Donnerstag, 15.00 Uhr Diaspotareligionsunterricht
• in Ruppach
Freitag, 19.30 Uhr Junge Gemeinde
Jugendkreis
DER VERSUCH EINER SCHULREFORM im Amte Montabaur
UNTER CLEMENS WENCESLAUS, DEM LETZTEN KURFÜRSTEN VON TRIER
nach ungedruckten Quellen dargestellt von Melchior Thamm +
die vortrefflichen Schulen Sachsens und wollte als Kurfürst von Trier und Bischof von Augsburg in seinen Ländern die Jugend mit dem Geist der Wissenschaft und Gottesfurcht erf| Mit Fug und Recht durfte er daher eine seiner Verordnungen beginnen;" Von Gottes Gnaden Wir Clemens Wenceslaus, Erzbischof von Trier etc. haben seit dem .Antd’ffe unserer ] Landesregierung die Verbesserung des allgemeinen Unter- I richts der Jugend als die Grundlage des guten Christen und j des rechtschaffenen und nützlichen Bürgers diesertwegen als 1 1 eine der wesentlichsten der uns obliegenden fürstlichen Pflichtenangesehen und dahero unser landesväterliche Vorsorge nicht allein auf die höheren sondern auch auf die gemeinen oder sogen. Trivialschulen mit vorzüglichem Bedacht erstrecket. "
Das Wort "Schulreform" mit all seinen lautstarken Demonstrationen treibt heute die Studenten auf die Straße.
Z.Zt. der kurfürstlichen Herrschaft in unserem Heimatgebiet war man, wie der nachfolgende Bericht zeigt, auch schon bemüht "neuzeitlich und fortschrittlich" zu sein.
In damaliger Zeit ging es allerdings wohl weniger radikal zu als heute, wo man von unserem Schulsystem behauptet, es sei rückständig und nicht zeitgemäß.
Doch wie man sieht, waren auch in vergangenen Zeiten Reformer am Werk, die sich um Besserung bemüht haben.
Die meisten Kurfürsten von Trier gehörten reichsgräflichen oder freiherrlichen Geschlechtern des Erzstiftes oder der Nachbarländer an. Der letzte, Clemens Wenceslaus,stammte aus einem angesehenen Herrscherhause.
Er führte als Sohn Augusts des Dritten von Polen und Sachsen den Titel "Königlicher Prinz von Polen und Lithauen". Durch seine Mutter Maria Josepha war er ein Enkel Kaiser Joseph I.
Er genoß eine vorzügliche Erziehung und erwarb sich eine klassische Bildung. Dann widmete er sich der militärischen Laufbahn und nahm als 21 jähriger Feldmarschall-Leutnant 1760 an der Schlacht bei Torgau teil. Aus Gesundheitsrücksichten vertauschte er seinen Beruf mit dem Studium der ' Theologie und feierte am 1. Mai 1763 zu München seine Primiz. Noch in demselben Jahr erhielt er die Bistümer Freisingen und Regensburg. Im Jahre 1768 wurde er zum "Bischof von Augsburg und auf Betreiben Maria : Theresias gleichzeitig auch zum Kurfürsten und Erzbischof von Trier ernannt.
Er residierte mit Vorliebe in Koblenz. Am 21. Oktober 1792 floh er beim Anmarsch der Franzosen unter (Qustine erst nach Bonn und Münster und dann nach Süddeutschland, ein Jahr später kehrte er über Mannheim und Montabaur in die Rhein - und Moselstadt zurück.
Am 5. Oktober 1794 verließ er für immer seine Residenz, weilte zwei Tage in Montabaur und reiste dann über Schwetzingen nach Augsburg.
Er starb am 27. Juli 1812 auf seinem bayrischen Schlosse Oberndorf und wurde seinem letzten Wunsche gemäß ohne Leichengepräge und Trauerrede auf dem Friedhofe mitten unter seinen Pfarrgenossen begraben.
