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Die Heiterkeit schaut in den (Zeit) Spiegel
]m vergangenen Jahr war zur Fastnachtszeit eine lehrreiche Betrachtung " Geschichtliches zu Carneval-Fastnacht " im Nachricntenblatt abgedruckt. Uber den Ursprung der Narretei war da einiges zu erfahren.
Die 2o. Regentschaft eines Prinzen Karneval in ununterbrochener Reihenfolge seit 1952, ist Anlaß genug, die Tätigkeit der ” Heiterkeit ” nach dem Kriege noch einmal in einer Rückblende festzuhalten.
Den beziehungsreichen Namen " Heiterkeit " haben die Mitglieder des damaligen Katholischen Gesellenvereins schon 1889 wohl in einer ” Tabor-Stunde ” gefunden. Aus diesem Verein ist der karnevalistische Sproß hervorgegangen, um sich mehr und mehr zu entwickeln. Heute ist er Mittelpunkt und Inbegriff der Fastnacht in Montabaur. Der Herkunft nach bezieht sich das allerdings nur auf den Elferrat, der die alljährlichen Kappensitzungen mit Erfolg als närrisches Auditorium bestreitet.
Es erscheint notwendig, die in der Öffentlichkeit oft gestellte Frage zu beantworten, wer außer dem Elferrat unter dem Namen ” Heiterkeit ” ansonsten noch am funktionellen Ablauf und der Gestaltung einer Fastnachtskampagne oder -session mitwirkt. Um es mit einem Satz zu beantworten: die 1954 gegründete, in das Vereinsregister eingetragene Vereinigung " Öffentliche Heiterkeit ”,
Im Gründungsjahr hat man ganz bewußt auch für diese, mit organisatorischen Aufgaben befaßte Vereinigung, den Namen ” Heiterkeit ” gewählt. Es sollte damit gewährleistet sein, daß nur ein Name den allumfassenden Begriff für die Montabaurer Fastnacht darstellt.
Bei der Vielfalt der jährlich zu bewältigenden Aufgaben muß die Arbeit geteilt werden. Es ist das Verdienst der "Öffentlichen Heiterkeit ”, zumindest in den letzten Jahren, immer wieder einen Prinzen gesucht und gefunden zu haben. Manchmal allerdings mit der Lupe,
Daß seit 1952 immer wieder ein Fastnachtszug vor tausenden von Besuchern durch die Stadt rollt, nennen Kenner der schwieriger werdenden Verhältnisse ein Wunder.
Besonderer Erwähnung bedürfen hier die regelmäßigen monatlichen Beitragszahler und die fast ebenso regelmäßigen einmaligen Geldspender im Jahr. Ohne deren finanzielle Unterstützung wäre der immer kostspieligere Fastnachtzug gar nicht möglich. Unerwähnt soll auch nicht die Hilfeleistung der Bundeswehr bleiben. In warmen Hallen arbeitet es sich besser als in kalten Scheunen.
Zurück zur ” Heiterkeit " von anno 1946 bis in die Gegenwart.
Tja, das war schon so eine Sache in puncto Vergnügen nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren. Man möchte manchem unserer heutigen Zeitgenossen wünschen, einmal zu erfahren, daß die wiedergewonnene Freude am Leben oder Überleben, Begeisterung, Dankbarkeit und Bescheidenheit zur Grundlage hatten.
Die französische Besatzung duldete 1946 noch keine Maskenbälle, nur Kostümbälle waren für Männlein und Weiblein erlaubt. Erst zwei Jahre später durften auch Gesichtsmasken getragen werden. Im Kolpinghaus fand gelegentlich , zur Überprüfung der Besucher, vorher eine ” Kontr&e de visage " statt. Die Garderoben, vor allem der Damen, waren Schöpfungen rigoroser Plünderungen verblichener Stoffreste aus besseren Tagen. Auf das Temperament der Trägerinnen hatte das jedoch keinen Einfluß. Alle Saalveranstaltungen waren überfüllt. Aus den Lokalen der Stadt erklangen Schunkellieder und laute Fröhlichkeit. Zum Tanzen brachten die Männer die heute so schmerzlich vermißte Idealfigur mit. Herz- und Kreislaufstörungen waren unbekannt. Der Alkoholgenuß führte auch damals zum Schwips, aber es war für die meisten ein Genuß ohne Reue.
Woher kam der Alkohol in diesen mageren Jahren ? Dünnbier gab es zwar an der Theke, im Saal aber wurde Wein getrunken. ln Säcken verpackt lagen die Flaschen unter den Tischen. Schwarz gehandelt gegen Naturalien oder Zigaretten, die gültige Währung dieser Zeit. Mit saurer Miene kassierte der Wirt das " Stoppengeld " in Reichsmark.
Das Fastnachtsprogramm in der Vorwährungszeit und auch danach, ergänzte die Kolpingsfamilie alias Kath. Ge seilen verein durch Bunte Abende. Wer zwanzig und mehr Laien-Musiker als Liebhaberkapelle im Kreuz hat, der kann schon etwas auf die Beine stellen. Die ersten Büttenreden, aus der Waschbütt gehalten, wurden in das Programm eingeblendet.Der Beifall für die Akteure war umwerfend. Sollte man, wie in Vorkriegsjahren, wieder eine Kappensitzung wagen ? Trotz mahnender Stimmen aus den eigenen Reihen und mancher alten Kämpen früherer Jahre, war es 195o soweit . Das Narrenschiff der " Heiterkeit " lief in der Narrhalla des Kolpinghauses in sein Element aus tosenden Begeisterungswogen.
Ohne Vorbild aus Rundfunk oder dem späteren Fernsehen, wurde ein Sitzungsstil geprägt, der sofort als zündender Funke auf die Narrhalesen übersprang. Ideen, Ideen und immer wieder neue Einfälle, das war das Erfolgsrezept. Zur Bühnenausstattung gehörten damals noch 11 junge Mädchen, die als Kopfbedeckung das Wort HEITERKEIT attraktiv im Hintergrund zur Schau stellten.
Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Karnevalisten neigen oft dazu, sich am eigenen Erfolg zu berauschen. Aber die Gunst des Publikums ist wankelmütig. Auch diese Erfahrung gehört zwangsläufig zum Repertoire eines Büttenredners. Es gehören auch dazu die Kinderkrankheiten der ersten Sitzungsjahre, manchmal mehr Schadenfreude als Freude bei den Zuhörern zu entfachen.
So war es manchmal unvermeidlich, daß dem scharfzüngigen Träger einer Schellenmütze das Echo seiner ” Büttenerfolge" noch nach Aschermittwoch in den Ohren klang. Trotz dem bekannten Wahlspruc Gemessen an den ungezählten Stunden ausgelassener Fröhlichkeit, verträgt selbst - Allen zur Freud - Niemand zum Leid - einen leichten Kratzer. Die wenigen Heiterkeit verfeinern letztlich den Geschmack, auch wenn manche keinen Wein trinken.
R.S.
der Überzeugungstext einer Narrenzunft. Wermutstropfen im Freudenbecher der
( wird fortgesetzt ! )

