Ausgabe 
27.8.1971
Seite
1159
 
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Evang. Kirchengemeinde Montabaur

29. Aug. bis 4. Sept. 1971

29. Aug. - 12. Sonntag nach Trinitatis -

9.oo Uhr Gottesdienst Pauluskirche gleichzeitig

Kinde rgottesd ie nst

lo. 3o Uhr Gottesdienst Lutherkirche (Elgendorferstraße) gleichzeitig Kindergottesdienst.

30. Aug. MONTAG

2o.oo Uhr Kirchenchor übt im Gemeindehaus

31. Aug. DIENSTAG

15.oo Uhr Korifirmandenunterricht

17.45 Uhr Kindergottesdienstvorbereitung

2o.oo Uhr Frauenkreis im Gemeindehaus

ab 31. Aug. ist Pfr. Borck aus dem Urlaub zurück.

1. Sept. MITTWOCH

15.oo Uhr Religionsunterricht in Ruppach (wenn durch Herrn Lehrer Zielinski nicht anders bekannt­gegeben)

I 6.00 und I 8.00 Uhr Posaunenchor übt (Lutherkirche)

19.30 Uhr Jugendkreis.

2. Sept. DONNERSTAG

2o.oo Uhr Bibelstunde im Gemeindehaus.

4. Sept. SAMSTAG Jungschar:

14.30 Uhr im Gemeindehaus für die Jüngeren von 5

bis 8 Jahren

15.00 Uhr für die Größeren von 9 - 12 J. auch im Gemeindehaus.

Am nächsten Sonntag fährt der Bus zum Gottesdienst in beide Kirchen.

Die im Juni 1971 Konfirmierten werden im Lauf der näch­sten Wochen mit einem Brief zu einem Jugendkreis der Jüngeren eingeladen.

Tonnerre und seine Umgebung

DAS ALTE HOSPITAL

Die Kapelle des alten Hospitals ist das bedeutendste Monu­ment der Stadt Tonnerre. Wenn es auch nicht einmalig ist, so besitzt es doch einige charakteristische Merkmale, die ein ganz besonderes Interesse rechtfertigen. Sein augen­blicklicher Zustand ist weit entfernt von seiner ursprüng­lichen Bestimmung. Diese große Halle umschloß ur­sprünglich alle Elemente, die man bei Ende des XIII Jh. in einem Hospital für dienlich hielt. Das Ganze präsentiert sich heute unter dem Aspekt einer komischen Kirche, deren Details wir untersuchen wollen.

Es handelt sich um das Werk einer großen und wohltätigen Dame, deren Andenken in den Herzen der Bevölkerung von Tonnerre bewahrt bleibt, Marguerite de Bourgogne.

Sie war die Gattin von Charles d'Anjou, Bruder des Hl. Louis, und wurde Königin von Jerusalem, Sizilien und Ne­apel. Nach einem prinzlichen Leben verließ sie das Glück. Nachdem sie Witwe geworden war, zog sie sich in die Grafschaft Tonnerre zurück; teilnehmend am Un- lück ihres Volkes weihte sie sich der Nächstenliebe und em Dienste an den Armen. Im Jahre 1293 vollzog sie die Urkunde der Gründung dieses Hauses der Barmherzigkeit.

Das ganze majestätische Gebäude, die eindrucksvollen Di­mensionen des Daches, die nüchterne Architektur des Äußeren überraschen zunächst, aber stärker ist der Ein­druck beim Betreten des Inneren.

Tonnerre war nicht die einzige Stadt, die eine solche Anstalt besaß, im Mittelalter wurden sie in großer Zahl er­stellt, aber die Mehrzahl davon ist verschwunden, ganz oder zum Teil.

Was zunächst das Hospital in Tonnerre auszeichnet, ist sein Alter, außerdem seine beträchtlichen Dimensionen und vor allem ist es das Einzige, das in der Ganzheit seiner ursprünglichen Konstruktion erhalten geblieben ist.

Treten wir ein in das Schiff, es mißt etwa 85 m in der Länge und 18 m in der Breite. Es wurde im 18.

