Ausgabe 
22.7.1966
 
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der Pfarrer Trebusschen Stiftung erworben. So war die Mäd­chenschule aus aller Not befreit. Aus den Mitteln des Pfar­rer Trebusschen Vermächtnisses, vermehrt durch erhebliche Stiftungen anderer wohlwollender Geistlichen und Laien, konnte auch die Besoldung für die beiden stiftungsmäßig ge­forderten Lehrerinnen erheblich aufgebessert werden. So konn­ten fortan gut gebildete Lehrerinnen - durchweg chter aus angesehenen Familien - für den Unterricht und die Erziehung der Mädchen gewonnen und verpflichtet werden. Das war ein großer Schritt nach vorwärts und aufwärts. Zu dem Unter­richt in Lesen und Schreiben kam jetzt auch das Rechnen und bald auch der Unterricht in Geschichte und Erdkunde.

1817 brachte das Nassauische Schuledikt eine völlige Neu­ordnung des gesamten Schulwesens. Als Unterrichtsfächer der Elementarschule wurden Religion, Deutsch, Rechnen, Raumlehre, Geschichte, Erdkunde, Naturkunde und Natur­lehre, Singen, Zeichnen und Handarbeiten bestimmt. Ein entsprechender Lehrplan wurde verpflichtend aufgestellt.

Um die Lehrer für einen besseren Unterricht zu ertüchtigen, waren schon in der letzten Kurtrierisehen Zeit ? ab 1784 - Normalschulen errichtet worden. Die schon beschäftigten Lehrer mußten dort an Kursen von 2- bis 3-monatiger Dauer teilnehmen; die Lehramtsbeflissenen hatten eine Ausbildungs­zeit von zwei Jahren. In Nassau wurde auf Veranlassung des Regierungsrates Karl von Ibell, der von dem Wirken und der Methode Pestalozzis begeistert war, bald nach Erlaß des Sohuledikts ein simultanes Lehrerseminar in Idstein eröffnet. 1851 wurde es aufgelöst und dafür das katholische Lehrerse­minar in Montabaur und das evangelische in Usingen er­richtet.

In organisatorischer Hinsicht wurde in Auswirkung des Schul­edikts für unsere Stadt angeordnet, daß die Knaben- und Mäd­chenschule in je zwei Abteilungen - Klassen - aufgegliedert und dem entsprechend zwei Lehrer- und zwei Lehrerinnen­stellen eingerichtet wurden. Als die Lehrerin Barbara Hisgen 1827 in den Ruhestand trat, sind die Lehrerinnenstellen in Lehrerstellen umgewandelt worden. Die Leitung beider Schu­len wurde dem Lehrer der Knabenoberstufe übertragen. Für die zwei Mädchenklassen waren in ihrem seitherigen Gebäu­de genug Räumlichkeiten vorhanden. Die Oberstufe der Kna­ben verblieb in dem alten Haus auf dem Friedhof. Der Unter­stufe wurde ein Zimmer im städtischen Rathaus eingeräumt. Das Nassauische Schuledikt hat einen kräftigen Anstoß für die Entwicklung und Hebung der Elementarschule gebracht.

Es war aber klar, daß die erweiterte und vertiefte Arbeit in der Schule nur befriedigend geleistet werden konnte, wenn auch die äußeren Schulverhältnisse in Ordnung gebracht wur­den. Das bedeutete für unsere Stadt den Bau eines neuen Schulhauses mit ausreichenden, gesunden Schulzimmern und Lehrerwohnungen. Um dieses Problem hat man sich dann Jahrzehnte hindurch gemüht und gestritten. Das Hin und Her in den sich immer wiederholenden Ansätzen und Vorstößen der Lehrpersonen und des Schulvorstandes und dem starr­köpfigen Widerstand der Stadtverwaltung muten einen wie eine Tragikomödie an.

1824 wurden nach der Frühjahrsprüfung die Schulstube der oberen Knabenklasse und die Lehrerwohnung von dem geist­lichen Schulinspektor eingehend besichtigt. Ihre gänzliche Unbrauchbarkeit wurde protokollarisch festgestellt und Ab­hilfe versprochen. Bald danach befand auch der Herzogliche Baukontrolleur das Gebäude "als ebenso zweckwidrig und ruinös, wie gefährlich und unreparabel". Leider ist es vor­erst bei diesem Befund verblieben. Der Schreiber der Schul­chronik berichtet resigniert: "Der obere Lehrer muß aber in seinem Kerker zum Nachteil seiner Gesundheit die Schul­zeit verseufzen."

1830 heißt es in der Schulchronik: "Um allen Beschwerden wegen der schlechten Schulzimmer als der elenden Schul­wohnungen zu begegnen, beschloß d. Hohe herzogliche Lan­desregierung, den Bau eines ganz neuen Schulhauses zu ge­nehmigen, welches 5 Schulzimmer und zwei Lehrerwoh­nungen erhalten soll. Schon war der Akkord auf 10 200

Gulden bei dem Herzoglichen Amt abgeschlossen, schon der Bauplatz abgesteckt, schon ein Stück der alten Stadtmauer abgebrochen und die noch brauchbaren Steine ausgeflesen, als neue Hindernisse gemacht wurden, die wieder alle Hoff­nungen zerschlagen haben. Also muß ganz besonders der obere Lehrer weiterhin in seiner kerkerähnlichen Schulstube und elenden Wohnung schmachten und beweinen, daß er in Montabaur Lehrer sein muß".

Erst im August 1835 wurde mit dem Ausgraben der Fundamente begonnen und der Bau mit wiederholten Unterbrechungen in fast dreijähriger Bauzeic fertig gestellt. 1838 wurde das Fest der Einweihung unter Teilnahme der gesamten Bürgerschaft gefeiert. 14 Jahre waren seit dem ersten eindringlichen Vor­stoß verstrichen. "Natürlich", so schreibt der Chronist, "hatte man die Notwendigkeit längst eingesehen, aber nichts zur Abhilfe getan. Diejenigen, von denen sie ausgehen sollte, waren teilweise in erbärmlicher Indolenz befangen, teils ließen sie sich von einer unverständlichen, ja egoistischen Sparsamkeit bestimmen, die immer und überall dem Auf­streben zum Guten aus Kleinlichkeitskrämerei entgegen tritt. Daß die Schule endlich gebaut wurde, ist wesentlich das Ver­dienst des von 1809 bis 1831 amtierenden Pfarrers Andreas Schaaf und des von 1834 bis 1845 amtierenden Pfarrers und Schulinspektors Josef Heimann. Fortsetzung folgt

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