Ausgabe 
13.8.1971
Seite
1139
 
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zogen ihre tüchtigsten Männer aus zu den Germanen­stämmen auf dem Festland.

Wynfriths Erziehung erfolgte in den Benediktinerklöstern Exeter und Nursling. Wenige Jahre nach der Geburt Wyn­friths hatte St. Wilfried die angelsächsische Mission auf dem Kontinent aufgenommen. St. Willibrord - Patrozi­nium in Winden bei Nassau setzte sie fort. Wynfrith / Boni fatius brachte die erste Hälfte seines Lebens in England, die zweite Hälfte auf dem Kontinent zu. Als er sich entschloß, als Missionar über das Meer zu setzen, stand er bereits in seinem fünften Lebensjahrzehnt. Er hatte bis dahin in weiten Kreisen bereits als Lehrer und Prediger Ansehen gewonnen. Nun wandte er sich über das Meer den seiner Stammesherkunft verwandten Friesen zu. St. Wilfried war der erste Angelsachse gewesen, der den Friesen das Evangelium predigte. Sein Aufenthalt bei die­sen war jedoch zu kurz, um dauernde Erfolge zu erzielen. 1716 nun landete Wynfrith mit einigen Gefährten an der friesischen Küste. Sein erster Missionsversuch bei den Frie­sen schlug jedoch völlig fehl. Im Herbst des gleichen Jah­res segelte er daher nach England zurück. Er reiste nun­mehr zunächst nach Rom, um sich beim Papst die Sen­dung zur Missionsarbeit zu erbitten, die er schließlich auch bekam. In dem Sendschreiben wird er zum ersten Mal "Bonifatius" genannt. Wieder nahm er nach einem kurzen Aufenthalt in Thüringen seinen Weg nach Friesland. Zwei Jahre widmete er der Bekehrung der Friesen. Als Willi­brord, Bischof von Utrecht, ihn als seinen Nachfolger zum Bischof weihen wollte, lehnte er diese Weihe ab und verließ Friesland.

721, vor 125o Jahren, zog St. Bonifatius nun die Straße von Koblenz über die Montabaurer Höhe herauf, die nach Hessen und "Thüringen weiterführte. Diese seine Einreisestraße hatte für die Missionstätigkeit in Hessen maßgebende Bedeutung. Im oberen Lahngau wählte er die auf steilem Basaltkegel gelegene fränkische Festung Amöneburg zum Stützpunkt seiner Arbeit. Hier gründete er auch sein erstes Kloster auf deutschem Boden. Es wurde ein Bollwerk christlicher Mission. Predigend und taufend durchwanderte Bonifatius Hessen und näherte sich dem Land an der Grenze zu den Sachsen.

Das Bonifatius-Patrozinium in Wirges und in Großmaischeid könnte noch die Erinnerung an den Missionszug des Hl. Bonifatius durch den Westerwald lebendig erhalten.

Bonifatius erlitt 752 in Friesland den Martertod.

Walter Kalb

Wo steht das Salzlagerhaus?

Kleine Wanderung zu Montabaurer Kunst­denkmälern

In einem vor wenigen Wochen erschienenen Band "Kunst­wanderungen in Rheinland-Pfalz und im Saarland"

(Belser Verlag, Stuttgart) hat der Denkmalpfleger Dr.Mag­nus Backes sich recht aufschlußreich über in Montabaur befindliche Kunstdenkmäler und Kunstgegenstände geäußert. Vielleicht wird der nachfolgend zitierte Abschnitt den ein oder andern veranlassen, sich das sehr aufschlußreiche Buch zu besorgen.

"Auf einem gedehnten Höhenzug über dem Gelbachtal fügt sich Montabaur harmonisch in die Bergkette des Westerwalds ein.

Auf der höchsten Stelle erhebt sich die Baugruppe des Schlosses mit kuppelbekrönten Türmen. Bereits im lo. Jahrhundert besaß der Konradiner Herzog Hermann von Schwaben an dieser Stätte eine Burg, "Humbach" ge­nannt. Zu Beginn des 11. Jh. kam sie in den Besitz der Erzbischöfe von Trier. Erzbischof Dietrich von Wied ver- anlaßte einen durchgreifenden Neubau, dem er in Erinne­rung an seine Jerusalem-Pilgerfahrt 1223/24 "mons tabor"

= Montabaur benannte. Die Burg, Grenzfeste und Vor­posten von Kurtrier im Westerwald, diente in den folgen­den Jahrhunderten den Erzbischöfen häufig als Residenz.

Der von einem runden Eckturm begleitete Torbau ent­stand 1588; er wurde 17o9 von Joh. Chr. Sebastiani umge­staltet und durch einen rückseitigen Galeriebau bereichert. Vier runde Ecktürme mit geschweiften barocken Hauben­dächern flankieren das Hauptschloß, eine charakteristische

vierflügelige Renaissanceanlage mit quadratischem Binnen- hof aus der Zeit des Erzbischofs Richard Greiffpnclau von Vollrads (1511-1531). Verschiedene Unregelmäßigkeiten des Grundrisses sind durch ältere Bauteile und Mauern bedingt. Erzbischof Hugo von Orsbeck (1676-1711) ließ durch seine Hofarchitekten Joh. Chr. Sebastiani und J. Honorius Ravensteyn das Erscheinungsbild des Bauwerks weitgehend barockisieren. Durch ein großes Steinportal von 1687 in der Südfront erreicht man den Binnenhof mit Brunnen von 16o8.

