Ausgabe 
27.5.1966
 
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der roten Pudelmütze ein verlegenes Lächeln im schwarzen Gesicht. Das Haus ist geräumig, wenn auch nicht mit dem Montabäurer Pfarrhaus zu vergleichen. Sehr schön eingerich­tet. Wir haben noch nie so vornehm gewohnt. Doch Einzel­heiten später! Überall standen Blumen; im Wohnzimmer eine große Bastschale (Ovamboarbeit und damit unsre erste afrika­nische Errungenschaft) mit Obst: Äpfel, Trauben, grüne Oran­gen, die ganz köstlich schmecken, Bananen, Ananas und Man­gos (ein Kapitel für sich, doch auch davon später). Nachdem wir uns umgesehen und Luft geschnappt hatten, brachte Kirchen­vorsteher Küster das Essen: Reis, Gulasch, Bohnensalat und Pudding."Endlich ein richtiges Essen, jubelten die Kinder und waren nicht satt zu kriegen. Christian hat zwei Wochen später in einem Schulaufsatz darüber geschrieben: " und des­halb fahren wir nie wieder auf einem englischen Schiff".

Damit ist unsre Reise nun aber wirklich abgeschlossen. Beglei­tet von so vielen guten Gedanken und innigen Gebeten sind wir wohlbehalten an unserem Bestimmungsort angelangt. Dank allen, die für uns die Hände falteten, vor Atlas oder Globus saßen und im Herzen uns begleiteten. Damit Ihr das auch weiterhin tun könnt, worum wir herzlich bitten, will ich nun anfangen, die hiesigen Örtlichkeiten und Verhältnisse zu schildern. Und da mir von vielen aufgetragen wurde, das so eingehend wie möglich zu beschreiben, will ich versuchen, nichts auszulassen und wirklich bis ins Einzelne zu informieren. Die Walfischbucht!

Auf ihrer Suche nachdem Seeweg nach Indien rund um Afrika kamen die Portugiesen gegen Ende des 15. Jahrhunderts vor die ebenso unwirtliche wie gefährliche und trügerische Küste Südwests. 1484 landeten sie unter Jakobus Canus am Kreuzkap, 1486 erreichte eine Expedition unter Bartholomäus Diaz Angra Pequena (Lüderitzbucht). In der Folgezeit, das genaue Datum ist nicht überliefert, entdeckten sie auch die heutige Wal­fischbucht. den einzigen grösseren natürlichen Hafen auf ca. 2.500 km einer der wildesten Küsten der Erde. Nebel, Felsen­riffe, fortwährend sich verlagernde Sandbänke machen den Zugang von See zur Küste Süd westafrikas mit wenigen Aus­nahmen unmöglich. Wer strandete und das Glück hatte, le­bend an Land zu kommen, hatte 100 Meilen der ältesten Wü­ste der Erde vor sich; die wasserlose Namib mit ihren riesigen Wanderdünen. Das Gebiet südlich von Walvis Bay wird auf den Karten einfach mit "evershifting sands = Sand, der ewig in Bewegung ist" bezeichnet. Jeder Schiffbrüchige war da in frü­heren Zeiten verloren. Nicht umsonst heißt deshalb die Küste nördlich von Walvis Bay bis Angola die "Sceleton Coast" = Skelettküste. Dort liegen die gestrandeten portugiesischen Galeonen, von Sonne und Sand konserviert, noch heute, nach 400 Jahren, wohlerhalten. Die Skelette der unglücklichen Seeleute bleichen unter dem wolkenlosen Himmel. Übrigens ist in der vorigen Woche am Eingang der Bucht ein Fischer­boot gestrandet, ein anderes 100 km nach Norden zu gesunken.

2 Mann ertrunken; auf der Suche nach ihren Leichen ist vor­gestern ein Polizeihubschrauber abgestürzt. Gefunden hat man bis jetzt nur Wrackteile, fünf Mann Besatzung mit größter Sicherheit tot.

