Ausgabe 
7.1.1966
 
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Wenn zum Neujahr die Gedanken sich in kühnster Phantasie in ein Zukunftsbild verranken, gibt das diese Utopie:

Motoristen in die Lüfte;

Schnellstart jederzeit ab Haus. Straßenlärm und Auspuffdüfte nebst Verkehrsnot hoch hinaus!

Journalisten immer reger, Fernsprech-, Funkdienst im Jackett. Allroundman bis zum Verleger; kein Gedanke mehr ans Bett.

Eisern im Behauptungswillen!

Stets im Einsatz, niemals matt. Antischlaf- und Stärkungspillen, ohne Mahlzeit, ständig satt!

Tempo, Ausstoß mehr als schlimmer. RationalisierungTrumpf!

Rotation, Vertrieb im Zimmer; Filmentwicklung schlicht im Strumpf.

Schreibmaschine längst verschrottet. Selbst Computer fast zum Herrn. Manuskripte ausgerottet, Sprech-Tonschreiber hoch modern.

Zeitung dreimal täglich sicher. Steigerung sogar vakant und zum Leser, ran wie Blücher, nur per Rohrpost in die Hand.

Mit dem Lesen wirds betrüblich, keine Zeit mehr, wie verhext.

Fotos, Werbung, mehr als üblich, und nur knapp die Hälfte Text.

Sechsmal täglich Umbruchfragen bis das Ganze jeweils stimmt.

Aber besser, das ertragen, als von der Zensur getrimmt!