weiteres dort wieder ansetzen, wo die geschichtliche Bewegung 1933 unterbrochen worden war, dazu war der Strom des Niedergangs zu gewaltig und die Tiefe des Abgrunds, in den das Volk bis 1945 hinein gerissen worden war, bodenlos,
In solchen wahrhaft chaotisch zu nennenden Situationen handelt viellccht doch nur der Mensch rrichtig, der zunächst nur das tut, was der Augenblick von ihm verlangt, und vielleicht wird nur seine Leistung vor dem Urteil späterer Generationen bestehen können.
Als die Schule im Februar 1945 die Tore schließen mußte, blieben rund 200 Schüler "draußen vor der Tür" ; als sie am
15. 10. , also nur 7 Monate später, ihre Pforten wieder öffnete, da drängten 487 Lernbegierige , darunter 123 Mädchen, in das alte Gebäude und füllten die enggewocdenen Räume, fröhlich lärmend, mit neuem Leben. Die Sehüier mußten untergebracht werden. Die Zahl lag gering unter der Kapazität der Schule, die Althofen in einem Bericht v.
16. 9. 1945 mit. 500 angegeben hatte. Für die 13 Klassen standen zunächst nur 11 Räume zur Verfügung. Die ganze Unterstufe und die Tertien der Mittelstufe mußten geteilt werden, dafür fehlte noch die Oberprima. Nun stand schon seit längerer Zeit eine Baracke auf dem Schulhof, die immerhin Raum für 90 Schüler bot und so zwei starke Klassen
aufnehmen konnte. Allerdings war die Baracke nicht sofort bezugsfertig, weil das Mobiliar in der Zwischenzeit "verschwunden " : und die Fenster "entglast " worden waren.
Die Tatsache, daß sich damals verschiedene Instanzen und Kräfte in der Absicht trafen, die Schule wieder erstehen zu lassen, ermöglichte es , solcher Schwierigkeiten, an denen in anderen Orten ähnliche Versuche scheiterten, hier in Montabaur Herr zu werden. Althofen verfolgte in seiner Arbeit offenbar ein festes Ziel, das freilich in den Akten nicht an- gesprochen wird, das aber doch aus der Hartnäckigkeit zu entnehmen ist, mit der er die Schule ständig wachsen ließ, und das trotz aller Bestimmungen der Regierung, die den starken Zustrom zu den Gymnasien zu drosseln suchte. Noch am 12. 8. 1946, also kurz vor Beginn des neuen Schuljahres, erging vom Oberpräsidenten eine diesbezügliche strenge Anweisung an die Leiter der Schulen Bei der endgültigen Aufnahme in die Sexta ist der schärfste Maßstab anzulegen, und nur im äußersten Falle kann die Einrichtung eines 2. Sexta genehmigt werden. Sinngemäß ist bei den übrigen Klassen zu verfahren. Lehrkäfte und Raum können nicht zur Verfügung gestellt werden. Ich behalte mir vor, in jedem einzelnen Falle durch den zuständigen Dezernenten untersuchen zu lassen, ob entsprechend diesem Erlasse verfahren worden ist. " Das war deutlich genug, und doch begann unser Gymnasium das Schuljahr 1946/47 mit 15 Klassen, für die aber nur 11 reguläre Unterrichtsräume vorhanden waren. Die Schülerzahl betrug 553, darunter 158 Mädchen. Der starke Anteil der Mädchen mag Althofen den Gedanken nahegelegt haben, den er am 14.9.48 in einem Zwischenbericht an das Ministerium in Mainz mit den Worten andeutete: " Ich arbeite daran, die Anstalt doppelzügig auszubauen, so daß mindestens 15 Klassen herauskommen." Eine Voraussetzung, die 1948 noch nicht gegeben war, lag in der Beständigkeit des Zustroms zum Gymnasium. 1948 konnte man noch nicht erkennen, ob der Zulauf nicht doch nur eine vorübergehende Erscheinung war, Niemals hätte das Ministerium seine Zustimmung zu einem solchen Ausbau der Anstalt gegeben, bevor es nicht die Gewißheit hatte, daß sich an einem so kleinen Ort eine zweizügige Vollanstalt auch in der Zukunft halten würde.