Portugal suchte die Reichtümer Indiens. Niederlassungen an der Küste Süd westafrikas konnten nichts einbringen. So blieb der Küstenstreifen weiterhin den wenigen Saan-Buschleuten und den Hottentotten überlassen, die da kümmerlich genug sich ernährten von Muscheln und Naramelonen, die selbst in der Wüste wachsen; Ein toter Wal, der an Land gespült wur­de, war für diese Horden ein gewaltiges Festessen. Heute küm­mert sich niemand mehr darum. Nur wir Neulinge haben vor kurzem staunend vor einem kleineren Wal gestanden, der in der Lagune still vor sich hinstank.

im 18. Jahrhundert ankerten amerikanische Walfänger in der großen und geschützten Bucht, der bereits die Portugiesen we­gen ihres Reichtums an Walfischen den Namen "Bahia das Be- leas = Walfischbucht" gegeben hatten. Als mit Beginn des 19. Jahrhunderts die Missionare der Rheinischen Mission vom Kap her über den Oranje ins Land kamen, erkannten sie bald die Bedeutung der Walfischbucht. Nachdem sie das Innere von Südwest erschlossen hatten und die ersten Missionsstationen

gegründet waren, legten sie um 1845 einen Weg von Windhuk nach der Bucht an, den sogenannten Baiweg. Nun konnten sie ihre Güter und Lebensmittel in der Bai ausiaden. Bisher mußte aller Nachschub per Ochsenwagen von Kapstadt geholt werden; Fahrtdauer 11 Monate. Auf dem Baiweg kam man in 101 Stunden nach Windhuk; das war mit den Ochsen in 8-9 Tagen zu schaffen. Heute, nachdem bis auf 40 Meilen alles Teerstraße ist, braucht ein strammer Autofahrer nur noch 4 Stunden.

Die ersten Händler ließen sich in der Bucht nieder. Am 6.

März 1878 erschien das englische Kriegsschiff "Industry" in der Walfischbucht und am Vormittag des folgenden Tages ging fast die ganze Mannschaft an Land. Paradeuniformen waren angelegt, und um 11.15 Uhr wurde die britische Flag­ge gehißt, sowie die Proklamation verlesen, durch die Wal- witch Bay, wie es die Engländer nannten, Rooibank und die M^rd^üste bis zur Swakopmündung auf 45 englische Meilen landeinwärts als Gebiet der englischen Krone erklärt wurde.In Walfischbay wurde ein Beamter stationiert, der Handelslizen­zen erteilte und Abgaben erhob. Dieser Beamte und ein paar Händler bildeten dann für lange Zeit die einzigen Bewohner der Bucht. 1920 standen - geschätzt - ganze 47 Häuser. Der Ort wuchs langsam, bis nach dem 2. Weltkrieg der grosse Boom kam. Namentlich seit den letzten 10 Jahren wächst die Stadt in atemberaubendem Tempo. Z. Zt hat sie (in Klammern die Vergleichszahlen von 1960) : 6.400 (4. 782) weiße und 11.200 (7.452) schwarze und farbige Einwohner. Das Ende dieser Entwicklung ist noch garnicht abzusehen. Dafür ein sehr au­genfälliges Beispiel: Die sich am Meer entlangziehende Stadt wächst nun landeinwärts, d.h. in die Wüste hinein. Längs des Hafens läuft die 1. Straße - hier wird nur nummeriert, wir wohnen in der 9. Straße. Die 12. Straße ist erst in An­sätzen da. Die wenigen Häuser dort stehen bereits auf den Dünen. Dort liegen auch, man stelle sich das vor, die Grund­schule, die High School und das Krankenhaus. Jetzt baut man daneben die neue Stadtverwaltung, Dahinter ist nichts, nur Wüste. Die Kinder auf dem Schulhof spielen im Wüstensand; die Kranken sehen von ihren Betten aus die Wüste; der Bür­germeister wird in der Wüste regieren. In 4 - 5 Jahren jedoch werden alle diese Gebäude in der Stadtmitte liegen. Walvis Bay ist die zukunftsträchtigste Stadt Süd westafrikas, voraus­gesetzt natürlich, daß diesem Land eine ruhige politische Entwicklung geschenkt wird.

Fortsetzung lesen Sie in der nächsten Ausgabe.

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