Clemens Wenceslaus war ein vielseitig gebildeter, maßvoller und praktisch angelegter Fürst. Seine Regierung fiel in eine ; i' Zeit, die auf verschiedenen Gebieten eine Umwälzung mit sich brachte u.a. auch auf dem Gebiete des Schulwesens. Friedrich der Große, Maria Theresia, die Pietisten, die Phi- lantropen, sie alle leisteten Ersprießliches.
Vom Saganer Abt Ignaz v. Felbiger beeinflußt, blieben die geistlichen Kurfürsten, die Szepter und Krummstab gleichzeitig führten, nicht hinter den anderen Förderern des verbesserten Schulwesens zurück.
Den Anfang machte mit der Schulreform Joseph Emmerich, Kurfürst von Mainz, später folgten die beiden letzten Kurfürsten von Köln seinem Beispiel.
Clemens Wenceslaus reihte sich ihnen würdig an. Er kannte
In seinem Hirtenbrief vom 1. April 1783 ermahnte.er die Seelsorger des Bistums Augsburg nicht bloß Religionslehrer sondern auch Volkslehrer zu sein.
Ihm waren die öffentlichen Schulen
"Pflegschulen, wo Tugend und Wissenschaften, diese zwei Lebensbäume aller Glückseligkeit erzogen werden".
In der richtigen Erkenntnis, daß eine gute Lehrerausbildung oder, wie ein süddeutscher Pädagoge damals sagte, der Lehrer bei der Schule die Hauptsache sei, schuf er im Jahre 1783 im Hochstifte Augsburg und im Jahre 1784 in Koblenz Normalschulen, d. h. Lehrerseminare und erließt für letztere eine Instruktion die von großem Scharf- f sinn zeugt. !
j
Zahlreich waren seine Verfügungen über Schulangelegen- ] heiten. In manchen betätigte er seine lehrerfreundliche i Gesinnung. Z.B. im Jahre 1784 verbot er den Gemeinden uni ) Seelsorgern bei 10 Goldgulden Strafe, Lehrer ohne Wissen ' der Schulkommission abzusetzen; im Jahre 1785 verlieh erde Landschulmeistern "zu ihrer Ermunterung und Verbesserung ihrer häuslichen Umständen", nebst der Personalfreiheit, d.h. Freiheit von Feld- und Waldhut, von Tag- und Nächtig wachen, von Botengängen und Jagdfronden) auch jene vom: "Milizen und Recroutenzug ihrer Söhnen". Im Jahre 1789 gab er den Lehrern Anteil an allen Gemeinde -Nutzbarkeiten.
Durch andere Verfügungen war er eifrig darauf bedacht, Übel stände abzuschaffen und Verbesserungen einzuführen.
So erging am 30. August 1776 an alle Ämter die Verordnung, die Schulhäuser zu besichtigen und behufs Aufbesserunj der Lehrergehälter geeignete Vorschläge zu machen. -
"Auf anständige Wohnung und billigmäßige Belohnung der Lehrer" heißt es, " soll Bedacht genommen werden, indeme bey ein und des anderen Ermangelung nicht zu hoffen oder zu erwarten ist, daß man jemals wackere und geschickte Leuthe zu Übernehmung eines so wichtigen Amtes werde bewegen können".
Die Pfarrer wurden durch Übersendung "des gedruckten Unterrichts in der vorgeschriebenen Lehrart" ' und zwar der geschwindesten, sichersten und brauchbarsten", mit der Felbigerschen Methode bekannt gemacht.
Abgesehen von diesen auf Verbesserung des Schulwesens beidachten Einzelverordnungen plante er auch eine große Reform von Grund aus.
Im Jahre 1778 setzte er in seinem Erzstifte einen Preis für die besten Vorschläge zur Hebung des Volksschulwesens ai
Im Jahre 1779 sollte eine besondere Kommission vermittels Fragebogen bei den Pfarrern Erhebungen über die Parochial- schulen anstellen.
Im Jahre 1782 bildete er unter mancherlei Schwierigkeiten einen Schulfonds. "Vier Benediktiner-Abteien und die
- 2 -
■7t

