sich nicht geniert!

Am nächsten Morgen, kurz vor zehn, sie alle nach der Kirche gehn, dem einen Vater abzubitten daß lieblos sie als Väter stritten, daß haßvoll sie sich oft bekriegt und großes Leid sich zugefügt.

Es fühlt in dieser Feierstunde ein jeder in der ganzen Runde: so sehr man ehrlich sich auch quält, nur Gottes Gnade ist's, die zählt!

Und später sah im Rathaussaal man frohe Mienen überall, und der Tonnerrer Bürgermeister beschwor erneut die guten Geister der zarten, jungen Partnerschaft, die nur gemeinsam durch die Kraft des guten Willens sei von Dauer,

"Vive la Tonnerre! Hoch Montabaur!"

Und über Mittag, wie mir schien, regiert "Monsieur Benedictine".

Und wenn ich mich nicht ganz geirrt, sprach einer schwer, doch nicht verwirrt, daß Geistiges auf zweierlei Art in sich aufzunehmen sei!

Dann in dem Schlosse an den Wänden sah Nackte man an alldn Enden.

Und manche Wölbung, schön und rund, gab plastisch dem Besucher kund, daß in dem sinnenfrohen Land man auf die Baukunst sich verstand.

Zum ausgelass'nen grand final traf abends dann im Rathaussaal ein übermütig Völkchen ein, um hier bei Tanz, Champagner, Wein mit Wort und Lied und Melodie den Schlußakkord voll Harmonie gemeinsam, einig anzuschlagen nach diesen beiden schönen Tagen.

Was von den Melodien allen am besten aber hat gefallen, war Mozart's "Ave verum" doch; heut klingt's mir in den Ohren noch; denn dieser Hymnus, wie ich meine, war das Ereignis ganz alleine, das miteinander euch versöhnt; es hat die Fahrt schlechthin gekrönt!

Wie wär's drum, wenn wir so verbleiben,

dem Chor "Saint Charles" ein Briefchen schreiben

und all von diesem Abend grüßen.

Laßt eure Freunde brieflich wissen, daß wir in dieser Feierstund an die gedacht, die in Burgund im Mai, als wir dort angekommen, uns überschwenglich aufgenommen.

Wir sind uns einig, wenn ich sage:

es waren unvergeß'ne Tage!

DIE SIEGEL UND WAPPEN der Stadt Montabaur

(entnommen den Nass. Annalen 1952 "Die Siegel und Wappen der kurtrierischen Orte in Nassau)

Fortsetzung !

2. auf der großen Kirchenglöcke von 1668 ist in einer Wiedergabe des Siegelbilds I (Zeichnung bei den Akten) der Trierer Schild rechts durch das Wappen des Kurfürsten Carl Caspar v.d.Leyen (1652-76) ersetzt, so daß der links­stehende als das Stadtwappen erscheinen könnte, zumal ihm als Trierer Schild, wie Liel richtig bemerkt, die Vorrangstellung rechts zukäme.

Die den Akten beigegebene Tafel zeigt noch ein weite­res Kreuzwappen der Kirche (rot in weiß) eingebrannt in einem Fenster hinter dem hohen Altar.

Das noch vorhandene Kreuzwappen der Chorstühle von 1489, das hier dem Wappen des Kurfürsten Johann v. Ba­den (1456-15o3) gegenübergestellt ist 13) (Zeichnung bei den Akten) hat als trierisch zu gelten, wird auch von Liel nicht als Beweisstück verwendet.

Das Siegelbild mit St. Petrus und der Stadtarchitektur findet sich, abgesehen von der Glocke, nur noch auf dem (ehemaligen) Brunnen vor dem alten Rathaus) 11) In einer Kartusche durch einen Löwen gehalten, ist sein architek­tonischer Rahmen auf beiderseits zwei Türme, über ihnen die Trierer Schilde, reduziert; heute ist diese in das 17. Jahrhundert zu setzende Plastik in der Rathaushalle auf einem Sockel rechts der Eingangstür angebracht. So zeigt sich auch hier die seit dem Beginn der Neuzeit vielfach zu beobachtende Verwechslung von Wappen und Siegel­bild; eine Parallele bildet insbesondere der Wiesbadener Marktbrunnen mit seiner Wappendarstellung.

11) Frdl.Mitt. v.Dr.H.Teves.

13) F.Luthmer, Die Bau- und Kunstdenkmäler des Reg.Bez. Wiesbaden, V. Bd.1914 Fig.8 u. 6.