Ausgabe 
7.5.1970
Seite
158
 
Einzelbild herunterladen

RUND UM MONTABAUR Nr. 10/19/70/8

Doch das ist schon vergessen, und wir wol­len heute ein kleines Bild jener Gemeinde zeichnen.

EIN BLICK IN DIE GESCHICHTE Möglicherweise ist Bladernheim schon bald nach der Völkerwanderung entstanden, doch wird es erst 1292 erstmals urkundlich er­wähnt.

Die Grafen von Wied und Isenburg besassen hier 1548 ein Höfchen, das wahrscheinlich "Oberhausen" genannt wurde. Die Flurbe- Zeichnungen "Höfchesüorn" oder auch "Schlösschen" zwischen Miihlfeld und Pfarr- weide erinnern noch daran. Die Hannes- Mühle musste damals der Piärrei Montabaur 1 Malter und 1 Achtel Korn jährlich ablie­fern. Zur gleichen Zeit hatte Bladernheim 7 Haushaltungen, 5 waren trlerisch und 2 nassauisch. 1684, nach dem 30-jährigen Krieg, waren es nur noch 4.

Als die Bewohner der Nachbargemeinde Ses- penrod 1853 geschlossen auswanderten, war Bladernheim nicht in der Lage, deren Land anzukaufen. So gehört die Sespenroder Ge­markung heute zu Heilberscheid, während Bladernheimer meist Eigentümer der Grund­stücke sind. Die Einwohnerzahl des Dorfes stieg wie folgt: 1818 = 48, 1871 = 79, 1905 = 93, 1939 = 115, 1950 = 123, 1960 = 110 und 1970 = 135.

VIELE GEMEINSCHAFTSEINRICHTUNGEN Manch grössere Gemeinde würde Bladern­heim um die vielen Gemeinschaftseinrich­

tungen beneiden, die in den letzten uahren geschaffen wurden. Seit 1888 besitzt Bla­dernheim eine eigene Filialkirche der Pfar­rei Montabaur. Sie ist dem hl. Antonius ge­weiht. Jeden Dienstag ist hier Gottesdienst, ebenso an Weihnachten und an Kirmes, die in diesem Jahr am 20 .f 21. Juni gefeiert wird. Auch einen gepflegten Friedhof mit kleiner Kapelle nennt Bladernheim sein eigen.

Im 1957 erweiterten Gemeindehaus befinden sich nicht nur das Bürgermeisteramt, das Feuerwehrgerätehaus und eine Viehwaage, hier sind auch ein grosser Kühlraum und 30 Gemeinschaftsgefrierfächer unterge­bracht. Den Backes hat man zu einem Jugend­heim umgebaut.

1968 wurde ein hochmoderner Hochbehälter, der 150 cbm umfasst, fertig. Rechtzeitig vor dem Ausbau der Gelbachtalstrasse wur­den auch die Dorfstrassen kanalisiert und im Wiesengrund eine mechanische Kläran­lage errichtet. Diese Massnahmen kosteten 350 000. DM.

Ein Schmuckstück des Dorfes ist auch der geschmackvolle Dorfbrunnen, den die Ge­meinde für die Vignette in unserem Nach­richtenblatt ausgewählt hat. In diesem Jahr sollen an den drei Eichen ein Tisch und drei Bänke aufgestellt werden.

LANDWIRTSCHAFT AUSGESTORBEN Bürgermeister Karl Kaiser und Gemeinde­rechner Anton Girmann können mit dem Gemeinderat eine zufriedene Bilanz ziehen.

Die Höhe des diesjährigen Haushalts liegt bei 74 000. DM im ordentlichen und 79 000,-- DM im ausserordentlichen Teil. Die Schuldenlast beträgt jährlich 21 000.-- DM Schliesslich muss auch noch die neue und nun zur Hälfte leerstehende Verbands­schule in Reckenthal mitfinanziert werden. In diesem Jahr werden vor allem die Bür­gersteige geteert und neue Strassenschil- der aufgesteilt. 46 ha Gemeindewald wer­fen eine Rendite ab, während der Mark­wald auf der Montabaurer Höhe in diesem Jahr mit 200. DM negativ zu Buche schlägt, weil seinerzeit die Franzosenschläge und ein grosser Windbruch ihn stark in Mitleiden­schaft gezogen hatten.

Die Landwirtschaft ist so gut wie ausgestor­ben. In den recht stellen Gelbachhängen war eine Ackerbestellung seit jeher recht schwierig. Die fruchtbaren Talwiesen wer­den noch von Ettersdorfer und Heilberschei- der Landwirten mitgemäht. In Bladernheim wird keine Kuh und nur ab und zu noch ein Schwein gehalten. Dafür aber haben die Fremden Bladernheim entdeckt. Nachdem der Reisebüroinhaber Nolden hier einen kom­fortablen Bungalow mit Schwimmbad errich­tet hat, baut nun auch Jagdpächter Ingeni­eur Densken aus Düsseldorf-Ratingen ein modernes Terrassenhaus im italienischen Stil. Andere Auswärtige haben sich Grund­stücke reserviert.

Eine Gastwirtschaft und ein Privatmann be­herbergen im Sommer Fremde. Regelmässig zelten auch Pfadfinder hier. In diesem Jahr wollen im Juli/August 60 aus Bocholt ein Zeltlager errichten. Selbst am kühlen 1. Mai dieses Jahres hatten Montabaurer Pfäd- findet ein kleines Lager aufgeschlagen.

Während ausgebaute Strassen zu allen Nach­bargemeinden führen, sind die Busverbindun­gen schlecht. Ein Montabaurer Omnibus­unternehmer fährt täglich zweimal in jede Richtung, doch nur dienstags und donners­tags kann man nachmittags zum Stadteinkauf nach Montabaur fahren. Zum sonntäglichen Kirchgang nach Wirzenborn verkehrt eigens ein Bus. Ein Geschäftsmann aus Etters­dorf versorgt das Dorf regelmässig mit Lebensmitteln. Ein Fuhrunternehmen und eine Gärtnerei zählen zu den Gewerbebe­trieben.

Wenn Ende nächsten Jahres die selbständige Gemeinde Bladernheim in die Stadt Monta­baur eingegliedert werden wird, können Ge­meindeverwaltung und Bürger zufrieden Rückschau halten: Man kann stolz auf die vollbrachten Leistungen sein.

Unsere Bilder zeigen Bürgermeister Kaiser und Gemeinderechner Girmann im neuen Hochbehälter sowie das Gemeindehaus mit dem Dorfplatz.

BODEN

WETTSTREIT DER FANFARENZÜGE

Eine grosse Wettstreitveranstaltung für Spielmanns- und Fanfarenzüge wird vom Fanfarenzug 1958 e.V. "Frisch-Auf" Boden vom 9. - 11.5.1970 durchgeführt. Die Vor­bereitungen für dieses "Mammutfest" (bis­her haben über 50 Vereine ihre Zusage gegeben), sind seit geraumer Zeit im Gange.

Um eine Veranstaltung in einem so gros­sen Rahmen durchzuführen, hat der Fanfaren- zug* bereits an die Dorfbevölkerung zwecks Mithilfe .appelliert. An dem grossen Fest-

»s

ksv 'v

-iqynju ** ^

4 *.