Ausgabe 
14.7.1967
 
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Bundesgartensdiau Karlsruhe 1967

BUNDESGARTENSCHAU KARLSRUHE VOR NEUEN HÖHEPUNKTEN IM JULI

Die zweite BesuchermiIlion v)ar am 8. Juni erreicht. Das hätte in so kurzer Zeit noch vor sechs Wochen niemand erwartet. Zwei Tage zuvor hatte die Gesamtlei­tung eine erfreuliche Zwischen­bilanz gezogen. Mit 115 287 ab­gegebenen Dauerkarten war be­reits am 4. Juni der bislang von Dortmund 1959 gehaltene Rekord gebrochen worden 3 und täglich werden noch immer bis zu 100 Dauerkarten verkauft. Bis zum gleichen Zeitpunkt ist die Bun­desgartenschau von 4 450 Omni­bus-Reisegesellschaften besucht worden.

Die Wettermacher erwiesen sich durchweg als Freunde der Gärtner. Es gab auch Regen 3 freilich 3 und am 26. Mai riß ein wütender Sturm gleich fünfzehn alte Ei­chen im Schloßgarten um. Doch zwei Tage später freute man sich über jeden kühlen Luftzug 3 als das Ruhrlandorchester aus dem Grugapark in Essen sein Gast­spiel gab. Zugleich blühten an jenen warmen Tagen die ersten Sommerblumen auf 3 Steppenkerzen leuchteten zweimeterhoch über die blühenden Iris hinweg 3 und während noch die Rhododendron­büsche am Schloß und neben dem Gewässer des Japangartens in vollem Flor standen 3 begann be­reits der Rosensommer. Damit waren die schwierigen und für jede Gartenschau gefährlichen Tage zwischen den Blütezeiten des Frühjahres und des Sommers vorbei. Nur knapp eine Woche sind die Pflanz flächen seit dem Massensturm auf die Tulpenbeete leer gewesen; der Zoll hatte in salomonischer Weisheit die aus dem Ausland stammenden Tulpen­zwiebeln wertmäßig für null und nichtig erklärt 3 sodaß sie we-. der vernichtet noch zurückge­schickt zu werden brauchten 3 stattdessen sind die Zwiebeln für Schulgärten und andere nützliche Zwecke zur Verfügung gestellt worden.

Inzwischen erfreut der Sahloß- 'garten den Spaziergänger wieder in seiner ganzen Gelassenheit und Schönheit 3 Wildorchideen , und Lilien sind aufgeblüht 3 und über den blauen Flächen des Heliotrop am Schloßturm tanzen die Schmetterlinge. Den Schwä­nen des Schloßgartensees ist ein Erholungsurlaub in Schwet­zingen verordnet worden, sodaß die Seerosen ungestört wachsen

und aufblühen konnten 3 und auch der Sturm um den "Garten des Malers" mit den bunten Blech­dekorationen von der Lust an der Lust hat sich wieder gelegt; die Kommentare darüber in den Feuil­letons aller Zeitungen Deutsch­lands und der Schweiz haben der Bundesgartensahau manchen Tau­sendmarkschein im Werbeetat ein­gespart.

Der "Grüne Markt" 3 am Rande des Schloßparks zwischen den Eichen und Weißbuchen des Fasanengar tem gelegen 3 hat sich zu einer Art City der Bundesgartensahau entwickelt. In den Kleingärten blühen Rosen und Löwenmäulchen 3 und die Wildkaninchen ärgern sich über die Drahtgeflechte 3 mit denen Blumenkohl und Mohr­rüben geschützt worden sind. In der Versteigerungszentrale sind die ersten Gurken aus den Ge­wächshäusern der Lehrschau an den Mann und an die Frau ge­bracht worden 3 doch am begehr­testen waren bei allen Verstei­gerern die Erdbeeren; nur am 25.Mai gab es ein Unglück 3 bei dem gottseidank keine Menschen zu Schaden gekommen sind: es stürzte bei Pforzheim ein Last­zug um 3 und die Erdbeeren für die Versteigerungszentrale der Bundesgartenschau kollerten über die Autobahn. Reizend war dage­gen die Geschichte von einigen Eiahhörnchen t die sich bei Nacht über die Äpfel und Salatköpfe

der Lehrschau "Frischhaltung von Obst und Gemüse" hergemacht und als Gegenwert Eicheln und Haselnüsse hinterlegt hatten. Auch der Weg zum Stadtgarten ist sommerlich geworden. Der Garten "Mainau" prunkt mit Bougainvil- lien t von der Blumenstadt Lan­dau in der Pfalz grpßen Lanta- nen und Jakobslilien 3 und in der Innenstadt sind nicht weni­ger als vierhundert Kübel und Schalen aufgestellt worden 3 die von Fuchsien und Pelargonien überquellen; der Geranienmarkt am 20.Mai war die fröhliche Primiere des sommerlichen Flors in der Stadt. '

Erfreulich ist schließlich 3 welch* großes Interesse die Ge­samtdarstellung des Themas "Haus und Garten" findet. Die Lehrschau "So entsteht ein Gar­ten" t die lustigen Höfe mit Grundflächen von nur 25 Qua- daratmetern 3 desgleichen die Atriumgärten und das "Demokra­tische Villenviertel" in der Waldstadt erfreuen sich eines von Tag zu Tag stärker werden­den Interesses. Und die Sonder­schau im Landesgewerbeamt mit dem Thema "Land + Wasser = gol­dener Boden" ist mit ihren Apellen an die Vernunft die ernste 3 gewichtige Ergänzung der liebenswürdigen Heiterkeit dieser Bundesgartenschau in Karlsruhe.

Karl Heinz Hanisch

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