Ausgabe 
5.8.1966
 
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desgerichtshofs heute nicht so sehr in der Bequemlichkeit zu sehen, sondern vor allem in Zeitgewinn und rascher Beweg­lichkeit. (BGH - ZR VI 271/66).

Fahrlehrer

Wegen der großen Verantwortung im Straßenverkehr darf die Fahrlehrer-Erlaubnis nur an Personen erteilt werden, an deren fachlicher Eignung kein Zweifel besteht. Dies entschied der Hessische Verwaltungsgerichtshof im Prozeß eines Regierungs­rates, der seine Frau selbst als Kraftfahrerin ausbilden wollte. Weil er bei der zur Fahrlehrer-Erlaubnis erforderlichen Zu­satzprüfung mehrere Fragen über die Vorfahrtsregelung falsch beantwortete, wurde ihm die Genehmigung versagt. An seiner fachlichen Eignung als Fahrlehrer bestünden zumindest Zwei­fel, argumentierten die Verwaltungsrichter.

(VGH Hessen - OS II 96/65).

JULI IM RÜCKBLICK

Die neue Berufs- und Berufsfachschule mit hauswirtschaft­licher Abteilung wurde eingeweiht. Sie war bereits am Schuljahresanfang von den Schülern bezogen worden.

Die Vorsitzenden der örtlichen Schulelternbeiräte wählten in Montabaur den Elternbeiratsvorsitzenden der Schiller - Schule in Grenzhausen zum Vertreter des Unterwesterwald­kreises in der Bezirksversammlung. Der Umbau des Rathauses schreitet voran. Zur Zeit werden Schäden an der Fassade beseitigt. Die Türmchen mit Zinnenaufsatz werden abge­tragen.

Der Unterwesterwaldkreis hat ein Kreisvolksbildungswerk ge­gründet , Vorsitzender wurde Landrat Klinkhammer.

Die Baulandumlegung auf der Alberthöhe wird noch etwas auf sich warten lassen 400 Grundstückseigentümer sind davon betroffen.

Für das Himmelfeld soll ein Bebauungsplan aufgestellt wer­den. Hier werden später über 2500 Menschen Wohnraum fin­den.

Das Land hat 17.450-DM für die Altstadtsanierung bewilligt. Für das Friedhofs- und Bestattungswesen wurde eine neue Gebührensatzung erlassen.

Der Köppelturm soll zukünftig an Sonn- und Feiertagen mit einem Omnibus erreicht werden können.

Die Umgehungsstraße Montabaur wird erst im Frühjahr be­gonnen werden. Der Verkehr durch die Ortsdurchfahrt Monta­baur wird immer stärker. Dies ergab eine Verkehrszählung am 21. Juli. .Danach passierten den Trichter am Kleinen Markt 22 715 Fahrzeuge (6996). (In Klammern die Ver­gleichszahlen von 1955). Im einzeln: 659 (1219) Fahrräder, 656 (-) Mopeds, 262 (1295) Motorräder, 17597 (3057) Per­sonenwagen, 217 (235) Omnibusse, 2802 (543) LKW ohne Anhänger, 476 (481) LKW mit Anhänger, 19 (34) Zugma­schinen ohne Anhänger, 4 (34) Zugmaschinen mit Anhänger,

8 (67) sonstige Fahrzeuge, 5 (31), bespannte Fahrzeuge.

Josef Wey and, Kreishandwerksmeister des Unterwesterwaldes aus Montabaur, erhielt anläßlich seines 75. Geburtstages das Bundesverdienstkreuz am Bande, des Verdienstordens der Bundesrepublik,

Etwa 800 Soldaten haben bereits ihre Unterkünfte in der neuen Montabaurer Kaserne bezogen. Voraussichtlich am 9. September wird Montabaur auch offiziell Garnison - Stadt.

Montabaur und der "Deutsche Bruderkrieg" 1866

3. Teil

Während die nassauischen Truppen auf Seiten der Bayern jen­seits des Mains gegen die stetig vorrückenden preußischen Truppen kämpften, blieb die Heimat ohne militärischen Schutz. Besonders Montabaur, das so nahe am preußischen Koblenz lag, hatte darunter zu leiden. Am 14. Juli wird Montabaur wiederum besetzt. Am Tage darauf verläßt Herzog Adolf seine Residenz in Wiesbaden und am 18. wird die Stadt von preußischen Truppen besetzt. Preußen er­nennt für Nassau einen Zivilkommissar, den bisherigen Land­rat des Kreises Wetzlar, G. von Diest. In Montabaur kommt

sein erster Erlaß vom 31. Juli zum Aushang:

'Es ist mir nunmehr im Allerhöchsten Aufträge ausschließlich die Verwaltung der nassauischen Lande unter der Autorität des Herrn Oberbefehlshaber der Mainarmee, Generallieutenant Freiherrn von Manteuffel, anvertraut worden. Ich trete diese Verwaltung mit dem heutigen Tage an und werde dieselbe nach den bestehenden Landesgesetzen, so weit die Kriegsführung und die Sicherheit der Königlichen Truppen nicht einen Aus­nahmezustand bedingen, führen.

Denn die Occupation des Landes Nassau ist nicht gegen die Be­völkerung, sondern gegen die bisherige Regierung gerichtet. Unnachsichtige Strenge wird gegen den geübt, der sich preußenfeindlicher und darum landesfeindlicher Agitationen schuldig macht.

Ich werde die Interessen des Landes, welche ja mit den preußisch^ Interessen überall zusammenfallen, gewissenhaft wahrnehmen, die Lasten des Kriegszustandes, welche zunächst einzelnen Privatpersonen und Gemeinden auferlegt werden müßten, unter Heranziehung der landesherrlichen Einkünfte thunlichst zu mil­dern und auszugleichen und die Wohlfahrt des Landes, so weit meine Kraft reicht, zu fördern .suchen.

ln diesem Bestreben rechne ich auf das bereitwillige Entgegen­kommen aller Bewohner, welche unter dem Vorantritt der ge­setzlichen Vertreter des Landes durch ihr seitheriges Verhalten keinen Zweifel darüber gelassen haben, daß sie nicht Theil haben wollen an dem verderblichen Beginnen der Regierung, welche die in Waffen stehenden Söhne dieses Landes den Fein­den Preußens und Deutschlands zugeführt hat.

Bei gegenseitigem Vertrauen wird es unserem vereintem Streben, ich zweifle nicht daran,' gelingen, bessere Zustände und hellere . Tage für dieses schöne Land herbeizuführen.

Wiesbaden, den 31. Juli 1866

Der Königliche Landrath und Civil-Commissar für das Herzog­thum Nassau, von D'iestt.

Damit war für Montabaur die nassauische Zeit zu Ende, die am 23. Februar 1803 begonnen hatte. ^

Entwicklung des Volksschulwesens

Fortsetzung aus Nr. 31!

Es ist Ihr bleibendes Verdienst, Herr Bürgermeister Kraulich, daß Sie für die Schule ein warmes Herz und darum für deren Nöte volles Verständnis hatten. So haben Sie die Anregungen und Anträge des Lehrerkollegiums und des Elternbeirates, wie auch des Schulvorstandes aufmerksam und hilfsbereit ' ent­gegengenommen.

Für Sie und die städtischen Körperschaften ist höchst ehrend, für die Eltern- und Lehrerschaft außerordentlich erfreulich, daß der Beschluß zur Errichtung des Erweiterungsbaues alsbald gefaßt und die Ausführung in flottem Zuge durchgeführt wor­den ist.

Ein stolzes Gebäude ist erbaut, der Joseph Kehrein Schule die Bekrönung gegeben worden. Man muß den Erweiterungsbau von der Höhe des Stationsberges - nahe der 4. Station - geschaut haben, wie er zwischen der Pfarrkirche und dem Schloß in das romantische Stadtbild hineingeschmiegt ist, um' die ganz besondere Schönheit seiner Lage und den Reiz seiner vollen­deten Formgestaltung voll würdigen und genießen zu können.

Und man muß auf dem Schulhof besinnlich vor seiner Südseite gestanden haben, die mit den vielen hohen Fenstern wie eine gläserne Wand wirkt, um beglückt zu empfinden, wie dieser Schulbau zu einem Haus in der Sonne geworden ist. Und wer durch die Fensterwand hinauslugt auf das reizvoll gebuckelte Himmelfeld, in unsere anmutige Marau und die sie umgren­zenden dunklen Waldungen, dem werden die Augen staunend groß und der fühlt sich im Gemüt tief angerührt. In den Herzen der Kinder und ihrer Lehrer wird bei solch herrlichem Ausblick ein religiöses Ahnen wach, wie die Jüdin Simone Weill es so innig empfunden und gesagt hat: "Die Natur ist Gottes Antlitz, und die Schönheit der Natur ist das Lächeln Christi durch die Materie. "

Fortsetzung in unserer nächsten Ausgabe!

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