Akte 
Sitzung 01. Juni 1983
Entstehung
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Begründung

Im Durchschnitt vermögen wir nur noch 7 Mildkräuterarten zu bestimmen; uns entgeht, was sich innerhalb und abseits unserer Siedlungen vollzieht: z.B. 41 der 93 einstmals in Deutschland heimischen Säugetierarten (darunter z.B. 4 Fledermausarten) werden bald ebenso ausgestorben sein, wie seit langem schon Mildpferd und Auerochse. Von den 23B Vogelnrten des Landes sind B K schon dahin und 36 % auf der "Roten Liste" als gefährdet registriert. Unaufhaltsam schwinden die heimischen Orchideen dahin, ebenso wie viele der übrigen Blutenpflanzen (Aussterberate: 33 3})

Unsere Dörfer, unsere Städte mit ihren Stadtteilen sind Ausdruck ordentlicher, pflegeleichter Lieblosigkeit geworden. Mie weit es gekommen ist, wird spätestens dann deutlich, wenn sich Nachbarn im Sommer über "Unkräuter" und im Herbst über das abfallende Laub von Nachbargrundstücken, das zu ihnen herüberweht, aufregen, das Knattern und der Gestank von Benzinrssenmähern, von Oenzinkettenaägen im Mohngebiet, die selbstverständliche und gedankenlose Anwendung von Gift in Kleingärten aber als normal empfunden wird.

Das Ordnungsbedürfnis ist mittlerweile zur übertriebenen Ordnungsliebe per­vertiert. Schädlich ist diese Ordnungsliebe, weil viele heimische Pflanzen ihretwegen bekämpft werden, weil ihnen ihr Lebensrecht abgesprochen wird; schädlich auch für all die vielen Tierarten, denen damit Nahrung oder Unterschlupf entzogen wird. Auf falscher Ordnungsliebe beruht:

- die Entwertung oder Vernichtung zahlreicher Lebensräume;

- ein GroOteil der Belastung unserer Umwelt durch Gifte;

- der Entzug der Nahrungsgrundlage für viele Pflanzen- und Insektenfresser;

- manche schleichende Vergiftung von Tieren und Menschen;

- direkte Bekämpfung von Pflanzen und Tieren.

So hat z.B. die Chemie es ermöglicht, unerwünschte Pflanzen an den Rand der Ausrottung zu drängen. Mit diesen "Umpflanzen" verschwindet aus der fast total gestalteten Landschaft jedesmal auch eine ganze Anzahl von Insektenarten, t die auf sie angewiesen sind, und mit diesen wiederum viele Insektenfresser

i wie Singvögel, Fledermäuse usw., die ihre Nahrungsgrundlsge verlieren.

Es ist verständlich, daO ein Gartenbesitzer es nicht gerne sieht, wenn vom Nachbargrundstück immer wieder Sogenannte "Unkräuter" herüberwuchern, fest steht aber auch, daO in der Vergangenheit viel zu schnell und zu allgemein von einer Bedrohung durch "Unkraut" auf Nachbargrundstücken ausgegangen wurde. Die meisten Mildkräuter haben jedoch in einem Rasen oder in benutzten Gemüse­gärten keine Chance einer wuchernden Verbreitung.

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Es ist u.a. auch eindeutig geklärt, daO StraOen- Megränder und Böschungen wichtige Rückzugsgebiete für Miidpflanzen, die sonst nirgends geduldet werden, sind. Deshalb ist die dringende Forderung zu stellen, daO an Megrändern und StraBenböschungen künftig keine chemischen Gifte gegen Pflanzen mehr eingesetzt werden, daO nur, wo verkehrstechnisch absolut notwendig, ein maximal eineinhalbmeter breiter Streifen höchstens einmal im Jahr nach der Blütezeit gemäht wird.

Diese Forderung wird verständlich, wenn man bedenkt, daO pro vernichteter Pflanzenart durchschnittlich 10 wirbellose Tierarten ihre Lebensmöglichkeiten verlieren und, daO nach dem Spritzen der Megränder und dem folgenden Sterben der Kleinorganismen auch die Insektenfresser (Singvögel usw.) unter Nahrungs­mangel leiden und teilweise vergiftet werden. Diese Vögel gehen dann in ihren Beständen um mehr als 30 X zurück. , . .. -

Sollte es wirklich notwendig sein, zu begründen, warum wir Tiere und Pflanzen erhalten müssen, so ist das wirklich bedenklich und wirft ein trauriges Licht auf das Meltbild wie auch das Menschenbild in unserer Gesellschaft. Mie sieht es aus, wenn innerhalb weniger Jahre Singvogelbestände um mehr als 1/3 abnehmen weil ihr Lebensraum zerstört wurde? Das Verschwinden vieler Tierarten aus der veränderten Landschaft fällt im Moment kaum auf, das Leiden der betroffenen Lebe­wesen bleibt unbemerkt. Unsere Tiere und Pflanzen sterben leise aus, benehmen sich dabei dezent. Naturschutz ist eine Daueraufgabe, nicht ein einmaliger Akt.

Es wird höchste Zeit, daO mehr einzelne Bürger und mehr Kommunen diese Aufgabe anpacken, und, da<3 jeder zumindest in seinem eigenen Bereich Miidpflanzen und -tlere schützt und bewahrt.

So geduldig wie die Natur hat noch niemand auf seinen Tod gewartet.