VERLASSENE KINDER FINDEN WIEDER HEIMAT UND ELTERNHAUS:
Polizei und Jugendgerichte, Fürsorger und Psychologen wissen von alarmierenden Beobachtungen zu berichten :
Der größte Teil der auf die schiefe Bahn geratenen Jugendlichen hat die Segnungen eines geordneten Familienlebens vermißt. Das Entbehren der bergenden Familie, vor allem in Kindheit und Jugend, wird im weiteren Leben des Erwachsenen und der sozialen Gemeinschaft bitter spürbar.
Die unter der Patenschaft des großen Menschenfreundes in Lambarene stehenden Al- bert-Schweitzer-Kinderdörfer in Waldenburg (Wttbg), Uslar/Solling und Berlin-Gatow wollen den Kindern helfen, die durch den Tod oder die Scheidung der Eltern, Unehelichkeit oder unbefriedigende Pflegeverhältnisse einsam geworden sind. Sie werden hier in gesunde Familien aufgenommen und erleben bewußt die volle Eingliederung in diese Gemeinschaft. In jedem Haus eines Albert-Schweitzer-Kinderdorfes wohnt eine Familie, und jede führt ihr eigenes Leben inmitten der Dorfgemeinschaft.
Die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer bekennen sich zur interkonfessionellen Erziehung. Neben der evangelischen Familie mit evangelischen Kindern, wohnt im Nachbarhaus die katholische Familie mit katholischen Kindern. Im Waldenburger Albert- Schweitzer-Kinderdorf gibt es außerdem ein jüdisches Pflegeelternpaar mit jüdischen Kindern. Alle im Sinne Albert Schweitzers einander verstehend und tolerierend.
Bei der Erziehung der Kinder soll der Vater nicht fehlen, da nur die Vollfamilie den erhöhten pädagogischen Ansprüchen gewachsen ist. Dieses unterscheidet die Albert Schweitzer-Kinderdörfer im wesentlichen von anderen Kinderdorf-Organisationen, die die Erziehung auf die Schultern einer einzigen '‘Mutter 11 legen. Das Elternpaar, nach sorgfältiger Prüfung aus ge wählt, übernimmt die Aufgabe, etwa 10 bis 1Z Kindern - oft schon vom Säuglings alter an - Vater und Mutter zu sein.
So entsteht ein familienähnlicher Geschwisterkreis mit dem natürlichen elterlichen Element. Der Vater geht, wie es auch in einer natürlichen Familie der Fall ist, seinem erlernten Beruf nach. Der Mutter stehen für die Erziehung und Pflege der Kinder und die umfangreiche Hausarbeit junge Helferinnen zur Seite.
Die Pflegeeltern werden von einem erfahrenen Sozialpädagogen, dem Dorfleiter, in ihren mannigfachen Aufgaben beraten. Die Verbindung zu den Jugendämtern und anderen amtlichen Dienststellen wird gleichfalls durch ihn aufrechterhalten. Außerdem stehen jederzeit Psychologen, Pädagogen und Kinderärzte als Berater zur Verfügung.
In den Albert Schweitzer-Kinderdörfern können verwaiste, verlassene und familienlose, jedoch nur geistig und körperlich normale Kinder Aufnahme finden. Die Zuweisungen erfolgen durch die Jugendämter aus dem gesamten Bundesgebiet.
Das Albert Schweitzer-Kinderdorfwerk - gegründet 1957 - möchte nicht nur eine Beitrags-, sondern eine Ge sinnungs gerne ins chaft sein, die im Geiste Albert Schweitzers ihre guten Gedanken zur Tat werden läßt.
Der Bau der Kinderdörfer und die vielfältigen Aufgaben, die mit ihrer Arbeit verbunden sind, werden im wesentlichen durch die Beiträge der Mitglieder und durch Spenden finanziert, die auf folgendes Konto erbeten werden :
Albert Schweitzer-Kinderdorf e.V., 717 Schwäbisch Hall, Zollhüttengasse 8, Kreissparkasse Schwäb. Hall 7800, Postscheck Stuttgart 533 37.

