institut für Krankenpflege des Agnes-Karll-Verbandes bei der Stiftung "Hospital zum Heiligen Geist” am Krankenhaus Nordwest, Frankfurt/Main - Praunheim, Steinbacher Hohl 48. Zur Vorbereitung des "Tages der Krankenpflege" werden dort "Tage der offenen Tür" durchgeführt, zu denen alle Interessenten eingeladen sind. Vom 9, bis 11, 5, in der Zeit von 8. 30 bis 16. 30 Uhr kann das Institut mit seinem Wohnheim und Schultrakt besichtigt werden.
Filme werden gezeigt über die Tätigkeit der Krankenschwester. Evtl, ist auch Gelegenheit, in Unterrichtsstunden zu hospitieren. Jeder kann sich überzeugen, daß die Schülerinnen hier dank der reichlichen Lehrmittel und vielseitigen " Bibliothek, ebenso natürlich der gutea Lehrkräfte, eine solide Ausbildung erhalten.
Musische Fächer, Musik, Gymnastik, Werken, Schulreisen und Besichtiungsfahrten ergänzen den Unterricht und bieten Anregung. Die Schülermitverwaltung erzieht zu demokratischem Denken und Mitveranwortung für alles Schulgeschehen. Ziel der Schule ist, nicht nur .gute Fachkräfte, Krankenschwestern, zu erziehen, sondern den jungen Menschen eine Grundlage für das ganze Leben mitzugeben» die sie befähigt, den Wechselfällen des Lebens gewachsen zu werden.
GESCHICHTE DES STAATLICHEN
GYMNASI UMS 1930.-66 Dr. Karl Franzke
Fortsetzung von Nr. 18 :
Diese Kräfte fanden sich vereint in dem großen Gedanken an das eine Deutsche Reich, von dem, wie man wohl <ohne Übertreibung sagen kann, alle Deutschen, die Opposition im Reichstag eingeschlossen, erfüllt waren, nicht zuletzt die Jugend in den Höheren Schulen des Reiches und auch die Schüler des Kaiser-Wilhelms-Gymnasiums zu Montabaur.
Der Gedanke war so stark, daß er das Volk befähigte, die ; -t Katastrophe von 1918 zu überleben und den Wechsel der Regierungsform zu meistern. 1919 führte er das Deutsche Volk, "einig in seinen Stämmen", in einer neuen Staatsform,der Demokratie, zu neuem gemeinsamen Schaffen zusammen. Dieser Gedanke, der sich ebenso vor 1918 in lautstarken Hurrarufen, oft genug bei unpassender Gelegenheit, und in "patriotischen Gesängen" äußerte, wie er sich nach dem Kriege'in der Haltung der Freikorps und der Männer des Grenzschutzes zeigte, dieser Gedanke mag uns Menschen < / der Gegenwart von 1967 verdächtig und in seinen Auswüchsen als Nationalismus sogar verächtlich erscheinen, immerhin darf man gerechterweise bei seiner Bewertung nicht vergessen, daß es dieser Gedanke an das eine Deutsche Reich war, der das Deutsche Volk stark genug machte, auch die furchtbaren Nöte, Gefahren und Bedrohungen der Nachkriegsjahre zu bestehen. Zutiefst von diesem Gedanken erfüllt war auch R. Holtz, der Ostern 1916 nach Montabaur berufen wurde.
Mitten im Kriege, als das furchtbare, blutige Ringen um Verdun tobte, übernahm er als sechster Direktor und Nachfolger Dr. Joris die Leitung des Gymnasiums, Ein Monat nach seinem Amtsantritt liefen die deutsche Aufklärungsflotte und die deutsche Schlachtflotte aus den Kriegshäfen Kiel und Wilhelmshaven aus, der Seeschlacht vor dem Skagerrak entgegen. Zu der gleichen Zeit rollte die russische Dampfwalze gegen die vereinigten Armeen der Verbündeten und drohte, die dünnbesetzten Linien niederzustampfen. Von Juni bis November brüllten an der Somme ungezählte Geschütze ihr schauriges Lied, und im Herbst dieses Jahres erklärte Rumänien an Deutschland und Österreich den Krieg. Fürwahr eine stürmisch bewegte Zeit !
"Auf diesem finsteren Zeitengrund" zeichnet sich ein eigenartiger, borstiger Charakter ab: der des Direktors R.
