ZITHERKLANGE UN ü CHANSONS
OFFENBACHER KÜNSTLER AUF NEUER WELLE
Der bekannte Offenbacher Komponist und Arrangeur Hubert Wolf, der mit seinem modernen Zithersound in Europa und Übersee ansprechende Kombinationen zwischen Volksmusik und neuzeitlichen Songs fand, der auch mit seinem Ensemble schon in Amerika Musik aus dem Böhmerwald interpretierte und genauso auf dem Parkett aktueller Songs und guter Unterhaltungsmusik heimisch ist, hat eine neue, interessante Partnerin gefunden: Mariett Sora, Interpretin anspruchsvoller Chansons.
Der Offenbacher Komponist und Zithervirtuose Hubert Wolf "zithert" mit der Chansonsängerin Mariett Sora,
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Der Chef des Wolf-Sextetts, weitbester Zithervirtuose, zithert neuerdings nicht um, sondern für Mariett Sora, mit der er gerade ein erstes gemeinsames "Schallplattenkind" auf den Markt brachte: eine Produktion auf Record-Ton, R 532, im Vertrieb der Austrophon-Austroton erschienen mit den Chansons "Wenn du gehst, mon ami" und "Ohne dich".
Wie es zu dieser neuen Kilnstlerkombination kam ?
Wie meist, auf recht ungewöhnliche Weise; In einem bekannten Kurort sollte Mariett Sora einen Chanson-Abend geben.
Bei den Proben gab s dann große KaImitaten, denn die Musiker, die man zu ihrer Begleitung engagiert hatte, konnten keine Noten lesen! Das soll heutzutage öfters schon mal Vorkommen, kann aber unter Umständen - wie hier - sehr peinlich werden, wenn es sich um anspruchsvolle Unterhaltung und um Chansons mit Niveau handelt.
Zufällig war der Offenbacher Hubert Wolf am gleichen Tag mit seinem Sextett in der gleichen Kurstadt, hörte von der fatalen Lage der Sängerin und sagte spontan Hilfe zu. Aber:
An Stelle eines von Mariett Sora erwarteten Pianisten erschien Hubert Wolf mit seiner Zither, einem, für Mariett bisher ungewohnten Begleitinstrument. So wußte die Sängerin nicht so recht, ob sie lachen oder weinen sollte! Sie entschied sich für gute Miene und fürs Probieren, das ja auch in der Chansonbranche oft übers Studieren geht.
Die Veranstalter allerdings meinten:
"Chansons mit Zitherbegleitung? Nicht auszudenken!"
Aber die Praxis übertönte jegliche Theorie; Der Abend wurde zu einem Riesenerfolg, so daß sich Mariett Sora sofort entschied, auch in Zukunft mit dem Zitherviriuosen aus Offenbach zusammenzuarbeiten. Denn ein neuer Sound war gefunden: Die dunkle, warme Stimme der Sora mit ihrem Timbre, das nach Ansicht mancher Chanson-Experten "unter die Haut" geht, war in Kombination mit Hubert Wolfs Zitherklängen eine Neuheit, die auch für den deutschen Schallplattenmarkt interessant und aufsehenerregend werden sollte.
"ANOUSCHKA" HAT GEWONNEN
Entscheidung für den "Grand Prix de la Chanson"
Die Auswahl eines deutschen Beitrages zum "Grand Prix Eurovision de la Chanson" wird immer schwieriger. Mit 145 Einsendungen mußte sich im Hörstudio IV des Hessischen Rundfunks eine siebenköpfige Jury , -bestehend aus drei Presse-Vertretern und vier "Fachleuten” von Fernsehen und Funk unter dem Vorsitz von Fernseh-Programmdirektor Hans-Otto Grünefeldt -befassen, um schließlich jenen Schlager zu finden, der die Bundesrepublik am 4. April in Wien beim Wettstreit der Komponisten, Texter und Interpreten vertreten soll.
Auf den dritten Platz kam nur mit einer Stimme Differenz das Lied "Das Glück dieser Welt". Und hier erlebte die Jury eine Überraschung. Denn als Komponist entpuppte sich der Offenbacher Musiker Hubert Wolf und als Texter der Oberurseler Heinz Tüst.
Mit dem richtigen Gespür für einen zündenden Schlager-Text haperts ein bißchen. Und auch unter den vielen Melodien
war keine dabei, die das Herz spontan höher hüpfen ließ, die "Anouschka” und ihre beiden "Nachfolger" ausgenommen.
Sei's drum; Das kleine Mädchen, das auf den Frühling hofft, wenn die Blumen wieder blühn und der Liebste zurückkommt, wird in Wien für die Bundesrepublik starten.

