Ausgabe 
3.2.1967
 
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hängt. Merkwürdigerweise sind aber immer nur sehr wenige Kästen - in der Regel stets dieselben - von Brutvögeln be­wohnt. Wir sind bisher noch nicht dahintergekommen, wa­rum in diesem doch scheinbar idealen Gelände so wenig Höh­lenbrüter sich in den Kästen einfinden. Als Ausgleich fin­den wir aber stattdessen viele Nester der buschbrütenden Vögel in den zahlreichen Büschen, Hecken und anderen Kirchhofspflanzen. Zaunkönig, Heckenbraunelle, Bluthänf­ling, Dompfaff, Grünfink, Buchfink, Rotschwanz und manch andere Art brüten hier ungestört oft gleich neben den viel­begangenen Wegen. Seit Frühjahr 1963 hat uns auch das Brüderkrankenhaus seine ausgedehnten Obstanlagen zum Auf­hängen von Nistkästen zur Verfügung gestellt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt im sog. Roßbergerwäldchen im Himmelfeld und im Stadtwald. An letzterer Stelle führt die Vogelschutzwarte Frankfurt schon seit Jahren einen Ver­such durch, um festzustellen, ob es mit Hilfe der Vögel möglich ist, einen kleinen Schädling an der Lärche wirk­sam zu bekämpfen. Die Stadt Montabaur als namhafter Wald­besitzer verfolgt mit regem Interesse diesen Versuch. Eine abschliessende Wertung kann allerdings noch nicht gegeben werden.

In lezter Zeit hat die Vogelschutz gruppe intensiv dafür ge­worben, daß in Neubauten sog. Niststeine eingebaut werden und als Anreiz einigen Mitgliedern, die ein Haus bauen, solche Niststeine zur Verfügung gestellt. Mit Hilfe dieser Niststeine, die im Innern hohl sind und nach außen ein Flug­loch aufweisen, kann man sich die höhlenbrütenden Vögel gleichsam ins "Haus holen" und nun aus dem Fenster heraus das Leben und Treiben unserer gefiederten kleinen Geschöpfe unmittelbar beobachten.

Jedoch mit dem Aufhängen der Nistkästen allein darf es nicht sein Bewenden haben. Mehrfach im Jahr werden die Kästen kontrolliert und im Herbst unter allen Umständen ge­reinigt. Diese fundamentale Forderung muß erhoben werden, weil sonst in kurzer Zeit die Kästen hoffnungslos verstopft und damit für den Vogel unbrauchbar sind. Der Vogel be­zieht nämlich das alte Nest nicht wieder, sondern muß aus innerem Antrieb vor jeder Brut stets ein neues Nest bauen.

Über das Ergebnis der mehrfachen Kontrollen führen wir ge­nau Buch.

Leider spielt sich auch manche Tragödie vor unseren Augen ab. Besonders in den letzten naßkalten Sommern fanden wir manche Brut tot in den Kästen. Ein anderes Mal hatte irgend ein Tier das Nest gewaltsam herausgezerrt und den freßbaren Inhalt verspeist. Gegen solche Naturvorkommnisse sind wir machtlos. Aber auch mancherlei Lustiges begegnet einem, wenn man die Kästen kontrolliert. Aus einem dicken Laub­nest dringt ein feines Piepen und plötzlich rutscht eine Hasel­maus heraus, springt über Schulter und Arm, manchmal so­gar auf den Kopf dessen, der den Kasten öffnet und verschwin­det am Boden. Wir haben das Nest der Haselmaus mit 5 Jun­gen gefunden! Vorsichtig wird der Kasten wieder geschlossen und still vergnügt ziehen wir weiter.

Die Nistkästen dienen unseren Höhlenbrütern nicht nur zur Brut, sondern vor allem auch im Winter als Unterschlupf vor den Witterungsunbilden und als geschützter Schlafplatz. Außerdem müssen wir zu dieser Zeit um die Fütterung unse­rer überwinternden Vögel bemüht sein. Hierzu sind zeitge.- recht vorher allerlei Vorbereitungen erforderlich, die vom Ankauf des Futters über die Verteilung bis zum Selbstbau der Fütterungen reichen. In den vergangenen Wintern haben wir jedesmal für etwa 600, -- DM Vogelfutter gekauft. An mehreren Stellen, vorzugsweise in den 'Vogelschutzschwer­punkten stehen größere Futterhäuser, in denen sowohl Kör­nerfutter für die Meisen und Körnerfresser als auch Weich- futter (Haferflocken, Rosinen und ähnliches) für die Weich­fresser ausgelegt wird.

Daneben erbitten wir uns von den Metzgern der Stadt Schwei- nenäbel und hängen sie auf, weil insbesondere Meisen gerne das Fett aufpicken.

