Ausgabe 
8.7.1966
 
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AUS DER GESCHICHTE DER LEIBESÜBUNGEN

Den Ursprung der Leibesübungen finden wir bereits im Altertum bei den Griechen. Das Wesen des griechischen Erziehungsideals wird uns so recht durch die Betrachtung der olympischen Spiele vor Augen geführt, die alle 4 Jahre zu Ehren des Zeus in Olympia gefeiert wurden. Sie waren die nationale Sache des griechischen Volkes, denn hier trafen sich die Angehörigen befreundeter oder sich befehdender Städte, um sich im Wettkampf zu messen, und kennenzulernen. Hier wurde nicht um materiell wertvolle Preise gekämpft, es wurde dem Sieger lediglich der schlichte Kranz überreicht. Für den Sieger war es das Höchste, was ein Mensch erreichen konnte. Statuen wurden ihnen errichtet, in Liedern wurden sie verherrlicht. Sie waren der Stolz ihrer Vater­stadt, ja, des ganzen Landes. Bei diesen Nationalspielen wurde aber auch der Sinn für Körperkultur geweckt und gepflegt; denn hier war dem Volke Gelegenheit gegeben, die Schönheit der Form und die Gewandtheit und Geschicklichkeit des menschlichen Körpers zu bewundern. So ist dieses Erziehungsideal mit seiner wundervollen Körperdurchbildung das Ideal der griechischen Menschendarstellung geworden.

Das Mittelalter bedeutet wohl auch für die Leibesübungen eine wenig erfreuliche Zeit. Der Leib wurde mißachtet. Er galt nicht als das goldene Gefäß der Seele, das man stark und gesund erhalten müsse. Das berühmte Wort: "Mens sana in corpore sano", war ja heidnischen Ursprungs, verführte zur Betonung des vergänglichen Leibes und zur Vernachlässigung der Seele. Aus dieser dunklen Zeit leuchteten lediglich die ritterlichen Spiele hervor, die den Festen einen hervorragenden Glanz gaben.

Wenn wir den Ursprung des deutschen Turnens am Anfang des 19. Jahrhunderts verstehen wollen, dann müssen wir einen Blick in die damaligen Zeitverhältnisse tun. Napoleon hatte ganz Europa besiegt und unterjocht. Das deutsche Volk war zerrissen und seufzte unter dem Druck der feindlichen Besatzung.

Aber es fehlte ihm auch der Wille zur Befreiung und zur Einheit, denn es wurde durch die herrschenden Kreise unterdrückt und hatte keine politischen Rechte. In dieser so hoffnungslosen und verzweifelten Lage traten Männer auf, die in Wort und Schrift das Volk aufrüttelten. Zu ihnen gehörte auch Ludwig Jahn. Er vertrat in seinem berühmten Buch "Volkstum die Ansicht, daß der junge Mensch, der sich der Stärke, Geschicklichkeit und Ausdauer seines Leibes bewußt ist, auch von gesundem und stolzem Selbstvertrauen erfüllt sei. Das sollte das Turnen bewirken. Er bereicherte die Geräteübungen durch die Erfindung des Barrens und des Recks. Dem Wettkampfgedanken gab er einen gebührenden Platz bei den Turnfesten auf seiner beliebten Hasenheide bei Berlin. Die Regierenden sahen damals in dem Turnen eine Gefahr; denn es erzog selbstbewußte, innerlich aufsässige Men­schen, die die Einheit ihres Vaterlandes und Recht und Freiheit begehrten. Deshalb wurde das Turnen zeitweise verboten und sein Gründer des Landes verwiesen.

Später kam in England und Amerika, den freiheitlichen Ländern, eine neue Art von Leibesübungen auf, die man Sport nannte.

Man bezeichnete damit eine körperliche Betätigung im Wettkampf mit dem Ziel, eine Höchstleistung zu erreichen, das war der Rekord. Den, der mit seinen Leistungen die anderen übertraf, bezeichnete man als Meister. Es war also zu dem deutschen Turnen etwas Neues hinzugekommen, der Rekord und die Meisterschaft. Das-Ziel der Turnerschaft war bisher eine möglichst hohe, aber gleichmäßige körperliche Durchbildung, im Sport dagegen wurde die Höchstleistung angestrebt. Darin liegt sein innerer Wert: Wer stets sein Bestes und Letztes hergibt, darf den Ehrentitel Sportsmann tragen. Eine ehrenvolle Niederlage gegen einen stärkeren Gegner ist wertvoller als der Sieg über einen unebenbürtigen Gegner. Siegen wollen und verlieren können!

