Ausgabe 
3.2.1966
 
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im Handumdrehen die Herzen seiner Untertanen erobert. Daß sie alle mit seinem Regierungsantritt einverstanden waren, bewies die begeisterte Aufnahme der prinzlichen Proklamation, die von Hofmarschall Reinhard Sonnen­schein in wohlgesetzten Worten kundgetan wurde. Sie ist handgeschrieben, und dieses kleine Kunstwerk ist von Josef Velten geschaffen worden. Der "Postillon" und die "Christel" trugen gemeinsam ein Lied als Gruß an den Narrenherrscher vor, das ganz im Sinne seiner Prokla­mation abgefaßt war. Bürgermeister Mangels beeilte sich, als erster dem Prinzen seine Glückwünsche zu übermitteln, er wünschte eine "Rollkur der Heiterkeit" und kam mit dem Gelbach, dem Gäulsbach auf den Roß­bach. Ach, es war eine völlig abgerundete närrische Sache, wie der "Schustermeister" das machte! - Auch die Prinzengarde, mit blankgezogenen Degen dem Prinzen präsentierend, war in schmucken Uniformen vor dem Narrenherrscher erschienen, und bei näherem Hinsehen entpuppten sich die Husaren als des Prinzen Kegelbrüder Ein großartiger Einfall! Auch der "Mendelssohn" war an der Ausgestaltung der Kürung wesentlich beteiligt. Seine Sänger kamen in bunten Kostümen und stimmgewaltig erscholl unter Hans Lingerhand der Chor: "Prinz, du sollst leben, Frohsinn uns geben, Helau! Alaaf!". Selbst­verständlich kam als Zugabe dann "So ein Tag!" mit dem Tenorsolo von Edgar Labonte.

Für die Exprinzen gratulierte Willi III. , Mobilarius zu Tabor. Er wünschte seinem Nachfolger im Prinzenamt eine glückliche Regentschaft.

Die Pagenmädchen Elke Lenz, Gisela Strunk, Marianne Morschheuser und Inge Marquard, allen voran Funken­mariechen Ursel Jung erwiesen dem Prinzen ihre Reve­renz mit einem ganz auf Komik eingestellten Funken- tanz, dessen Einstudierung Josef Germann übernommen hatte Das war so gekonnt und so reizend aufgeführt, daß eine Zugabe stürmisch gefordert wurde. Josef O, Schnei­der überreichte mit wohlgesetzten Worten namens des Elferrates "Heiterkeit" ein naturgetreues Abbild des Wa­gens, der den Prinzen im bürgerlichen Leben tagtäglich durch das Land trägt.

Drei Büttenreden bildeten den Abschluß dieser großarti­gen Kappensitzung. Ein fünfarmiger Kerzenleuchter war zu wenig Licht dafür, daß kein Stern mehr leuchtete, als Franz Josef Löwenguth, Fahrstuhlführer des neuerrich­teten Fahrstuhles im Rathaus, in klassischer Kostümie­rung die Bütt bezog. Da blieb kein Auge mehr trocken, als dieser bewährte Büttenkämpe seine rednerischen Knallbonbons unter das närrische Volks ausstreute. - Hans Heini Pötz, Exprinz Statikus von 1964, bestätigte erneut, daß er als ausgezeichneter Büttenredner seinen Mann im närrischen Gewoge zu stellen vermag. Im vori­gen Jahr noch als stöhnender Junggeselle sich selbst be­mitleidend, stellte er sich diesmals als Hochzeiter vor Natürlich hatte er die Lacher auf seiner Seite Als Orden erhielt er ein "Welljerholz". - Als Bergsteiger kreuzte Siegfried Homann auf. Auch er hat sich seit langem einen guten Namen als Büttenredner gemacht. Das ist richtige Montabaurer Fastnacht, seine Kostümierung, sein lupen­reiner Dialekt, sein treffsicherer Witz!

