begrüßte den I.Beigeordneten, Herrn Josef Pehl und Stadtoberinspektor Reinhard Sonnenschein, die als Vertreter der Stadtverwal- ' tung erschienen waren. Aus dem Jahresbericht 1965, der anschliessend verlesen wurde geht hervor, daß die Wehr 23 mal im vergangenen Jahr im Einsatz war und somit wieder die meisten Einsätze der Wehren des Unterwesterwaldkreises hat. Diese Einsätze setzen sich wie folgt zusammen:
Gebäudebrände: 8 (davon 1 Kirchenbrand), Kaminbrände 2, Kfz. - Brände : 8, Unfälle 3 (davon 2 mit Personenschaden), sonstige Hilfeleitungen : 2.
Ganz besonders zu erwähnen sind hier die Brände im Schweinestall der Barmherzigen Brüder in Montabaur, in der Gnadenkapelle zu Wirzenborn, in der Schreinerei Müller in Moschheim und nicht zuletzt zwei gefährliche Entstehungsbrände in der Imbißstube in der Kirchstraße und im Elektroladen Kästner in der Bahnhofstraße. Hier konnte nur durch den schnellen Einsatz großes Unheil verhütet werden.
Das gute Zusammenarbeiten der Wehr äußerte sich in der Wiederwahl des gesamten Vorstandes auf weitere 2 Jahre. Dies zeugt von dem großen Zusammengehörigkeitsgefühl der Wehrmänner. Auch die Arbeit des Fanfarenzuges zeitigte ihre Erfolge. So konnten aus den Reihen des Zuges 5 Anwärter in die aktive Wehr aufgenommen werden. Außerdem wurden 4 Anwärter nach Ableistung ihrer Probezeit als Feuerwehrmänner übernommen. Auch hier handelt es sich überwiegend um Mitglieder des Fanfarenzuges. Der Fanfarenzug konnte im Jahre 1965 schöne Erfolge buchen. Seine Stärke wurde von 37 auf 47 Personen erhöht. Auf dem Wettstreit in Boden spielte der Zug in der stärksten Klasse, der A-Klasse und errang hier 2 erste und 1 dritten Preis und wurde somit bester Westerwaldverein. Beim Wettstreit in Hambuch errang der Zug 4 erste Preise und wurde damit bester Zug des gesamten Wettstreites. Diese Erfolge sind Erfolge der Kameradschaft. Der Ausbau des Zuges hat hierzu viel beigetragen. So wurden im Jahre 1965 1 zweite Lyra, 1 Baß- fanfare, 4 Baritonfanfaren usw. neu angeschafft. Nicht zuletzt verdient auch die vorzügliche Ausbildungsarbeit von Herrn Otto Bach und Heinrich L ngenberg, sowie von Stabführer Helmut Groß Anerkennung.
Unter Punkt "Verschiedenes" wurde wohl am meisten die Neuanschaffung eines Löschfahrzeuges besprochen. Nach Ansicht der Wehr besteht ein dringendes Bedürfnis für die Neuanschaffung.
Die Stadt dehnt sich immer mehr aus, brandgefährdete Industriebetriebe siedeln sich an und damit wachsen auch die Aufgaben der Wehr. Die Wehr ist überzeugt, daß der Stadtrat der Neuanschaffung des Fahrzeuges zustimmt und die Stadtverwaltung das Löschfahrzeug bald bestellen kann.
Die Versammlung wurde gegen 23. 00 Uhr geschlossen.
O.Franz
-Landesbühnenbrief
Die Landesbühne Rheinland -Pfalz spielt am 18. 2.1966 in Montabaur das Schauspiel " Unsere kleine Stadt” von Thornton Wilder.
"Hier ist zu sehen, wie wir aufwuchsen,heirateten .lebten und starben" . Das ist Thema und Inhalt des 1938 entstandenen Stückes "Unsere kleine Stadt" von Thornton Wilder. Diesen Ablauf des menschlichen Lebens zeigt Wilder in seinen drei Akten "Das alltägliche Leben, Liebe und Heirat, Tod " .
Um die Familien Gibbs und Webb im Mittelpunkt erscheinen die verschiedensten Typen der amerikanischen Kleinstadt Grovei’s Corner : Da ist der Milchmann, der seit Jahren von allen nach dem Wetter gefragt wird, der verbitterte Kirchen Organist, der aus Lebensüberdruß zum Trinker geworden ist, die klatschende Bürgerfrau, die Hochzeiten so führend findet, und der Zeitungsjunge.
