Ausgabe 
30.10.1970
Seite
519
 
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den Kreditinstituten intensiv für den Weltspartag am 3o. Oktober 197o geworben wird. Die Antwort hierauf kann trotz der Preisentwicklung in den zurückliegenden Wochen und Monaten nur ein Klares Ja sein. Denn es sind nicht nur die Preise für Waren und Dienstleistungen gestie­gen, sondern gleichzeitig auch das Zinsniveau. Davon profi­tierten vor allem diejenigen, die ihre Ersparnisse auf einem Sparkonto angelegt haben. Kursverluste, denen vie­le Wertpapiersparer ausgesetzt waren, gibt es für sie nicht, und ihre Sparguthaben werfen Erträge ab, die mehr als die Verteuerung der Lebenshaltungskosten ausmachen. Das er­mittelte Plus wird sogar noch größer, wenn die staatliche Sparprämie und die Vergünstigungen des Vermögensbildungs­gesetzes mit einkalkuliert werden. Zu diesen rein ertrags­mäßigen Überlegungen kommt noch eine Reihe gewichtiger Gründe hinzu, die jeden von uns veranlassen sollten zu spa- ren. Zu nennen ist hier u.a. der Gesichtspunkt, daß die­jenigen, die sich einen ausreichenden finanziellen Rück­halt geschaffen haben, ruhiger in die Zukunft blicken kön­nen. Unvorhergesehene Ausgaben, die nicht aus dem lau­fenden Einkommen bestritten werden können, werden für sie nicht zum Problem. Sie können sich auch leichter grös­sere Anschaffungen leisten und ihren Urlaub unbeschwert genießen. Neben diesen Nahzielen der Spartätigkeit ist auch die eigene Altersvorsorge hervorzuheben.

Selbst heutzutage, wo die meisten von uns Anspruch auf Renten aus der Sozialversicherung oder auf Pensionen ha- , ben, ist es ratsam, sich eine eigene " Zusatzversorgung" aufzubauen, damit der Lebensstandard später nicht zu stark beschnitten wird. . In der gegenwärtigen Phase der Hochkonjunktur sollten wir uns auch vor Augen halten, daß jede Mark, die nicht ausgegeben, sondern gespart wird, mit dazu beiträgt, die vorhandene Übernachfrage abzubau­en und so das Preisniveau zu stabilisieren. Falls die Spar­tätigkeit entsprechend intensiviert wird, könnten außer­dem Arbeitskräfte, Rohstoffe usw. in verstärktem Umfang zur Herstellung moderner, leistungsfähigerer Produktionsan­lagen eingesetzt werden. Damit würde sich unser Wohl­stand weiter verbessert!.

Aus diesen Überlegungen heraus haben die Volksbanken für den diesjährigen Weltspartag das Motto gewählt: Sparen ist so wichtig wie das tägliche Brot.

Neuer Höchst­stand der beschäftigten Ausländer !

Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit versuchten wieder zahlreiche Unternehmen den Mangel an Arbeitskräften durch die Anwerbung bzw. Einstellung weiterer ausländischer Arbeitnehmer zu beheben. Dadurch nahm die Zahl der beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer im Bezirk des Arbeitsamtes Montabaur im 3. Quartal 197o weiter zu.Sie stieg von Ende Juni bis Ende September 197o um 238 oder , 6,8 °]o auf 3 747 und erreichte damit eine neue Rekord­höhe. Von der Gesamtsumme entfielen 2 889 auf Männer und 858 auf Frauen.

Dabei ging jedoch die Zuwachsrate des 2. Quartals von 498 um 26o oder 52,2 °lo zurück. Diese rückläufige Ent­wicklung dürfte jedoch rein saisonal bedingt sein; denn auch im 3. Quartal 1969 betrug der Zuwachs nur 227 aus­ländische Arbeitnehmer. Gegenüber dem gleichen Monat des vergangenen Jahres hat sich der Bestand um 925 und zwar 76o Männer und 165 Frauen gesteigert.

Die stärksten Zugänge wurden in den letzten 3 Monaten bei dfen Türken mit 74 und den Jugoslawen mit 67 regi­striert, während die bisher stärkste Gruppe der Italiener nur um 5 zunahm. Dadurch stellen erstmals die Jugos­lawen mit 834 ( 22,3 °lo ) die größte Gruppe vor den Italienern mit 817 ( 21,8 °}o ) und den Türken mit 811 ( 21,6 <y°). Ferner waren Ende September 197o beschäf­tigt :

438 Spanier ( 11,7 <?<> ), 197 Griechen ( 5,3 °lo) und 5o Portugiesen ( 1,3 °lo ). .

“Die Nationalitäten der restlichen 6oo Ausländer (16, c$>) wurden nicht ermittelt.

Von den 858 ausländischen Frauen, die Ende September 197o in Beschäftigung standen, entfielen auf Türkinnen 274 (31,9 °Jo ), Italienerinnen 17o ( 19,8 °Jo), Jugoslawin­nen 146 (17,ö7o), Griechinnen 77 (9,o °}o), Spanierinnen 51 ( 5,9 <7o), Portugiesinnen 16 ( 1, 9 °Jo) und sonstige Aus- , länderinnen 124 (14, 5 %).

