Auch Mütter können Ferien machen
„Ich habe doch nicht gewußt, daß es so etwas gibt - und bis ich dann 'tausgefunden habe, wie man hierher kommt!“ Oft müssen Ärzte in Mütter—Genesungsheimen diese Antwort hinnehmen, wenn sie mit mehr oder weniger leisem Vorwurf einer Mutter klar gemacht haben, daß ihre Erholung spätestens vor zwei Jahren angebracht war.
Dabei ist der Weg zu einer Mütter -Genesungskur so einfach wie nur möglich. Alles, was die Mutter zunächst einmal braucht, ist ein ärztliches Attest. Es sollte möglichst ausführlich sein, Auskünfte darüber geben, welche Kurmittel angebracht sind (etwa Diät, Massagen oder Bäder) und was die Erholung beeinträchtigen könnte (etwa Höhenlage über 800 m oder Föhn oder Reizklima der See).
eine unzumutbare Belastung tragen müssen.
Schon in diesem ersten Gespräch spielt natürlich die Ftage dei Vertretung dei Müttei eine Rolle. Die Entsendestelle wird mit det Muttei zusammen überle gen, ob nicht Familienangehörige füt sie einspringen odei abei die Kindei zu sich nehmen können. Sollte es dei Fa milie schwet fallen, hierfüt die Reise kosten aufzubringen, wird die Entsendestelle eintreten. Das Müttei Genesungs- werk macht immer wiedei die Erfahrung, daß es noch viele hilfsbereite Verwandte und Bekannte gibt. Oie viel größere Schwieu^ ‘ * die Scheu der Muttei,
diese Hilfsbereitschaft fu. si '■ in An- spiuch zu nehmen.
Abei nehmen wii einmal an, es gebe keinen Menschen aus dem Lebenskieis der Muttet, dei sie vertieten kann. Dann
wird die Entsendestelle versuchen, für die Zeit ihrer Abwesenheit eine Hauspflegerin einzusetzen freilich gibt es noch viel zu wenig dieser Mütter-Ver- treteiinnen oder die Kinder gleichzeitig in einem Erholungsheim, einem Pflegenest oder in einem Ferienlager unterzubringen. Das ist nicht immer von heute aul morgen zu schaffen, abei bei gutem Willen aller Beteiligten muß keine Mütter (ienesungskur an diesem Problem scheitern.
Damit ist eigentlich schon alles erklärt, was eine Muttet tun muß, um in den Genuß einer Müttei Genesungskur zu kommen. Das Wichtigste ist, daß sie nicht auf die Katastrophe wartet, die sie erst „berechtigt“, die Hilfe des Mütter Genesungswerkes für sich in Anspruch nehmen, und daß die Familie zur Erholung der Mutter Ja sagt.
Sind Sie wertpapierreif?
Mit diesem Attest geht die Mutter zut Arbeiterwohlfahrt, zum Deutschen Roten Kreuz, zum Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband oder zum katholischen oder evangelischen Pfarramt an ihrem Wohnort oder in der nächst große ren Gemeinde und erklärt: „Ich möchte eine Mütter—Genesungskur“ (sie wird sich die Stelle aussuchen, mit der sie schon Verbindungen hat oder zu der sie sich hingezogen fühlt). Die Adressen fin det sie im Telefonbuch, sie kann aber auch zum Sozialamt gehen und sich dort beraten lassen.
Man wird die Mutter fragen: „Wie hoch ist das Familieneinkommen, wieviel können Sie selbst zu einer Mütter-Gene sungskur zahlen? In welcher Krankenkasse sind Sie versichert? Wollen Sie selbst einen Antrag an Ihre Kasse wegen einem Kurkostenzuschuß stellen oder ist es Ihnen lieber, wenn wir das für Sie übernehmen? “
Wenn geklärt ist, welche Zuschüsse die Krankenkasse oder die Landes—Versicherungsanstalt oder das Sozialamt leisten und was die Mutter selbst zahlen kann, wird festgesetzt, was das Müttet- Genesungswerk übernimmt. Das können die Gesamtkosten sein, wenn keine andere Stelle zuständig und die finanzielle Lage der Familie schlecht ist, das können in einem anderen Fall aber auch nui zehn Prozent sein. Es gibt hierfür eine einzige Richtlinie: die Familie soll nicht
„Sparen Sie in Wertpapieren“, so hört man iinmet häufigei in letzter Zeit. Auch die Bundesregieiung stimmt in diesen Choi ein, wenn sie im Rahmen des Steueränderungsgesetzes 1968 die Wertpapierspare! mit einei höheien Prämie begünstigen will als die Kontensparei. Doch ist es einfach nicht richtig, klagend auf die rund 160 Milliarden DM auf Sparkonten zu zeigen und die Konten- sparet zu bedauern, weil sie als Sparet in Wertpapieren einen höheren Ertrag für ihre Rücklagen erzielen könnten.
Das ist an einem Beispiel leicht zu zeigen. Anfang dieses Jahres übersprangen die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen die 10O-Milliarden—Grenze. Da zür gleichen Zeit rund 74 Prozent aller Deutschen ein Sparkassenbuch besaßen, sind das rund 45 Millionen Sparkassen- Sparer. Wenn 45 Millionen Sparer insgesamt über ein Sparguthaben von 100 Milliarden DM verfügen, so steht auf jedem Sparkonto ein Guthaben von rund 2.200 DM. Eine Rücklage in dieser Höhe ist nicht mehr als ein Liquiditätsrückhalt; für den Notfall stehen im Durchschnitt übet 2.000 DM sofort bereit. Wenn ein Teil der 2.000 DM oder der ganze Betrag in Wertpapieren angelegt worden wäre,
bestünde die Möglichkeit, daß bei Veräußerung der höhere Zins oder sogar ein Teil des Kapitals verloren ginge.
Da es sich bei den 2.000 DM nur um einen statistischen Durchschnitt handelt und somit zahlreiche Konten über diesem Betrag liegen, gibt es nach oft vertretener Auffassung zahlreiche Kunden, die „wertpapierreif“ sind. Die Wertpapierreife läßt sich jedoch nicht in Zahlen ausdrücken. Ist det Sparer risikofreudig, so kann sie bereits unter 2.000 DM liegen. Wird besonderer Wert auf Sicherheit gelegt, kann die Wertpapierreife bei 100.000 DM und mehr liegen. Ganz abgesehen davon, gibt es auch noch ein objektives Moment bei der Wertpapierreife. Viele Einkommensbezieher sind einfach deshalb nicht wertpapierreif, weil sie Wertpapiere erst dann erwerben, wenn sie die vorteilhaften steuerlichen Möglichkeiten wie Sonderausgaben, Prämienverträge und andere steuerbegünstigte Geldanlagen voll ausgenützt haben, wozu beträchtliche Mittel erforderlich sind.

