Ausgabe 
28.4.1967
 
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unteren Atemwege etwa das Doppelte an Nikotin auf. Jede Zigarette führt dem Körper etwa 2,5 Milligramm, eine Zi­garre 10 Milligramm Nikotin zu. Mit 20 Zigaretten nimmt der Körper bis 50 Milligramm Nikotin auf, das aber rasch wie­der ausgeschieden oder zerstört wird (zu 10 °}o durch die Nie­re und zu 80 % durch die Leber),

Am Morgen stillt der Raucher seinen Nikotindurst durch ha­stige Züge, Anhaltende Nikotinaufnahme führt zu Verkalkung der Herzkranzgefäße und Arterienverkalkung, löst Herzin­farkt aus. Das heißt, wer das Rauchen nicht aufgibt, wird öfter vom Herzinfarkt befallen. Beim Gewohnheitsraucher heilen auch Gefäßverletzungen schlecht, Filter sind wenig wirksam. Sie absorbieren nur 25 % des Nikotins (lassen also j 3/4 des Nikotins durch). Die Rauchentwöhnung kann durch Lobelin erleichtert werden, ist aber in erster Linie ein j

Willensproblem, Gefährlich sind Lungenzüge, Im Zi- j garettenrauch sind etwa 6 °Jo Kohlenoxyd vorhanden. Dieses j wird zwar nicht im Rachen, wohl aber total in die Lunge 1 aufgenommen. Starke Raucher weisen einen Gehalt von 5 % s Kohlenoxyd im Blut auf. Man kann mit der Messung des Kohlenoxydgehaltes des Blutes die Stärke des Lungenzug- ; rauchens messen. Mit 10 °]o Kohlenoxydgehalt des Blutes :

tritt eine narkotische Betäubung des Kettenrauchers ein, die unter Umständen zum Herztod führen kann. Als Krebserzeuger wirken Teer und vielleicht auch Spuren von Arsen und Nickel, Ein Kettenraucher nimmt im Jahr etwa 3/4 Gramm Teer in ; seiner Lunge auf. Die Wirkung des Teers als krebserzeugendes oder auslösendes Mittel ist nicht nur bei Rauchern, sondern auch bei Gasarbeitern nachgewiesen worden. Die Sterblich­keit wird bei Rauchern in Form von Lungenkrebs, Rachen- krebs usw, um das zehn- bis fünfundzwanzigfache gegenüber Nichtrauchern gesteigert. Wenn bei den Indianern das Rau­chen der Friedenspfeife kultischen Zwecken diente, so bringt der Kettenraucher unserer Zeit - so schloß Dr, Borbely sei­nen Vortrag - ein Feueropfer ohne Inhalt dar; Am einen Ende (der Zigarette) ist das Feuer, am anderen das OPFER, d, h, der betrogene Raucher, (Gekürzte Wiedergabe),

Wie giftig aber die Wirkung des Nikotins ist, das durch Mund und Speiseröhre in den Magen gelangt, vermag am "besten folgende Zeitungsnotiz vom 17, März 1962 zu veranschau­lichen, die wir hier ungekürzt wiedergeben:

Kind verschluckte Zigarette: Tot sad, Stockholm, 17, März

In einem unbewachten Augenblick hat ein dreijähriges Mäd­chen aus Smedjebacken (Schweden) eine Zigarette genom­men und hinuntergeschluckt. Vier Tage lang kämpften die Ärzte vergeblich um das Leben der Kleinen - vergebens.

Das Mädchen starb an Vergütung, Schwedische Ärzte ermahn­ten alle Familien, Tabakwaren vor Kindern zu verschließen, Wei tere Aufklärungsblätter:

1, Wissenswertes über die "bekömmliche Zigarette"

2, Herztätigkeit und Zigarettenrauchen

3, Die "NIKOTIN - BABYS", |

Obwohl wir bereits im vergangenen JaW ei­nen Bericht über das Gymnasium der Stadt Montabaur veröffentlicht haben, soll ein nochmaliger Abdruck über den Werdegang dieser Schulanstalt im Amtsblatt erfolgen.