Nach der derzeitigen wirtschaftlichen Situation und dem jahreszeitlichen Rhythmus dürfte die Zahl der beschäftig­ten Ausländer in den folgenden Monaten langsam zurück­gehen, um dann im folgenden Frühjahr wieder kräftig anzusteigen.

AUS VERWALTUNG UND PARLAMENT

Auch die Polizei unseres Unterwesterwaldkreises war dem Aufruf zur AKTION DENKPAUSE gefolgt. Im Gebäude des Gendarmerie-Kommandos Montabaur wurde am ver­gangenen Dienstag die Denkpause von 11 bis 11.3o Uhr dazu benutztj über eigene Probleme zu dieskutieren.

Die Diskussionen verliefen ruhig und sachlich. Der Dienst­betrieb einschließlich des Publikumsverkehrs wurde auf­recht erhalten, so daß die Bevölkerung unserer Stadt keinesfalls auch nur den kleinsten Nachteil erlitt.

Die Gewerkschaft der Polizei hatte die Männer aller Poli­zeisparten aufgefordert, diese Denkpause einzulegen. Wäh­rend dieser Zeit sollen alle Kollegen über die katastropha­len Verhältnisse in der Polizei bewußt nachdenken und mit­einander diskutieren. In den Büros der Kriminalpolizei ebenso wie in den Wachen und Revieren der Schutzpolizei. Dienstfahrten sollen unterbrochen, die Kraftfahrzeuge abgestellt werden. Ausgenommen sind alle unaufschiebba­ren Maßnahmen der Verbrechensbekämpfung sowie Einsatz­fahrten bei Verkehrsunfällen oder bei Gefährdung von Men­schenleben.

Man wird sagen, dies sei ein WARNSTREIK, und die Polizei­beamten dürften nicht streiken.

Doch die Polizeigewerkschaft sagt: das ist eine Denkpause!

Wenn der Dienstherr zur Aufrechterhaltung des Dienstbetrie­bes ständig auf die Freizeit der Polizeibeamten zurück­greift, so kann es den Polizeibeamten nicht verwehrt sein, einmal umgekehrt während der Dienstzeit darüber nachzu­denken und zu diskutieren, wie dieser Zustand geändert werden kann. Auch für Polizisten gilt: in der Freizeit gehört Vater der Familie.

Die GdP setzt mit der Aktion Denkpause ein deutliches Sig­nal. Es wird erwartet, daß alle GdP-Mitglieder dem Auf­ruf Folge leisten und darüber hinaus auch alle anderen Kol­legen der Schutz- und Kriminalpolizei Solidarität bewei­sen.

Der Polizeidienst ist unterbewertet. Jahrelange gewerkschaft­liche Bemühungen haben daran nur graduell, nicht prin­zipiell etwas ändern können. Selbst bescheidene Fortschritte mußten hart erkämpft werden. In den letzten beiden Jah­ren wurde zweimal der Versuch unternommen, durch Ein­führung der Stellenplanbindung die Unterbewertung des poli­zeilichen Dienstes zu zementieren. Dieses Vorhaben hat die Gewerkschaft der Polizei durch massive bundesweite Pro­testaktionen verhindert.

Unsere Hoffnung, daß die Innenministerkonferenz nun end­lich ernst machen würde mit einer Neubewertung des poli­zeilichen Dienstes, hat sich nicht erfüllt. Über eine Neu­ordnung des Laufbahnrechts und der Besoldung für die Kri­minalpolizei wurde bisher nur geredet. Über eine Neuord­nung des Laufbahnrechts und der Besoldung für die Schutz­polizei nicht einmal das.

Die Innenministerkonferenz hat ein wissenschaftliches Insti­tut beauftragt, ein polizeiliches Berufsbild zu erarbeiten. Dauer etwa drei Jahre. In der Sitzung am 8. Oktober 197o standen auf der Tagesordnung der Innenministerkonferenz so wichtige Punkte wie : Laufbahn und Besoldung der Poli­zei, Abgeltung der Überstunden. Entschieden wurde nichts.

Es wurde lediglich eine Staatssekretärkommission gebildet, die Uber Fragen der Laufbahnverordnung und ein Berufsbild der Polizei beraten soll : Die von der Innenministerkonfe­renz ausgedrückte Erwartung, daß das Ergebnis dieser Be­ratung möglichst bald vorgelegt werden kann, zielt auf jeden Fall weit in das Jahr 1971.

So deutet also alles darauf hin, daß die Neuordnung des Laufbahnrechts und die Neuordnung der Polizeibeamtenbe­soldung weiter verschleppt wird. Statt dessen droht ein neuer Antrag auf Einbeziehung der Polizei in die Stellen­planbindung.

Das Ergebnis dieser Verschleppungspolitik liegt für jeden sichtbar auf der Hand: