denn früh am Nachmittag schon geht er von uns und in den Abend ein :
Wir stehn im Schatten von St. Peter, er strahlt noch spät im Sonnenschein.
Ich sehe noch die Kaufmannskarren die Straße hoch gen Frankfurt rolln, die hochbepackt mit teuren Waren am Sauerthal stehn zum verzolln.
Schwerdampfend halten mächtige Pferde, geschäftig eilt der Bursch herbei, daß jetzo auch versteuert werde, was durch die Stadt gefahren sei !
Die Fragen gelten Kaufmannsknechten, die widerwillig nur bereit und nicht zuviel verzollen möchten ; sie reden nur von knapper Zeit.
Die Münze klingt, Hei, Pfeffersäcke !
Die Magd schenkt kühlen goldnen Wein. Entlaßt uns, Zöllner, auf die Strecke, heut müssen wir in Frankfurt sein !
Es blitzen Rüstung, Helm und Degen, die blanke Wehr im Sonnenstrahl. Unsicherheit auf allen Wegen und Wegelagerer überall.
Ich sah, umkreist von flinken Falken, manch 'Henkerszug ziehn aus der Stadt, als man den Strolch am alten Galgen gerädert und gevierteilt hat.
Ich hörte sein verzweifelt Schreien, von fernher an mein Ohr es drang.
Schrie lauthals Gnade ! Und Verzeihen ! - ... ein schauerlicher Grabgesang !
Sie ziehen von der Todesstätte nach Haus und reden aufgeregt.
Und alle atmen auf, als hätte ein schweres Wetter sich gelegt.
Und sah am Galgen, dort am alten, noch tagelang der Raben Schar gefräßig Todesmahlzeit halten, die schrecklich angerichtet war.
Noch heute klingt mir in den Ohren der Schrei : Der Feind steht vor der Stadt ! Zu Hilfe all ! Es ist verloren, wer jetzt kein tapfres Herze hat !
Am Petersthore stehn die Wächter, heiß wird gekämpft mit blankem Schwert, da jeder Mann als kühner Fechter des Feindes Einzug hat verwehrt.
Am Wolfsturm schlagen tapfre Mannen voll Wut auf zähe Reiter ein und gießen heißes Öl aus Kannen, und Häuser stehn im Flammenschein.
Doch als die Abenddämmerung schreitet und es herrscht Stille nach der Schlacht, die Glocke von St. Peter läutet, was alle in der Stadt gedacht :
Ein jeder stand zu seinen Pflichten, und alle waren auf der Hut ;
die Feinden konnten nichts verrichten ;
Dank sei dem Herrn, denn er ist gut !
Von meinem hohen Turmgeschosse sah ich den Orsbeck in der Stadt, der als letzte an dem Schlosse gebaut und es erweitert hat.
Es war ein Fest auf allen Straßen, als er sein Schloß hat eingeweiht und Bier und Wein floß ohne Maßen ; nie sah ich eine bess're Zeit !
Denn feststeht, wie ich selbst gesehen, daß damals hier im Trierer Land der Krummstab sorgt für Wohlergehen, und das ist Euch ja auch bekannt.
Den Bürgermeister Löhr, den alten, sah ich dem Kurfürst Wenzeslaus gerührt die Abschiedsrede halten, als aus dem Schloß er mußt hinaus.
Dann kam aus Nassau angezogen der Herzog Adolf, welch ein Mann !
Auch er zeigt sich dem Volk gewogen, nahm seiner sich voll Güte an.
Doch weiter eine kurze Zeile : Schwarz-weiß vom Schloß die Fahne weht ; denn schon nach einer kleinen Weile der Preuße vor dem Tore steht.
Es residiert für alle Frommen ein Kaiser Wilhelm in Berlin.
Ich seh noch seine Reiter kommen, von Boden her zur Stadt sie ziehn.
Hier haben aus Protest die Leute die Fensterläden zugemacht.
Und es war keine reine Freude ein Preuß ' zu werden über Nacht.
Schwarz-weiß, so wehte jetzt die Fahne für etwa fünfundfünzig Jahr ; das war so lang, wie unser Ahne ein Bürger Nassaus einstens war.
Dann kam ein Krieg, es war der erste, die ganze Welt stürzt er in Not, doch war er lang noch nicht der schwerste. Die Fahn'am Mast zeigt schwarz-weiß-rot.
Darauf, geschmäht von jedem Kinde, zeigt sich, an Fahnenmastes Holz, die Sepratistenflagg 'im Winde ; sie flattert ängstlich, ohne Stolz.
Und bald schon schreibt man dreiunddreißig, beginnt ein tausendjährig' Reich.
Sie waren braun, borniert und fleißig.
Ein Ende, wie noch keinem gleich !
Die Trikolor 'ward aufgezogen, mit bei den Siegern waren sie !
Die braunen Vögel : Ausgeflogen !
Man ließ Euch hungern wi e noch nie !
Nach Haß, nach Hunger, Heldentaten die neue Flagge ward entrollt :
Heut seid Ihr alle Demokraten,
das Fahnentuch zeigt schwarz-rot-gold.
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