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Im neu eröffneten KAISERSAAL ist erstmalig Tanzmusik von nachmittags 3 Uhr an und das mitten in der Stadt.
Überhaupt, beim Studium der Gaststätten, die vor etwas mehr als 50 Jahren noch in Montabaur ein Begriff waren, aber heute längst der Vergangenheit angehören, fällt einem unwillkürlich das Wort ein: "Kinder, wie die Zeit vergeht”.
Auf dem Juxplatz waren in diesem Jahr lebend zu sehen:
Rosalie u. Julie, Attraktionen ersten Ranges.
Es waren, wie die Abbildung zeigt, siamesische Zwillinge, die an Hals und Kopf zusammengewachsen waren. Für 20 Pfg. Eintrittsgeld sind sie zu besichtigen.
ln der lokalen Ausgabe der Zeitung von 1912 finden wir den Hinweis, daß in diesem Jahre die Kapelle des Inftr. -Regts. von GOEBEN Nr. 28 auch Kompositionen hiesiger Tonmaler vorträgt. Die Kapelle spielt zu Beginn des Konzertes zwei Märsche, komponiert und arrangiert von Herrn Gymnasiallehrer CHRISTE. "Im Paradeschritt" und "Deutscher Wandervogel-Mar sch" werden unter starkem Beifall den Zuhörern zu Gehör gebracht.
Der Gastwirt G. Hämmerlein hat zur musikalischen Unterhaltung auch ein eigenes Werk beigesteuert, das er "Klänge vom Westerwald" benannt hat.
Unter "Lokales und Provinzielles" wird weiter berichtet, daß während des gestrigen Kirchweihsonntags der Verkehr in unserer Stadt außerordentlich stark war. Der bedeutend erweiterte Juxplatz war fast zu klein, um die vielen Menschen aufzunehmen. Ein gegen Abend niedergehendes Gewitter, von strömendem Regen begleitet, vermochte nicht, dem Leben und Treiben lange Einhalt zu gebieten.
Der heutige Kirmesmarkt war ebenfalls außerordentlich stark besucht, und die Verkäufer sind zweifellos auf ihre Rechnung gekommen.
Am Kirmesmontag fand man in dem 2 Kilometer von hier entfernten Spiesweiher die Leiche eines ca. 70 Jahre alten, ledigen, früheren landwirtschaftlichen Arbeiters. Derselbe galt als solider Mann, seit einer Reihe von Jahren war er asthmaleidend. Auf welche Weise er ertrunken ist, wird die Untersuchung ergeben.
Unsere letzte Kirmeschronik widmen wir dem Jahre 1927.
Auf der ersten Seite der Samstag-Ausgabe steht zu lesen:
Das ist selbstverständlich:
Wer seinem Besuche zur Kirmes etwas bieten will, w^r sich in aller Ruhe "einen zu genehmigen" gedenkt, bei Stimmung und Konzert in einem vornehmen Lokal,
d^r geht zum UHLENHORST
Italienische Nacht.
Unter^"Lokales und Provinzielles" lesen wir, daß schon seit Tagen auf dem Juxplatz und in den Hotels und Restaurants, die an dem heurigen Kirchweihfest etwas besonderes bieten wollen, eine fieberhafte Tätigkeit herrscht. Auf dem Juxplatz werden aufgestellt: H. Eller’s Schwanenflieger-Karussell undO. Eller’s Fahrrad-Karussell, ferner eine Schiffschaukel und selbstverständlich auch der LUKAS. Kummer’s Verlosungshalle ist in diesem Jahre zum 49. Male zur Kirmes in Montabaur. Wem Fortuna lacht, der kann durch ein Freilos ein Fahrrad gewinnen.
Achtung! Auf zum HENNES nach Allmannshausen! So wirbt das Gasthaus zur Stadt Montabaur um seine Gäste.
Zum fröhlichen Tanz sind außerdem freundlichst eingeladen vom Wirt Hermann Rademacher und den Saalbesitzern Martin und Hellmuth Paffhausen in den =festlich dekorierten Saal *, alle, die gerne Kirmes feiern.
Am Kirehweihsonntag sang der KATH. KIRCHENCHOR im Hochamt die vierstimmige "Missa Salve Regina pacis" von Heinr.
Huber mit der Einlage "Tu es Petrus. . . !"
Schließlich stellt noch ein gewissenhafter Beobachter bei einem Rundgang durch unsere Stadt fest, daß man mit den Vorbereitungen für das diesjährige Kirchweihfest zu Ende sei. Welch sauberen Eindruck machen die Straßen, die vom Graswuchs befreit sind und die gut gepflegten Anlagen! Die Hotels und Restaurants, Cafes und Gasthöfe, alles prangt im Blumen- und Lichterschmuck, um neben einem guten Tropfen auch sonstwie den Kirmesgästen etwas zu bieten.
Der SPORT-VEREIN 1912 Montabaur hatte am Kirmessonntag die OBERLIGA Elz zu Gast und verlor prompt mit 0:4. Der Spiel-Kl. Wirges verlor gegen den VfR 19 Limburg 2:9 und der F. C. Nürnberg verlor gegen die Spiel-Vereinigg. Fürth 0:1.
Damit sollen unsere Kirmesbetrachtungen aus der Vergangenheit beendet sein.
Die Art und die Formen, Kirmes zu feiern, mögen sich geändert haben. Geblieben sind bei Alt und Jung der Wunsch nach ein paar Tagen möglichst sommerlicher Fröhlichkeit.
"The New Generation" waren sie zu ihrer Zeit genauso wie es heute die "Capitanos und die Melodies" sind.
Der Kram- und Viehmarkt wird nicht mehr in den Hauptstraßen abgehalten, er findet nur noch am Stadtrand seine interessierten Käufer. Über acht Jahrzehnte aber ist es das gleiche Bild geblieben. Zur Kirmes in Montabaur kommen die Besucher aus nah und fern .und das wird hoffentlich noch viele Jahrzehnte so bleiben.
Bis in die Gegenwart hat sich auch ein Lied erhalten, das diesem Markt gewidmet wurde und dessen Text Jean Neurohr verfaßt hat. Der Markt zu Montabaur soll deshalb seine längst verdiente Auferstehung in der heutigen Kirmesausgabe erleben. Vielleicht, so kann man nur wünschen, finden sich Interpreten, die ihm zur rechten Zeit und zu einer Stunde, die dafür wie geschaffen ist, zu neuem Leben verhelfen.
Der Markt zu Montabaur (Text: Jean Neurohr)
1. No däm Maat en Mondabauer
■ freh des Morjens gieht
met Sack un Pack stieht of dä Bauer, wot dä hannele dät,
met Gemes un Sellerie, Erdäppel un Weck,
Eier, Stockfesch, Federvieh,
| Botter, Obst un Speck;
I . 2. Wot es dot fir Prasselei met dem
Platzmangel,
Et gebt Stiß un grüß Geschrei, hal däi Maul du Lang.
Häi stihn ich jahraus.jahrenn, ob et rähnt un schnäit, do well eich doch grod mol sehn, wer mich von mäinem Platz vertreibt:
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