sium". Damit war der Weiterbestand der Anstalt gesichert, ihre Entwicklung verlief in den Bahnen der preußischen Gym nasien überhaupt. Als neue Lehrr kamen bald hinzu: Dr. Ilt- gen, Dr. Wahle, Franken, Dr. Wirsel. Viele der ersten Lehrer wurden später anderswo Direktorn. Die Oberprima wurde 1872 errichtet, die erste Reifeprüfung war Ostern 1873 mit sechs Abiturienten. Die Schülerzahl wuchs erfreulich. Bei Eröffnung zählte das Progymnasium 95 Gymnasiasten und 28 Realisten, das Vollgymnasium zählte im Jahre 1872/73 schon 227 Schüler. Bald mußten die Tertien und Sekunden in Unter - und Obertertia, die Unter-und Obersekunde geteilt werden.
(Fortsetzung folgt)
SEPTEMBER IM RÜCKBLICK
Seit dem 9. September ist Montabaur wieder Garnisonstadt.
An diesem Tage wurde die etwa 1000 Soldaten beherbergende "Westerwald-Kaserne" offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Das größte Kontingent stellt das Raketenartillerie-Bataillon 350.
Der zweite Nachtragshaushalt der Stadt Montabaur weist um 157000 DM höhere Steuereinnahmen als erwartet auf. daneben werden wegen der ungünstigen Lage des Kapitalm arktes DM 269 500 Darlehen weniger aufgenommen.
Der geplanten Omnibuslinie zum Koppel stimmte der Stadtrat auf die Dauer von Jahren unter der Bedingung zu, daß dem Jagdpächter darauf kein Schaden erwächst.
Die schmale Bogenbrücke über die Elgendorfer Straße wird abgerissen und druch eine Kreuzung auf einer Ebene ersetzt. Der Baubeginn liegt noch nicht fest.
Der endgültige Baubeginn für die Umgehungsstraße Montabaur liegt noch nicht fest. Doch soll noch in diesem Jahr mit dem Bau der Brücke für die Landstraße nach Holler begonnen werden.
Bürgermeister Mangels hat an die Bevölkerung die Quiz-Frage gerichtet, wie hoch der Turm des Rathauses sei.
Der Stadtrat verabschiedete den Hauungs- und Kulturplan. Der Wald wird voraussichtlich einen Gewinn von 43 000 DM abwerf en.
Der Stadtrat verabschiedete auch die "Hauptsatzung der Stadt Montabaur". Sie regelt u..a. die Wahl des Bürgermeisters, die Tätigkeit der Beigeordneten und die Konstituierung der Ausschüsse.
Das Kriegerdenkmal für die gefallenen und vermißten Söhne der Stadt Montabaur aus dem 1. Weltkrieg soll in seiner bisherigen Form erhalten bleiben.
An der Einfahrt zur Jahnstraße soll ein Telefonhäuschen aufgestellt werden.
Die Landesstraße 313 zwischen Montabaur und Wirges ist wieder für den Verkehr freigegeben worden.
Am Staatlichen Gymnasium in Montabaur fehlen bei rund 830 Schülern sieben Lehrkräfte. Wöchentlich müssen 120 Unterrichtsstunden ausfallen.
Im bisherigen Gebäude des Aufbaugymnasiums werden Dienststellen der Bezirksregierung Montabaur untergebracht werden. Der Montabaurer Mörder des Volksschülers Horst Schnee hat nunmehr auch gestanden, vor 10 Jahren die 14 jährige Hausge- hilfing Liesel Kronier bei Ransbach ermordet zu haben.
Der Besuch der Aufführungen der Landesbühne Rheinland-Pfalz hat in Montabaur in der vergangenen Zeit so stark nachgelassen, daß die Stadt erwägt, ihre finanziellen Zuwendungen einzustellen. Als erste Aufführung in der neuen Spielzeit verbuchte jedoch "Mutter Courage und ihre Kinder" ein volles Haus.
Der Zirkus Holzmüller gastierte am Monatsanfang in Montabaur.
Die Scheune eines Aussiedlerhofes an der Staudter Straße fiel einem Brand zum Opfer. Der Sachschaden betrug 40 000 DM. Beim ^diesjährigen Schützenfest wurde Horst Freitag zum Schützenkönig proklamiert.
VOR 100 JAHREN
MONTABAUR WIRD PREUSSISCH Am 8. Oktober 1866 wurde folgende "Allerhöchste Proclama-
tion bekanntgegeben:
PATENT
wegen Besitznahme des vormaligen Herzogthums Nassau.