Das überlegte Althofen offenbar auch,
Jetzt lenkten schulische Erfahrungen das Denken und Planen des Direktors in eine andere Richtung ; Die vielen Mädchen, die nun das Altsprachliche Gymnasium besuchten, konnten die Fortentwicklung leicht hemmen, weil den Schülerinnen die alten Sprachen erfahrungsgemäß weniger liegen als den Jungen, während die in den neuen Sprachen ihren Kameraden leistungsmäßig oft überlegen sind. Nun bot die Militärregierung in Montabaur dem Kreise verschiedene Schultypen zur
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Auswahl an, darunter das Gymnasium in seiner alten Form mit den beiden klassischen und einer modernen Sprache und den realgymnasialen Typ mit den beiden modernen Sprachen und grundständigem Latein. Und in Montabaur liefen von Anfang an diese, beiden Typen nebeneinander. Aber erst am 25. 3. 1950 entschied sich eine auf Grund eines ministeriellen Runderlasses einberufene Elternversammlung in Montabaur für ein Gymnasium mit alt- und neusprachlichem Zweig. Direktor Althofen hatte sein Ziel erreicht, das er niemals schriftlich fixiert hatte und bald darauf ist er in den Ruhestand getreten. Doch der Weg bis dahin war hart und oft sehr strapaziös für einen alten Mann. Lassen wir Althofen einmal selbst das Wort und hören wir, was er über diese Zeit zu sagen hat :
"Am 8.10.1945 begannen wir mit 14 Klassen, Sexta bis Obertertia einschließlich waren Doppelklassen ( a und b) mußten aber trotz ihrer Überfüllung aus Mangel an Lehrkräften und Räumen zusammengefaßt werden. Im Gymnasium standen zu wenig Räume zur Verfügung, so daß die U II (Untersekunda) zunächst im Heimatmuseum, die Quarta in der Berufsschule untergebracht waren. Anfang November mußte auch die U II in die bisherige Berufsschule verlegt werden. Bis Ende November 1945 unterrichteten wir in ungeheizten Räumen, Als uns dann der Kreis Anfang Dezember 7 kleine Öfen und Heizmaterial bereitstellte, trennte ich (Althofen) auch die übrigen Klassen in der Mehrzahl ihrer Stunden und führte für 7 Klassen Vormittags - und für 7 Klassen Nachmittagsunterricht ein. Günstig war auch der Umstand, daß uns der Unterhaltsträger ( also der Kreis) noch mehr Räume in der Berufsschule (iberließ. Dort waren nun- mehrßäm Hauptgebäude aber 8 Klassen untergebracht. "
Das neue Schuljahr 1946/47 begann im September mit 15 Lehrkräften für 15 Klassen. Im Oktober mußten die 4 Klassen aus der Berufsschule wieder herausgenommen werden, weil das Staatliche Pädagogium für Mädchen ( Aufbaugymnasium) dort eingerichtet wurde. Das hatte im Gymnasium zur Folge, daß mehrere Klassen keinen eigenen Raum mehr besaßen und daher"Wanderld^sBen" werden mußten, d.h. ,sie mußten stets in den Räumen untergebracht werden, deren Klassen sich gerade in der Turnhalle aufhielten. Solche "Wanderklassen” sind, von der Sicht des Schulmannes aus, ein Unding. Die stärksten Argumente, die gegen Wanderklassen in der Unter- oder Mittelstufe sprechen, wird der Jugendpsychologe und Erzieher vorzubringen haben. Läßt man aber die Oberstufe von Stunde zu Stunde ihren Klassenraum wechseln, dann führt jede Klassenarbeit den schönsten Stunden- und Raumplan ad absurdum, weil die schriftlichen Arbeiten in der Oberstufe immer mehr Zeit als nur eine Unterrichtsstunde verlangen. Außerdem faßt die Höhere Schule in ihrem Gebäude die 10-20jährige Jugend zusammen.
Diesem Altersunterschied, der sich natürlich auch in den Längenmaßen der Schüler ausdrückt, sind die Sitzgelegenheiten für die Schüler angepaßt. Läßt man die Oberstufe, also die 17-jährigen, "wandern, " so zwingt man ausgewachsene junge Mänp^r und flauen 9 und mehr Stunden in der Woche zu einer gesunhdeitsschädigenden Körperhaltung durch das Sitzen auf Bänken und vor Tischen, die in ihren Ausmaßen eben für 10-12jährige Kinder berechnet sind.
Nun brachten diese Jahre nach dem Kriege auch noch andere Schwierigkeiten mit sich, etwa den Lehrermangel, da die Lehrer in Gefangenschaft waren oder durch die Entnazifizie - rungsämter an der Wfderaufnahme ihrer unterrichtlichen Tä - tigkeit behindert wurden. Am 8.10.45 zogen mit dem kommissarischen Leiter noch 6 Lehrer in die Schule ein. 14 Klassen hätten aber mindestesn 21 Lehrkräfte, also das 3fache verlangt. Bis 1946 gelang es Althofen, sein Kollegium auf 15 zu verstärken. Was das damals für ihn an Kräfteeinsatz bedeutete, kann man sich heute kaum mehr vorstellen.
Man muß nämlich wissen, daß Althofen anfangs außer dem Hausmeister keinerlei Hilfe mehr hatte. In mühevoller Klein' abreit hat er zunächst die Anschriften aller ehemaligen Kollegen ermittelt und sie persönlich angeschrieben.
- Fortsetzung folgt -