Da beim Sport ein wesentliches Merkmal die Höchstleistung ist, bedient er sich in zunehmenden Maße der Technik, um seine Leistungen immer noch zu steigern. Die Sportgeräte und Übungsstätten sind meist Wunder der Technik. Die elastische Hoch­sprungstange ermöglicht Sprünge über 5 m. Das Training wird wissenschaftlich fundiert und reformiert, biologischen Gesetzen angepaßt. Die Leistungen erreichen eine früher niegekannte Höhe. 16-jährige Mädchen schwimmen schneller als die männlichen Weltmeister vor 30 Jahren. Skispringer segeln bis an 130 m durch die Luft. Technik erhöht die Leistungen. Sie birgt aber auch die Gefahr in sich, daß der Sport seinen Adel als freies frohes Spiel aufgibt, daß er in Rekordsucht ausartet.

Im Sport steckt, wie im Turnen, eine große gemeinschaftbildende Kraft. Der Sport ist zur weltweiten Bewegung geworden. Die Krönung der internationalen Begegnungen ist das große Welttreffen, das alle 4 Jahre in wechselnder Reihenfolge der Sport­nationen stattfindet, die Olympiade. Sie veranstaltet getrennt Sommer- und Winterspiele. Der Gründer der modernen olympischen Spiele war der französische Baron de Coubertin. Er wollte dieses internationale Treffen nicht nur als Leistungskampf sehen, son­dern als Einheit sportlicher und musischer Leistung, wie es damals in Olympia der Fall war. Versuche, diese Einheit zu finden, sind die olympische Hymne, Kunstausstellungen und Kunstgewerbe. Seit der Olympiade 1936 in Berlin wird ein Staffellauf von Olympia zum Festort durchgeführt, bei dem eine brennende Fackel von Hand zu Hand weitergegeben wird, um das olympische Feuer neu zu entzünden. \

Zur sportlichen Betätigung sind Leistungs- und Wettkampfkameradschaften notwendig. Deshalb kam es auch bei uns in Deutsch­land schon frühzeitig zur Bildung von Vereinen. Die Vielseitigkeit der Sportzweige machte den Zusammenschluß in Fachver­bänden notwendig, die wieder in Landesverbänden zusammengefaßt sind. Die Dachorganisation für alle ist endlich der Deutsche Sportbund mit seinen nahezu 4, 8 Mill. Mitgliedern. Die Verbände nehmen sich in hohem Maße der Förderung der Leibesübungen an. Sie unterhalten Sportschulen, unterstützen den Bau von Übungsstätten und vermitteln günstige Unfall- und Haftpflichtver­sicherungen.

Durch Verleihung von Abzeichen regen sie zum fleißigen Trainieren an. In der richtigen Erkenntnis, daß die Leibesübungen ein hervorragendes Bildungs-und Erziehungsmittel sind, fördert auch die öffentliche Hand, der Bund und die Länder, Turnen und Sport nach Kräften. Der Goldene Plan" des Bundes ist die eingerichtete Stelle hierfür. Aber die tägliche Turnstunde in den Schulen wäre die Krönung dieser Förderung!

UNSER TIP FÜR DEN KRAFTFAHRER

Die Ferien stehen vor der Tür. Wer mit dem Auto in den Urlaub fährt, muß an mehr denken als nur ans Kofferpacken. Inspek­tion und gründliche Reiseplanung sind selbstverständlich. Dazu gehört auch der richtige.Zeitpunkt der Abfahrt. Fahren Sie nicht mit allen anderen los. Warten Sie ruhig, bis die Straßen wieder leer sind.

Sie vermeiden viel Ärger und Zeitverlust bei Stauungen, wenn Sie vor Beginn und während der Fahrt die regelmäßigen Verkehrs­durchsagen des Rundfunks hören.

Benutzen Sie auch weniger befahrene Straßen, die oft durch reizvolle Landschaften und schnell zum Ziel führen: Jede gute Stra­ßenkarte hilft Ihnen dabei.

Vor allem gibt Ihnen die BUNDESVERKEHRSWACHT den Rat; Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Teilen Sie Ihre Reiseetappen und Ihre Kräfte richtig ein. Machen Sie alle zwei bis drei Stunden eine Pause. Das gilt auch für die Rückfahrt, sonst kann die Erholung eines ganzen Urlaubs verlorengehen!