Jh.. um etwa 2o m verkleinert durch den Bau eines großen Saales, in den man die jährlichen Ausstellungen unterbringt. Die getäfelte Wölbung erhebt sich bis zu 17 m ab Boden, gestützt von Eichenbalken aus den Wäl­dern von Mauines. Die Giebel sind nicht weniger be­wunderungswürdig, ebenso gilt das Staunen dem Gebälk als einem Meisterstück gekonnter Technik und harmoni­scher Strahlung der Anordnung.

Die Halle enthielt da und dort an einer langen Central- Allee Zellen aus Holz, versehen mit Vorhängen mittels derer man sich von der Umgebung nach Willen isolieren konnte. Am Ende dieser Allee erhob sich ein Altar, an dem ein Geistlicher jeden Tag die Messe las. So konnten die Kranken bei aufgezogenem Vorhang der An­dacht beiwohnen.

Hohe Fenster, die zur Lufterneuerung geöffnet werden konnten, gaben der Halle reichlich Licht. Im Winter sorgten fahrbare Öfen für die Erwärmung der Halle.

Über den Zellen und zwar genau am Fuße der Fenster lief eine Holzgalerie, die es erlaubte, gleichzeitig die Kranken zu beobachten und die Fenster nach Bedarf zu öffnen und zu schließen. Da diese Galerie eine Art Dach über den Zellen bildete, hielt sie auch den Zug­wind von den Kranken ab.

Es sind Bücher vorhanden, die uns Aufschluß geben über das tägliche Leben der Pensionäre. Aus diesen können wir auch entnehmen, daß diese Anstalt eine der bestgeführten der damaligen Zeit war.

Die Gründungsakte, abgeschlossen in Gegenwart von Marguerite de Clermont, durch Robert de Luzarche.dem ersten Geistlichen, bestimmt genau die Organisation und den Betrieb der Anstalt. Ziel dieser Gründung war die permanente Pflege der Kranken und die Ausübung der sieben Werke der Barmherzigkeit gegenüber den Armen, u.zw. "die Hungrigen zu sättigen, ihren Durst zu löschen, die Fremden und Wallfahrer zu beherbergen, die Nackten zu kleiden, die Kranken zu besuchen, die Gefangenen zu trösten und die Toten zu begraben".

So war also diese Anstalt und die große Halle, die wir heute leer und nackt sehen, von zahlreichen Kranken be­wohnt. Später entstanden neben ihr andere Gebäude ,um den neueren Konzeptionen der Medizin anderer Zeitalter zu dienen.

Die große Halle wurde eine Kapelle, in die man Tote beerdigte, zunächst bedeutende Persönlichkeiten der ed­len Familien des Ortes, die sich als Wohltäter dieser An­stalt erwiesen hatten. Später nahmen die Gräber zu, so daß der Boden voll belegt war. Erst mit Ende des XVII. Jahrh. hörte dies auf.

Es ist nur zu natürlich, daß sich unter den Skulpturen dieser Halle auch das Grab der Gründerin des Hospitals befindet. Es wurde ihr ein Mausoleum errichtet, das mit einer Bronzefigur der Wohltäterin geschmückt war. Dieses Denkmal ist während der Revolution von 1793 vernichtet worden und wurde in der Zeit der Restauration durch das heute noch vorhandene Denkmal, Werk eines Künstlers namens Bridan aus Ravi£res, ersetzt.

Die Grablegung

Unter den in der Halle des alten Hospitals befindlichen Denkmälern ist besonders hervorzuheben, das " der Grab­legung" in einer Kapelle rechts vom Hauptaltar.

Es ist bekannt, daß die Grablegung eine der bevorzugten Themen der Bildhauer des XV und XVI .Jahrh. war,die unsere Provinzen Champagne und Bourgogne mit zahlrei­chen Arbeiten bedachten. Das Denkmal von Tonnerre ist ei'nes der pathetischsten; keines der anderen zeigt eine solche Tiefe der Empfindung. Hier ist der Schmerz ohne Übertreibung dargestellt, der gerade dadurch besonders beeindruckt. Die angewandte Technik ist vollkommen, die Personen sind meisterhaft wiedergegeben, das Ganze be­sitzt eine edle Form, die ans Erhabene heranreicht.

Dieses bedeutende Denkmal ist das Werk der Brüder Michel und Georges de la Sonnette aus dem Jahre 1454, gestiftet wurde es von Lancelot de Buronfosse, Kaufmann aus Tonnerre.

Im XVII Jahrh. stellte man, gemäß der Mode dieses