WIR WILHELM, von Gottes Gnaden König von Preußen usw. thun gegen Jedermann hiermit kund:
Nachdem in Folge eines von Nassau im Bunde mit Öestreich, und in Verletzung des damals geltenden Bundesrechts begonnenen, von Uns in gerechter Abwehr siegreich geführten Krieges, die zum Herzogthum Nassau früher vereinigten Lande von Uns eingenommen sind, so haben Wir beschlossen, dieselben mit Unserer Monarchie zu vereinigen und zu diesem Behufe mit Zustimmung beider Häuser des Landtages das Gesetz vom 20. September d. Js erlassen und verkündigt.
Demzufolge nehmen Wir durch gegenwärtiges Patent mit allen Rechten der Landeshoheit und Oberherrlichkeit in Besitz und einverleiben Unserer Monarchie mit sämtlichen Zubehörden und Ansprüchen die Länder, welche das vormalige Herzogthum Nassau gebildet haben. Wir werden Unserem Königlichen Titel die entsprechenden Titel hinzufügen.
Wir befehlen, die Preußischen Adler an den Grenzen zur Bezeichnung Unserer Landesherrlichkeit aufzurichten, statt der bisher angehefteten Wappen Unser Königliches Wappen anzuschlagen und die öffentlichen Siegel mit dem Preußischen Adler zu versehen.
Wir gebieten allen Einwohnern des nunmehr mit Unserer Monarchie vereinigten ehemaligen Herzogthums Nassau, fortan Uns als ihren rechtmäßigen König und Landesherrn zu erkennen und Unseren Gesetzen, Verordnungen und Befehlen mit pflichtmäßigem Gehorsam nachzuleben. Wer werden Jedermann im Besitze und Genüsse seiner wohlerworbenen Privatrechte schützen und die Beamten, welche für uns in Eid und Pflicht zu nehmen sind, bei vorausgesetzter treuer \ferwaltung im Genüsse ihrer Diensteinkünfte belassen. Die gesetzgebende Gewalt werden Wir bis zur. Einführung der Preußischen Verfassung allein ausüben»
Wir wollen die Gesetze und Einrichtungen der bisherigen Nas- sauischen Lande erhalten, soweit sie den Ausdrück berechtigter Eigenthümlichkeiten sind und in Kraft bleiben können, ohne den durch die Einheit des Staats und seiner Interessen bedingten Anforderungen Eintrag zu thun.
Unser bisheriger Civil-Gouverneur ist von Uns angewiesen, hiernach die Besitznahme auszuführen.
Hiernach geschieht Unser Wille.
Gegeben Schloß Babelsberg, den 3. Oktober 1866
WILHELM
MOTABAUR IN ZAHLEN
Nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten nach dem Stande von 1961 gelten heute unsere statistischen Betrachtungen.
Montabaur zählte 439 Arbeitsstätten, darunter 119 handwerkliche Betriebe. Es wurden 3.454 Personen beschäftigt, darunter 1.168 Frauen und Mädchen sowie 662 im Handwerk. Auf 100 Personen der Bevölkerung kamen in diesen nichtlandwirtschaftlichen Betrieben 56 Beschäftigte, davon im produzierenden Gewerbe 14.
106 Arbeitsstätten der produzierenden Gewerbe hatten 841 Beschäftigte, darunter war das Baugewerbe mit 20 Betrieben und 197 Beschäftigten. Im Handel zählte man 145 Arbeitsstätten mit 587 Beschäftigten. Im Bereich des Verkehrs und der Dienstleistungen, soweit sie von Unternehmen und Freien Berufen erbracht wurden , gab es 126 Arbeitsstätten mit 765 Beschäftigten.
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN 1916
Montabaur, den 4. Oktober 1916 An die Einwohner und Gemeinden des Unterwesterwaldkreises wendet sich der Vaterl, Frauenverein mit der herzlichen Bitte, auch in diesem Jahre wieder von dem jetzt zu erntenden Obst wie Z wetschen, Birnen und Äpfel, alle nur verfügbaren Mengen freiwillig zu spenden zum Zwecke des Einkochens zu Marmeladen für die Verwundeten in den Lazaretten. Wie im vorigen Jahre so soll auch diesmal wieder eine Einkochstelle im Schloß zu Montabaur eingerichtet werden; auch diesmal wer-