Als weitere praktische Vogelschutzarbeit haben wir an einer

der Öffentlichkeit gut zugänglichen Stelle (Eingang zutti Po­lizeiamt) eine kleine Musterausstellung dauernd aufgebaut, in der jene Maßnahmen zu ersehen sind, mit denen man den freibrütenden Vögeln künstliche Nesthilfe gewähren kartn.

Hier sind Nisthaufen, Nistbüschel und Nisttaschen zu sehen, die jeder interessierte Gartenbesitzer in seinem Garten oder sonstwo selbst hersteilen kann. Ein halbierter alter Autoreifen dient als Vogeltränke. Auch ein eingebauter Niststein ist zu sehen. In nächster Zeit soll auf dem Schloßhof eine Buntbild­tafel der im Schloßberg vorkommenden Vogelarten aufge­stellt werden.

Unter dem Dachvorsprung des ehern. Amtshausea auf dem al­ten Juxplatz haben wir mit Unterstützung der freiwilligen Feuerwehr Kunstnester für die immer seltener werdenden Mehl- schwalben angebracht. Jeder der dort auf seinen Omnibus wartet, kann zur Sommerszeit das lustige, flinke Treiben der Schwalben hoch über seinem Kopf beobachten.

Parallel zur praktischen Vogelschutzarbeit läuft die als Auf­gabe des Bundes für Vogelschutz herausgestellte Belehrung über das Leben der Vögel. Hierzu finden Wanderungen und Vorträge statt, bei denen Vogelstimmen belauscht und er­kannt werden, Vögel beobachtet und bestimmt werden, Ne­ster vorgezeigt werden und allerlei Interessantes aus Wald,

Feld und Flur zur Sprache kommt. Sei es die Spur eines Hä­sens oder die Fährte eines Rehes, seien es Fragender Forst­wirtschaft oder die Erkennungsmerkmale der verschiedenen Waldbäume und Sträucher im belaubten oder unbelaubten Zustand. Kurzum, auf diesen Wanderungen fällt für jeden etwas ab.

Aber auch Fahrten zu der nicht weit entfernten Westerwälder- Seenplatte erfreuen sich großer Beliebtheit, weil es hier manche Sumpf- und Wasservögel zu sehen gibt, die in der Stadt nicht beobachtet werden können. Hin und wieder zeigt sich sogar ein Fischadler mit seiner leuchtend weißen Brust, dem dunkelbraunen Kropfband und der Federholle auf dem Hinterkopf. Die Vorträge, die insbesondere im Winterhalb­jahr stattfinden und zu denen uns die Stadtverwaltung stets großzügig Gastrecht in ihren Räumen gewährt, führen ein in die allgemeineVogelkunde oder behandeln irgend ein Spe­zialgebiet , oftmals unterstützt durch Lichtbilder, die viel­fach aus der "eigenen Produktion" stammen. Denn alle Ar­beiten halten wir im Bilde, teils sogar im Film - fest, um sie dam einem größeren Kreis zugänglich zu machen.

Schließlich und letzten Endes stellen wir uns in den Dienst der Erforschung des Vorkommens und der Verbreitung der Vo­gelarten. Mit Erlaubnis der Höheren Naturschutzbehörde fan­gen wir zu wissenschaftlichen Zwecken Vögel, beringen sie mit Vogelringen der Vogelwarte Radolfzell - vormals Rosit- ten - und lassen sie wieder fliegen. Kaum eine Brut junger Meisen oder anderer Höhlenbrüter verlassen unsere Nistkästen, ohne daß ihnen die kleinen nur wenige Zehntelgramm wiegen­den Ringe angelegt sind, die sie dann in die Welt hinaus tra­gen. In den letzten 4 Jahren haben etwa 3.QD0 Vögel ich Raum v. Montabaur Ringe erhalten. Wir hoffen, daß wir irgend wann einmal wieder etwas erfahren von dem Vogel, den wir in Händen hielten und dessen schnellen, ängstlichen Herz­schlag wir durch sein Federkleid verspürten. Erste Erfolge stel­len sich ein; eine im Schloßberg beringte Kohlmeise wurde in der Nähe von Namure in Belgien wiedergefunden.

Dieser Tätigkeitsbericht der Vogelschutzgruppe in Montabaur wäre unvollständig, wenn nicht die große Resonanz erwähnt würde, die der Vogelschutzgedanke bei der Stadtverwaltung, dem Landratsamt und bei den anderen Behörden sowie in breiten Schichten der Bewohner der Stadt und ihrer Umgebung findet. Abschliessend bitten wir herzlich um weitere aktive Mitarbeiter, "denn viele Hände bereiten der Arbeit schnell ein Ende"! Montabaur, im Januar 1967 Volkening

Oberforstmeister

Volksbank

zu Montabaur eGmbH

Wie wir von der Volksbank Montabaur erfahren, haben die

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