Ausgabe 
29.9.1967
 
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Das Schloß wurde nassauisches Jagdschloß, doch blieb Mon­tabaur Amtsstadt über 38 Dörfer. '

Auch unter Nassau konnte Montabaur zu keiner neuen Blüte gelangen. Die Bürgerschaft litt unter schweren Kriegslasten, und zum Rhein hin war nun eine Zoll- und Landesgrenze entstanden. Hier war der Gulden, dort der Taler gültige Währungseinheit. Infolge des "Deutschen Krieges" 1866 kam Nassau an Preußen. Montabaur blieb Amtsstadt und wurde 1867 Kreisstadt des Unterwesterwaldkreises im Regierungs­bezirk Wiesbaden.

Mit dem Bau der Westerwaldbahn 1884 und der Entwicklung des Straßenverkehrs kam unsere Heimat aus ihrer Isolierung. Seither ist ihr wirtschaftlicher Aufschwung stetig gewesen, denn auch die beiden Weltkriege haben sie vergleichsweise verschont.

Die Besatzungspolitik trennte 1946 die vier nassauischen Kreise Unterwesterwald, Oberwesterwald, Unterlahnkreis und Loreleykreis vom Regierungsbezirk Wiesbaden ab, schuf damit einen neuen Regierungsbezirk Montabaur, den an Einwohnern kleinsten in der Bundesrepublik, und schlug diesen dem neugeschaffenen Land Rheinland-Pfalz zu. Seit Kriegs­ende stieg die Einwohnerzahl Montabaurs um ein Drittel, ein Beweis dafür, daß Montabaur bemüht bleibt, seinen Ruf als Metropole des Westerwaldes zu festigen und zu erwei­tern.

DER KURZE ROCK

Daß dem Diktat der Mode fast ausnahmslos die Frauen von 15 - 65 unterworfen sind, bedarf keiner besonderen Erörte­rung. Der Streit um den heute so populären Mini-Rock hat, wenn auch in gemäßigter Form, bereits 1927 die Gemüter bewegt. Hören wir, was damals darüber in der Presse ver­zeichnet war;

Der kurze Rock

Der lange Rock kehrt wieder! verlautbart Amerika. Ameri­ka personifiziert durch eine bekannte Filmdiva, die sich von Verkündigung dieser umstürzlerischen Idee durch ihren Mund wahrscheinlich die beste Filmreklame erhofft. Vielleicht aber verspekuliert sich doch die Miß. Denn mit ihren Wün­schen bezüglich Abschaffung des kurzen Rockes dürfte sie bei den Frauen kaum auf Gegenliebe stoßen, weil die Frauen gar nicht daran denken, den kurzen Rock mit dem langen zu vertauschen.

Es erscheint da nötig, abgesehen von der modischen Note des kurzen Rockes, auf seine "Geburt" näher einzugehen. Der kurze Rock, oder das "Röckchen" wie mißliebige alte Tan­ten es nennen, ist ein Kind seiner Zeit, ein Kind der heuti­gen Epoche, die im Zeichen der Ertüchtigung steht. Die soziale und wirtschaftliche Lage der Welt, Deutschland vor­an, ist nicht so glänzend, daß auch nur eine Hand mäßig bleiben dürfte. Durch den Krieg gewohnt, die Stelle des Man­nes pflichtgetreu auszufüllen, ist es bei vielen Frauen Be­dürfnis, bei anderen ein aufdiktiertes Muß, zu arbeiten.

Führt Talent eine Frau in den Hörsaal, in das Laboratorium, so erfüllt eine andere ihre traditionelle Bestimmung, am häuslichen Herd mustergültig zu wirken. Hier wie da war der lange Rock ein ewig zeitraubendes, gesundheitsschädi­gendes Kleidungsstück. Was Wunder, wenn er einer vernünf­tigen Einsicht, gepaart mit der modischen Sehnsucht nach steter Abwechslung zum Opfer fiel. Der kurze Rock bewährt sich, und die Jahre haben gelehrt, daß er mehr ist als eine modische Finesse. Übertreibungen ins allzu Extravagante, wie sie jede Mode mit sich bringt, sind in diesem Zusam- : menhange bestimmtest abzulehnen.

Andererseits kann die moderne Frau im Auto, am Motorrad, im technischen Betrieb, beim Sport und bei der Arbeit den langen Rock nicht brauchen. Sie mag daher ruhig ihrem kurzen bewährten Aller wertsrock treu bleiben. Und was die Ausblicke auf eigensinnig nach innen oder außen geschwun- g ene Beine betrifft, so ist dem die tröstliche Tatsache ent­gegenzusetzen, daß eine von Geschmack unabhängig von der Mode nach ihren ihr wohl bewußten Vorzügen oder Nach­

teilen die Länge resp. Kürze des Rockes bestimmt.

Der fesche kurze Rock aber ' gehört nun einmal zum Typ der sportgewandten Frau von heute, sowie ihr Bubenkopf und ihre Tüchtigkeit, welch letztere aufzuzählen schmähende Zungen gern vergessen.

Die übers Wasser zu uns gekommene Kunde einer Film­schönen, die notwendig der Reklame bedarf, die amerika­nische Fabel vom Verschwinden des kurzen Rockes, dürfte damit endgültig ins Wasser fallen. Womit es natürlich den ameri­kanischen Frauen unbenommen bleiben soll, sich in wallen­de, lange Gewänder zu hüllen.

DIE GLAUBENSPRÜFUNG~

Der Herr Pfarrer eilt in die Schule und spricht;

"Jetzt gleich ist Prüfung! Herr Dechant in Sicht!

Nun sagt mir schnell noch mal im Chor Von Bank zu Bank den Glauben vor!"

Gleich zeigt die erste Bank, was sie kann,

Und fängt, wie gewohnt, mit Gott Vater an,

Und schließlich hört der Kinderlein Häuf'

In der zwölften Bank mit dem "Amen" auf.

Es hat gestimmt bis zum ewigen Leben Und kann drum unmöglich Fehler geben.

Der Herr Dechant erscheint. Die Prüfung beginnt;

"Du - in der zweiten Bank, mein Kind,

Du kannst deine Sache ganz sicherlich;

Glaubst du an Gott den Vater? - Sprich!"

Der Herr Pfarrer freut sich und lächelt bloß;

"Hab'nur keine Angst! Leg' wacker los!"

Und der Bub hat keine Angst und spricht;

"An Gott den Vater glauben wir nicht!

Dagegen glauben wir gut und gern An Jesum Christum unsern Herrn.

An Gott den Vater glaubt frei und frank Bei uns dort vorn die erste Bank!"

Ludwig Nüdling.

WENN VATER MAL KRANK IST

Wenn Vater mal krank ist,

Dann stöhnet er sehr,

Und alle im Hause,

Die haben es schwer.

Er liegt dann im Bette,

Klagt finster mit Macht,

Tut merkwürdige Dinge die niemand gedacht.

Er ruft nach dem Doktor Und wimmert dabei,

Er stöhnt herzzerreißend Wie elend ihm sei.

Er rollt mit den Augen, wirft her sich und hin,

Und spricht wirrre Worte,

So ganz ohne Sinn.

Die Mutter muß springen ohn' Rast, ohne Ruh,

Der Vater will dieses und jenes dazu.

Und Freude und Friede,

Sie sind ganz dahin,

Wenn Vater mal krank ist, - Ja dann ist es schlimm!

WERBUNG BRINGT ERFOLG! ! ! !

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