In der südöstlichen Ecke der runde Bergfried des frühen 13. Jahrh. mit Obergeschoß von 1687. In den übrigen Hofecken kleine viereckige Treppenbauten. An den Hoffronten Portale von 1688 mit Orsbeckschen Wappen.

Im Innern sind Stuckdecken des 17. und 18. Jahrh. be­achtenswert. Die Neubauten von 197o/71 fügen sich ge­schickt an.

Die 1291 zur Stadt erhobene Siedlung spannt sich längs einer Hauptstraße zwischen Schloß und Kirche. Von der Stadtbefestigung des späten 13. und frühen 14. Jahrhun­derts sind verschiedene Mauerstücke und der unten runde, oben polygone Wolfsturm erhalten.

Am Markt und in der Kirchstraße viele verputzte oder verschieferte Fachwerkbauten des 17. und 18. Jahrhunderts mit geschweiften Giebeln oder mit Zwerghäusern; der Einfluß der Koblenzer Barock- und Profanarchitektur ist spürbar. Bemerkenswert das ehern. Salzlagerhaus (Markt 16) von 156o mit zwei von Knaggen abgestützten Ecktürmchen; gegenüber der Kirche die 1715 von Joh.

Chr. Sebastiani erbaute ehern. Schule, heute Kreisver­kehrsverein; Kirchstraße 13 von 1682 und zwei spätgotische Fachwerkhäuser in der Werbhausgasse.

Kunstgeschichtlich bedeutsam ist die eigenwillige Pfarr­kirche St. Peter in Ketten am südlichen Stadtrand. Das Äußere wirkt durch den doppeltürmigen Westbau, die bei­den kleineren östlichen Türme und die asymmetrische Ver­schiebung des Langhauses mit dem langgezogenen Sattel: dach sehr malerisch. Die Kirche, zu Beginn des 14. Jh. mit dem Chor begonnen, war zunächst dreischiffig geplant.

In der 2. Hälfte des 14. Jh. folgte das Langhaus als Pseudobasilika mit einem zusätzlichen zweiten südlichen Seitenschiff. Gegen Ende des Jahrhunderts wurden die Tür­me erstellt, im 15. oder 16. Jh. die querschiffartigen Räume seitlich des Chors angefügt. Die spätromanische Architektur des 13. Jh. an Mittelrhein und Lahn spiegelt sich in diesem Kirchenbau, so etwa die doppelte Turm­front, die beiden Osttürme als Chorflankentürme und im Innern die Andeutung von Haupt- und Nebenpfeilern durch den Wechsel von Dienst und Konsole sowie der Einbau von Emporen. Die am Nordportal aufgestellte Madonnenstatue des 14. Jh. (Kopie, Original im Innern) ist in Haltung und Komposition der gleichzeitigen Madon- I na von Marienstatt nahe verwandt und deutet auf gleiche I französische Vorbilder. Die 1954/55 durchgeführte Restau- B rierung stimmte den Raum aufgrund alter Farbspuren I

in den Tönen Weiß, Grau und Rot ab. Über dem Triumph­bogen großes Weltgerichtsfresko mit Auferstehenden und Verdammten, 16.Jh. (im 19. Jh.stark überarbeitet). Im nördlichen Querschiff der Rest eines figürlichen gotischen Glasfensters (Kreuzigung 14. Jh.) Chorgestühl mit geschnitz­ten Wangen 1489. Madonna in fülligem Faltenwurf, ein ausgezeichnetes Werk der Zeit um 144o - 145o.

Die kleine gewölbte St. Annakapelle des 15. Jahrhunderts südlich der Kirche, ursprünglich Totenkapelle, mit barok- kem Relief der Beweinung Christi, dient seit einigen Jahren als Kriegergedächtniskapelle. Unmittelbar hinter dem neugotischen Rathaus liegt das 1668-1678 errichtete 1824 veränderte hufeisenförmige Gebäude des ehern. Franziskanerklosters; Kapelle abgebrochen. Über der Haupt' tür Nische mit spätgotischem Holzbildwerk einer Anna selbdritt (1971 entfernt). - Das einstige kurfürstliche Gestüt, ein stattlicher Barockbau von 1768 mit betontem Mittel­pavillon, ist jetzt Polizeistation".

Ein Tag im Wald

Ich floh, - der Stadt, der Menschen Enge, der Straßenfluchten ach so müde-, und fand als frühtags Wanderziel,

- auf meinen Pfaden Schweigen, Friede, -

um mich die Welt unsagbar still,

den schönsten Wald. Wie grün und groß die Hänge-