Dies ist deshalb erforderlich, weil der 1, Be­richt mit dem Jahre 1930 abschloß und die letzten Jahrzehnte deshalb nicht aufgezeich­net wurden,

GESCHICHTE DES STAATLICHEN GYMNASIUMS MONTABAUR 1930 - 1966

Dr, Karl Franzke,

Die an gleicher Stelle vor einigen Wochen veröffentlichte "Geschichte des Kaiser Wilhelms-Gymnasiums" stammt aus der Feder des nun schon lange verstorbenen R Holtz, Holtz J

hat in diesem Aufsatz das Werden der Schule von ihrer Grün­dung als Städtisches Progymnasium im Jahre 1868 bis 1930 dargestellt, Die Aufgabe der folgenden Zeilen ist es, die Arbeit des Direktors Holtz, dem Ablauf der Geschichte fol­gend, bis in die Gegenwart weiterzuführen. Das ist ein Auf­trag, der wegen des kurzen zeitlichen Abstandes zu den zu berichtenden Ereignissen mancherlei Schwierigkeiten bietet; denn der Aufsatz soll Geschichte darstellen und muß also von Vergangenem berichten, das viele der Leser miterlebt haben und in ihrer Erinnerung noch sehr lebendig bewahren. Das Erleben und Durchleben der Ereignisse einer Gegenwart ist aber noch nicht Geschichte, auch wenn der rückschauende Betrachter an der Gestaltung dieses Geschehens selbst aktiv beteiligt war. Das liegt daran, wie sich uns Geschichte mit­teilt.

Zwar ist die Sprache der Geschichte klar und für jedermann verständlich, aber eindeutig ist sie eben besonders dann nicht, wenn die Ereignisse, von denen sie berichtet, noch nicht lange zurückliegen. Alle Ereignisse und Vorgänge, selbst unser eigenes Handeln, das im Durchforschen der Ver­gangenheit wie ein Film auf einem Bildschirm vor unseren Äugen abläuft, erscheinen uns anders, wie wir sie in der Erinnerung haben. Die Bilder unterscheiden sich voneinan­der wie zwei Farbaufnahmen von einer und derselben Land­schaft, die zu verschiedenen Zeiten, also bei unterschied­licher Beleuchtung, entstanden sind. Es schien mir wichtig, gerade diesem Aufsatz solche allgemeine Betrachtungen voranzustellen.

Seltsam ist es, wie stark doch unser Gymnasium mit dem großen Zeitgeschehen verknüpft erscheint, 1866 gründete Bismarck den Norddeutschen Bund unter Preußens Führung mit seinen Bundesgenossen, und Montabaur wurde preußisch. Als sich im Jahre 1868 nord- und süddeutsche Abgeordnete im "Zollparlament" vereinigten und so die erste Stufe zur Gründung eines neuen Deutschen Reiches erklommen, wurde die alte, seit 1840 bestehende Realschule in Montabaur zu einem Progymnasium umgewandelt, das 8 Monate nach der Reichsgründung der erste Kaiser dieses Reiches zum Vollgym­nasium erhob, obgleich damals der Schule noch die Prima fehlte; Wilhelm I, gab der Anstalt - m, W, als einziger Schu­le im ganzen Reichsgebiet - persönlich den Namen, den sie bis 1952 getragen hat und unter dem sie auch heute noch im Bewußtsein der Bevölkerung lebtj"Kaiser-Wilhelms- Gym­nasium",

Das Patronat des Gymnasiums übernahm die Stadt Montabaur. Nun waren ja die Jahre 1871 - 1914 für das Reich allgemein eine Zeit des Friedens und einer geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Aufwärtsbewegung, wie man sie vorher nicht einmal zu erträumen gewagt hätte. In diesem halben Jahr­hundert kündete sich eine mit der Zeit immer deutlicher her­vortretende Umstrukturierung der Gesellschaft auf allen Ge­bieten an, die auch auf die Entwicklung der Schule nicht ohne Einfluß bleiben konnte, Zunächst aber ermöglichte der wirtschaftliche Aufschwung, an dem auch Montabaur teil­nahm, einer so kleinen Stadt, ein Gymnasium aufzubauen und zu unterhalten, wobei ihr die Regierung lange Zeit, mindestens bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges, ver­ständnisvoll und tatkräftig zur Seite stand. Doch auch die Bürgerschaft, die ohne Murren manches Opfer für "ihr Gym­nasium" brachte 8 und nicht zu vergessen die Schüler durch ihren oft gerühmten Fleiß und ihre ebenso oft erwähnte schöne "patriotische Gesinntheit" haben zum gedeihlichen Fortbe­stand der Schule ihren guten Teil beigetragen, Holtz hat ein­mal acht Kräfte aufgezählt, die an der Entwicklung der Schu­le mit ihrem Einfluß mitgewirkt haben; Die Direktoren, die Lehrer, die Schüler, die Kirche (vertreten durch das Bischöf­liche Konvikt), die Bürger, die Stadt, das Provinzialschul- kollegium und die Regierung,

Fortsetzung folgt! ! !

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