ge bene "Prachtbau” endgültig dem Gymnasium übereignet worden.
Zwar hielt der Magistrat seine Zusage und ließ schon im folgenden Jahr, 1874, mit dem Bau einer neuen Volksschule an der Koblenzer Straße beginnen; aber es war ein kümmerlicher Ersatz. Wir lesen darüber in der Schulchronik:
"Der Bauplan wurde aus übel angebrachter Sparsamkeit so gehalten, daß der Schulbau selbst in einem Bauerndorf keine Bewunderer finden dürfte. Merkwürdig, daß die Regierung ihn genehmigt hat. Jeder, der etwas von Schulbauten versteht, wird sagen; Das Gebäude ist verpfuscht. ” Es wurde 1875, in der Hochzeit des Kulturkampfes, ohne kirchliche Weihe und auch ohne sonstige Feierlichkeit bezogen. In es kamen die Anfängerklasse, die beiden oberen Knabenklassen und die obere Mädchenklasse; auch enthielt es zwei Lehrerdienstwohnungen.
Es vergingen rd. 50 Jahre, bis das an der Volksschule begangene Unrecht wieder gut gemacht worden ist. Der Bürgermeister und spätere Landrat Heinrich Roth brachte in der Stadtverordnetenversammlung vom 25. November 1927 einen Beschluß des Magistrats zur einstimmigen Annahme, der den Bau einer 8-klassigen Volksschule mit 9 Schulsälen Ibnd einer Reihe von Nebenräumen zum Gegenstand hatte. Heinrich Roth war ein Mann mit tiefem sozialen Empfinden und ein tapferer und kluger Kämpfer für die Hebung der materiellen und geistigen Lage der ärmeren Volksschichten. Darum war ihm der Neubau einer Volksschule eine Herzenssache. An dem Neubau sollte nicht kleinlich gespart werden, sondern er sollte voll und ganz den Forderungen unserer Zeit entsprechen. In dem Stadtbaumeister Bernhard Groß hatte er einen umsichtigen und geschickten Planer und einen gewissenhaften Bauleiter. In etwas mehr als einjähriger Bauzeit war das Werk vollendet! "Es ist ein prächtiges Gebäude”, so schreibt der damalige Rektor und spätere Schulrat Baier in der Schulchronik, "nach den modernsten Forderungen gebaut und mit viel Sorgfalt und Liebe eingerichtet; ein Bau, der der Stadt zur Ehre gereicht, der viele Besucher von auswärts anzieht und viel bewundert wird." Dank dem Bürgermeister und seinem Stadtbaumeister - Heinricji Roth und Bernhard Gro.ß! Ehre ihrem Andenken!
Niemand hat 1929 bei der Einweihung dieser Schule, der Joseph Kehrein Schule, voraussehen können, daß sie schon nach 20 Jahren sich als zu klein erweisen werde und einen Erweiterungsbau nötig mache. Die Schülerzahl war bei dem Baubeginn 344, aufgeteilt in 8 Klassen. Vorsichtigerweise hat man bei der Bauplanung mit einer späterhin möglichen Höchstzahl von 450 Kindern und 9 Klassen gerechnet. Der Umbruch nach dem Krieg, der alle Erwartungen übersteigende phantastische Aufschwung auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet, die politische Neuordnung, die neue Behörden mit einem großen Beamten- und Angestelltenstab nach hier brachte und aus der Kreisstadt eine Bezirksregierungshauptstadt machte, der Zugang von Evakuierten und Flüchtlingen und als Folge all dessen die Vergrößerung hiesiger kaufmännischer und gewerblicher Unternehmungen hat die Zahl der Einwohner und damit auch die Zahl der Schulkinder ansteigen lassen. Die Kinderzahl ist von 344 im Baujahr 1928 auf 648 im Jahre 1953 gestiegen, hat sich also nahezu verdoppelt. Aus den 8 Klassen waren 16 Klassen geworden.
So war wieder eine bedrückende Raumnot gegeben und war die Einrichtung von Schichtunterricht nicht zu vermeiden. Wenn trotz dieser ungünstigen Umstände der Leistungsstand der Schule auf einer beachtlichen Höhe gehalten wurde, ist das der Lehrerschaft der hiesigen Schule und ihrem seitherigen Rektor, Herrn Kespe, zu danken. Ohne ihren Berufsidealismus und die darin wurzelnden Einsatzwilligkeit und Arbeitsfreude hätte das schulische Leben Schiffbruch erlitten.
Raumnot und Schichtunterricht konnten und durften nur ein vorübergehender Zustand sein. Zu der Joseph-Kehrein-Schule mißte ein weiteres Schulhaus erstellt werden.
Den weiteren Bericht dieses Artikels bringen wir in einer unserer nächsten Ausgaben.
Begeistert!
Das war wirklich eine phantastische Aufführung. Durch eine Ankündigung in unserer Zeitung kam er zu diesem Kunstgenuß!
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