Ausgabe 
17.9.1965
 
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Ordnung des Armenwesens die Witwe mit ihrem ältesten Sohn aus erster Ehe, Hartmann Schnupp, die Verwaltung des Hospitals weiterführen solle (Staatsarchiv Wiesbaden Abt, 206 Nr. 619).

Bevor wir die Geschicke des Hospitals zu Montabaur in der Nass. Zeit verfolgen, wollen wir noch einen kurzen Blick in die kurtrierische Zeit werfen. Im Jahre 1780 hatte der Kur­fürst die Anzahl der Pfründnerstellen auf 15 herabgesetzt.

Durch die gute Verwaltung des Hospitals in den folgenden j--ihren war es möglich, diese wieder heraufzusetzen, 1788 waren es 18 und 1793 bereits 20. Durch die Koalitionskriege ging aber die Anzahl wieder zurück, 1803 waren es 19 ,

1804 wieder 20 und 1809 24 Präbender. Um 1er herrschenden Not zu steuern, richtete man neben den ganzen auch halbe Pfründnerstellen ein. Am 10. Juni 1789 gestattete die Ober­kommission in Koblenz jedem der Präbender 18 albus wegen der Teuerung zuzulegen, so daß jetzt jeder monatlich für seine Beköstigung 1 Reichstaler, 45 albus und 2 Sommer Korn erhielt. Im Jahre 1799 und in den folgenden erhielt jeder Pfründ­ner monatlich 2 Reichstaler und 2 Sommer Korn. "Um der in hiesiger Stadt einreissenden Armut und täglich zunehmender Bettelei Einhalt zu machen" richtete man im Hospital mit Hilfe des Amts Verwalters Linz eine Wollspinnerei ein. Junge Buben sollten statt des Betteins zur Arbeit angehalten werden. Die Wolle stellten die Woll- und Strumpfweber, . die für das Pfund 12 Albus zahlten. Die Unterweisung geschah durch den Wollwebermeister Hermann Monsieur, der als Lohn dafür die Pfründe eines Präbenders erhielt. Die Hospitalsrechnung von Martini 1791 bis Martini 1792 verzeichnet als jährliche Einnahme 1345 rthl, 12 albus, 1 1/2 Pf., als Ausgabe 1177 rthlr, 35 albus , 1 Pf. Die ausgeliehenen Kapitalien belau­fen sich auf 8. 927 rthlr, 23 1/2 albus.

hi den Koalitionskriegen war es schwer die Präbender zu ver­sorgen. Die Zinsen von den ausgeliehenen Geldern und die Pachtgelder gingen schlecht oder garnicht ein, da die durch- -Teilenden verbündeten und französischen Truppen durch Trup­penlager und das Abstellen von Artillerie und Munitionswagen auf den Wiesen und Feldern große Schäden anrichteten. Be­sonders in den Jahren 1795 und 1796 litt das Hospital stark unter der Einquartierung von Truppen, die bös in dem Ge­bäude hausten, Fußbodenbretter, Fensterläden und Garten­zäune verheizten und auch sonst alles mitgeh. Hessen. Meh­rere Jahre dienten einzelne Gebäude als Magazin für die Truppen. Am 14. Februar 1797 beschwert sich das Proviso­

rium bei der Stadt, daß die Conventstube mit Kranken be­legt, die Herrenstub mit Heu angefüllt sei, so daß die Präbender keinen Aufenthaltsort hätten um die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten. Die Stadt antwortete bei diesen Kriegszeiten seien alle Häuser belegt, selbst die Kirche sei als Magazin und das Rathaus als Wache gebraucht worden, es stünde nicht in ihrer Macht, eine Änderung zu bewirken.

Nun noch kurz ein paar Worte über das Leben der Pfründner des Spitals. Bereits oben wurde schon gesagt, daß die Präben­der bis ins 18. Jahrhundert ein den Klosterinsassen ähnliches Leben führten, das sich nach ganz bestimmten Regeln voll­zog. Alle Renten und Güter des Hospitals stammten aus frommet Stiftungen ihrer Voreltern, die diese erspart und um Gottes willen den Armen geschenkt hatten. Diese selbstlose Liebe verpflichtete die Präbender zur Bescheidenheit-und Dankbar­keit gegenüber den Schenkern . Sie sollten daher sich zu­frieden geben mit dem, was ihnen gereicht wurde und täg­lich für das Seelenheil der abgestorbenen Wohltäter beten. Soweit der Gesundheitszustand es erlaubte, war jeder zu klei­neren Arbeiten in der Landwirtschaft des Hospitals verpflichtet um Kosten für Taglöhner zu sparen und so den Wohlstand des Hauses zu mehren. Für die Ordnung im Hause sorgte der Haus provisor, der aus den Präbendern genommen wurde. Wer etwas mit dem anderen zu reden hatte, mußte dies auf dem Gang tun. Zur bestimmten Stunde des Abends hatte jeder zu Hause zu sein; die. Nacht durfte niemand ohne Erlaubnis anderswo zubringen. Die Präbender und Präbenderinnen sollten leben wie Brüder und Schwestern im Herrn, einer sollte den andern in gesunden und kranken Tagen beistehen. Wer gegen die Regeln des Hauses verstieß, wurde hart ge­straft oder sogar aus dem Hause verwiesen. Die Mahlzeiten nahm man an zwei langen Tischen ein, an dem einen saßen die Männer, an dem andern die Frauen und zwar in der Reihenfolge ihrer Aufnahme. Gemeinsam wurde gebetet und es war verboten, während des Essens zu sprechen. Sobald ein Pfründner des Hospitals erkrankte, wurde er mit den hl. Sakramenten versehen und ihm Tag und Nacht eine Wache beigegeben. Nahte das Ende, so wurden alle Pfründner und Pfründnerinnen in der Conventsst. od. im Sterbezimmer mit Glöcklein zusammengerufen, um gemeinsam den Rosen­kranz und eine Litanei zu beten. An den Tagen da der Tote im Hospital lag und die nächsten 8 Tage nach der Beerdigung sowie am Jahrgedächtnis versammelten sich alle in der Ge­meindestube zum Gebet.

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