Kein Wunder, daß er so gut "ankommt". - Die Kapelle Stahl "(versorgte" die Narhallesen mit dem nötigen mu­sikalischen Schwung. Es wurde gesungen, geschunkelt und gelacht und die Montabaurer waren in der prächtig dekorierten Narhalla des Kolpinghauses wieder einmal "ganz unter sich". Ist es da ein Wunder, wenn die Kappen­sitzung am 5. Februar, bei der die "Heiterkeit" die Freun­de von "Grau-Blau" erwartet, bereits ausverkauft ist?

KURZ -

ABER INTERESSANT Kleinstädter streiten mehr

Verhältnis zum Nachbarn im allgemeinen verbessert

Das Gerede vom bösen Nachbarn ist in der Bundesrepublik Ausnahme. Das stellte Emnid in einer repräsentativen Stich­probe fest. Nur 15 v H. der Befragten hatten sich demnach in letzter Zeit über ihre Wohnungs- oder Hausnachbarn ge­ärgert. 82 v. H. lebten dagegen "in gutnachbarlichen Ver­hältnissen".

Vor einem Jahr sah das noch anders aus. Damals sahen nur dreiviertel der Bundesdeutschen keinen Grund sich über die Nachbarn zu beklagen und die Zahl der Klagenden war mit 2i. v. H. um 6 v. H. größer als heute.

Sind vielleicht die Wände weniger hellhörig, die Nachbars­kinder artiger und die treppenhausputzenden Hausfrauen verträglicher geworden? Oder hat man in Nachbarskreisen weniger Zeit als früher zu "tratschen"? Das alles ist unwahr­scheinlich. Wie sollten sich die Menschen innerhalb eines Jahres so geändert haben?

Was aber einleuchtet: Die Jugendlichen im Alter von 16 bis::2l Jahren ärgern sich am wenigsten über ihre Nachbarn (89 v. H.) Warum? Sie sind ihrer Umwelt gegenüber oft freundlicher als ihre manchmal allzu kritischen Eltern. Vor allen Dingen aber ist es ihnen meist völlig gleichgültig,

"was man über sie redet".

Am stärksten empfinden - nach Emnid - 25- bis 30jährige die Wahrheit des Spruches: "Es kann der Beste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt (21 v. H.). In diese Gruppe fallen vermutlich viele Frisch- verheiratete, die den Nachbarn ein Dorn im Auge sind, weil sie vielleicht "zu aufwendig leben" oder sich ihren Platz in der Nachbarschaft erst erkämpfen müssen - auf den sie zuweilen gar keinen Wert legen Landwirte haben am seltesten, Arbeiter am häufigsten über ihre Nachbarn zu klagen - -sicherlich eine Folge der Wohn­dichte und der vermehrten Reibungsmöglichkeiten. Aber die meisten Nachbarstreitigkeiten gibt es nicht in der Groß­stadt, so versichert Emnid, sondern in Kleinstädten von 2. 000 bis 10. 000 Einwohnern - das "Topfgucken" ist dort noch stärker verbreitet.

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Das "Wochenblatt für die Herzoglichen Aemter Montabaur, Selters und Wallmerod" berichtete am 27. Januar 1866 aus Montabaur:

EDICTALLADUNG (Aufgebotsladung) Nachdem über das Vermögen des J. B. Schneider und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Böhm von hier der Concursprozeß er­kannt und das erlassene Urtheil rechtskräftig geworden ist, werden alle, welche dingliche oder persönliche Forderungen an dieser Concursmasse zu machen haben, aufgefordert, solche Samstag, 17 Februar d. J. früh 8 Uhr vor dem Unter­zeichneten Amte bei Vermeidung des von selbst eintretenden Rechtsnachtheils des Ausschlusses von der vorhandenen Masse zu liquidiren -

Montabaur, den 23. Januar 1866

Herzoglich Nassauisches Amt Menges

Beschäftigen Sie eine Springerin?

Ich tat es, ohne es zu wissen. Es ist eine Büroangestellte, die mit wechselnder Arbeit hier und da "einspringt". Sollte das Gericht meine Sekretärin einmal als Zeugin vernehmen müssen, was ich ihr als staatsbürgerliche Pflicht grundsätz­lich wünsche, dann wird sie auch nach ihrem Beruf gefragt. Sie freut sich schon auf die erstaunten Gesichter des Gerichts, wenn sie erklärt: "Ich bin Springerin".