Holtz. Seiner im Rahmen einer historischen Skizze mit einem Thema, wie es die vorliegende Arbeit behandelt, zu gedenken, ist nur recht und billig-; denn dieser Mann hat das
Kaiser-Wilhelms-Gymnasium immerhin 21 Jahre und 4 Monate geleitet. Jeder Direktor prägt in der Zeit seines Direk- toriats die Anstalt, der er als "Spiritus rector" vorsteht, nach innen wie nach außen. Diese Prägung^ ist verständlicherweise umso deutlicher, je länger an ihr zu wirken, ihm ein gnädiges Schicksal vergönnt. Wie ihn und seine Leistung für das Gymnasium und seine Arbeit an dem Gymnasium einmal spätere Geschlechter beurteilen werden, ob sein Wirken gut oder schlecht und nachteilig für die Schule war, das zu bestimmen liegt nicht in seiner Hand allein. Es hängt sogar meistens von vielen anderen Umständen ab, unter denen die allgemeinen Zeitverhältnisse keineswegs eine nebensächliche Rolle spielen. Die Jahre 1916 - 1937 waren in Deutschland ganz allgemein schon einer stetigen und ruhigen Entwicklung mindestens abträglich, in der Schule wirkte sich diese Zeit geradezu vernichtend aus, besonders, was das humanistische Gymnasium betraf. Und R. Holtz war nicht der Mann, diese vor ihm sich türmenden Widerstände etwa durch seinen persönlichen Charme zu überwinden. Ganz im Gegenteil hat er sich durch sein Wesen viele Feinde gemacht. Ganz zu Recht trifft auf ihn Schillers Wort zu „• " Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte" .
In der Zeit der Reichsgründung im Rheinland geboren und noch unter der Herrschaft des ersten Kaisers zum Manne gereift, ist R. Holtz in seinem Berufe nach dem Osten bis in die Provinz Posen gekommen. Dort, wo ihn auf Schritt und Tritt der Geist des großen Preußenkönigs begleitete oder ihm ständig begegnete, ist er mehr 1 und stärker, als er selbst zuzugeben bereit war, zu einem Preußen mit allen seinen guten und unangenehmen Eigenschaften geworden. Gehorsam und Unterordnung unter die ihm von "höchster Stelle" Vorgesetzte Behörde galt ihm als oberstes Gesetz, nach dem er gelebt und ' gehandelt hat. Was für den Unterricht die grammatischen Regeln waren, wie sie in dem geliebten "Osternaann" standen, das waren ihm für das Leben in der Öffentlichkeit die Ordnung und das Gesetz. Staat und Vaterland, für ihn und seine Generation noch eine selbstverständliche Einheit, waren das in sich festgefügte Haus, das seinem Leben und Wirken Schutz und Sicherheit gewährleistete.
1919 schien dieses Gebäude vollkommen in sich zusammenzustürzen. Den Lehrern, die wie R. Holtz in der Schule alten Stils groß geworden waren, schwebte eine Jugend , "eng um hegt durch eine bis ins kleinste ausgearbeitete Schul- und Hausordnung, sodaß sie kaum anders dtann als lernen" (Holtz) als Ideal vor. Bald nach dem 9.11. 1918 hatte sich in den ersten Dezembertagen in 'Berlin eine provisorische Regierung gebildet, die in Aufrufen und Erlassen gegen die alte Schulform heftig polemisierte. In einem solchen "Erlaß" rief das provisorische Ministerium den Schülern, besonder der Gymnasien, zu : " Wir hoffen, daß vieles, was unter einem veralteten und toten System der Unfreiheit in eurer Seele noch hungern, kranken und verkrüppeln mußte, in der neuen Welt der Freiheit gesunden und aufblühen wird.... "Möge die Luft der Schule gereinigt werden von dem Ungeist der toten Unterordnung, des Mißtrauens und der Lüge!"
Das waren massive Angriffe und Vorwürfe gegen die alte Schule und die Schulzucht ganz allgemein und besonders gegen das Gymnasium, die zunächst die Lehrer trafen, die sich durch solche übereilten und in ihren Folgen nicht durchdachten Erlasse vor den Kopf gestoßen fühlen mußten. Auf diesem Wege haben unbedacht handelnde und iredende Männer die junge Republik der Mitarbeit jener Männer beraubt, die an sich bereit gewesen wären, ihre Kräfte in den Dienst des jungen Staates zu stellen und bei dem Ausbau und der Festigung der Republik] mitzuwirken. Denn die vielen fleißigen, zum Diensteifer und zur Berufstreue geradezu erzogenen Lehrer bezogen solche allgemein gehaltenen und leichtfertig herausgerufenen Anklagen als Diffamierungen auf sich persön.- lieh, wurden in ihrer Ehre getroffen, fühlten sich vom neuen Staat verachtet und verstoßen, zogen sich verärgert und ver» grämt in sich selbst zurück und kein Mensch wird es ihnen verdenken können, wenn sie die ihnen anvertraute Jugend l nicht zu Freunden der neuen Staatsform erzogen.
- Fortsetzung folgt -
- 84