Alle bleiben trotz ihrer Schwächen und Bedeutungslosigkeit sympathisch. Der Alltag der Familien ist durchschnittlich und unkompliziert. Sie freuen sich, wenn die Sonne am Morgen hinter den Bergen hervorkommt, sie beobachten die Vögel, sie sehen die Jahreszeiten kommen und gehen und sie verstehen etwas davon. Im übrigen gehen sie ihrer Arbeit nach, erfüllen jahrzehntelang ihre Pflicht - es gibt "niemals einen Nervenzusammenbruch” . "Man muß das Leben lieben, um es zu leben, und man muß das Leben leben, um zu lieben" , sagt Wilder, und er zeichnet das Leben dieser Durchschnittsmenschen in seinen unveränderlichen Beziehungen zwischen Ehegatten, Eltern und Kindern, jungen Menschen, Freunden und Mitbürgern liebevoll und mit der Mahnung: Das ist das eigentliche und lebenswerte Leben, das des bedeutungslosen, einfachen Durchschnittsmenschen ohne Extreme, Skurilitäten und Absonderlichkeiten. Ausschlaggebend im Leben des Einzelnen sind diese ewig sich gleichbleibenden "simplen Wahrheiten", die in ihrem Kern unabhängig sind von historischen Ereignissen wie der
Versailler Vertrag oder der Lindberghflug.
Mit einfachen sprachlichen Mitteln, die doch mit psychologischem Feingefühl und Beobachtungsbae zu poetischem Ausdruck geführt werden, gestaltet Wilder im 2. Akt das ewig neue Erlebnis der aufkei - menden Liebe, das einfache und doch so gefühlstarke Hin und Her eines zarten fast unbewußten Liebesspiels, die immer gleichbleibenden Gefühle und Erwägungen der plötzlich erwachsenen jungen Menschen und der ihre "Küken" verlierenden Mütter, die erwartungsvollen Zukunftspläne einerseits und die Sorge um die schließlich doch die "Kinder" gebliebenen Söhne andererseits. Am einzelnen Glied demonstriert sich das Wirken der Natur in der langen Kette der Generationen.
Schließlich wagt Wilder im 3. Akt den Sprung in eine hypothetische Transzendenz, in die Welt der Abgeschiedenen; sie sind nicht tot, nur abgeschieden von den Wichtigkeiten des Lebens, eingegangen in ein identitätsloses, gütig einenden Nirwana, in dem nur eine ungewisse Erwartung des Kommenden bleibt, denn "jeder spürt es in seinen Knochen, daß etwas ewig ist, und dieses Etwas hat mit dem Menschen zu tun". Sie leben jetzt in einer anderen Dimension, so daß sie im Gespräch mit den Lebenden nun an diesen vorbeireden können, während sie selbst nicht mehr fähig sind zur unmittelbaren Intensität des Erlebens, denn sie sind sehend geworden: Sie beobachten sich selbst, während die erleben, und sehen die eigene Zukunft. So muß die Ab-’ geschiedene in ihr Reich zurückkehren und feststellen: "Nicht wahr, sie verstehen nicht 1 " Nein, Liebes, nicht sehr viel.
Der Aufbau des Stückes ist ebenso klar und übersichtlich wie seine Menschen. Ein Drama in des Wortes eigentlicher Bedeutung ist Wil- ders Werk nicht, keine Gegensätze von Verhältnissen oder Charakteren prallen aufeinander, es gibt keine guten und bösen Menschen, nur frohe und traurige, es gibt nicht einmal eine durchgehende Handlung, wir blenden uns nur in die entscheidenden Bilder ein. Es geht Wilder um eine epische Demonstration; ein Gegenüberstellen des Zuschauers im Brechtschen Sinne, zusammengehalten und geführt vom "Spielleiter”, dem die kommentierende und deutende Rolle des Chors der griechischen Tragödie zufällt. Die dramaturgischen u. szenischen Mittel der Rückblende, des Gedankenmonologs und die freie Handhabung von Raum und Zeit sind modernes Theater, überzeitlich und in diesem Sinn nicht nur modern ist Wilders Menschenbild. "In Babylon lebten einmal zwei Millionen Menschen ... ja, jeden Abend setzten sich alle diese Familien an den Tisch und aßen, und der Vater kam von der Arbeit nach Hause und der Schornstein rauchte.
Um diesen Parabelcharakter zu wahren, muß auch die szenische Verwirklichung von allen zeitlichen und räumlichen Akzidentien möglichst frei sein. Das in Spiel und Wort.auszudrückende Erleben der Person dominiert, alle Einzelheiten der materiellen Umwelt sind sekundär, um so intensiver soll der Schauspieler auf die reine Phantasie des Zuschauers wirken, der angesteckt werden soll von Wilders Erstaunen: "O Erde, du bist zu schön, als daß irgend jemand dich begreifen könnte. "
Der Regisseur des Abends, Intendant Conrad Dahlke, tritt selbst als "Spielleiter" auf.
Weiterhin agieren: Wilhelm Dieten. Gertrud Angerstein, Joachim Schmerler; Anneli Wagner, Arthur Kermes, Gisela Hagenau, Imogen- Maria Coupke, Klaus-Dieter Enskat, Wolf-Dieter Tropf, Arnim Ser- vaes ,Sepp Holstein, Vero Marc, Elis. Bieser, H. -J. Richter, Herrn. Burck, Peter Maenner, Helga Zech und Carola v. Manteuffel.
Die Szene'gestaltet Hans Schneider.
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