Wochenblatt
der Verbandsgemeinde Montabaur
Jahrgang
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32 - Freitag, den 12. November 2004 - Nr. 46
im
VoLkstRaueßtag
eine Lebendige Botschaft
Gedenktage begleiten uns durch das Jahr.
Für mich zählt dazu noch immer der 19. September, der Geburtstag meiner längst verstorbenen Mutter. Am gleichen Tag war auch mein Schul- und Jugendfreund aus der Nachbarschaft, Toni geboren. Beide gratulieren sich gegenseitig: der 19. September - ein Doppeljubiläum, das mich jährlich an beide erinnert - denn es waren gute Jahre, die wir in der alten Seminarstraße miteinander verbrachten.
Doch dieses Mal war es anders. Als ich morgens die Zeitung aufschlug, fiel mein Blick auf eine Gedenkanzeige mit einem Eisernen Kreuz und ich las:
„Geliebt und unvergessen: Toni Munsch, geboren am 19. September 1924 in Montabaur, gefallen am 21. März 1945 bei Soppau/Oberschlesien.“
Und dann folgten die Namen seiner beiden Geschwister, die in Freiburg und in Essen wohnen.
Wir waren eine kleine Gruppe von Kindern aus drei Familien, die zwischen Gymnasium und Volksschule unter der beschützenden Glocke nachbarlicher Harmonie eine glückliche Jugend verbrachten; die Erinnerung daran ist bis auf den heutigen Tag ungebrochen. Dann brach der Krieg über die Idylle herein.
Als die Waffen nach fünfeinhalb Jahren schwiegen, war unter Millionen Toten auch unser Freund, dessen Leben kurz vor Kriegsende in einem sinnlosen Tod endete.
Das Eiserne Kreuz vor Augen, das sich der friedlichen Zeitungsseite zu widersetzen schien, spann ich angerührt und betroffen die Gedanken weiter.
Der Toni wäre heute 80 Jahre alt geworden, doch starb er, nicht einmal 21 Jahre alt, in einem unfass-bar bleibenden Krieg, der, verbrecherisch angezettelt und ebenso geführt, das Leben von unzähligen Menschen wie auch seines forderte.
1 945. Bei der Herbstbestellung seiner Äcker in der Nähe von Soppau fand ein Bauer mehrere tote deutsche Soldaten; sie hatten ein halbes Jahr unbestattet im Getreidefeld gelegen. Jahre später stellte der Suchdienst der Deutschen Kriegsgräberfürsorge anhand der Erkennungsmarken die Namen der Toten, darunter auch unser Freund, fest.
Geliebt und unvergessen - die Wunden, die Krieg und Gewalt geschlagen haben, sind ebenso wenig verheilt, wie die Erinnerung an die Opfer verblasst ist. In Montabaur sind es - neben den u ber tausend Toten auf dem Ehrenhain Westerwald - mehr als vierhundert, deren Namen die Bronzetafeln in der alten Friedhofskapelle tragen.
,e Botschaft des Volkstrauertages ist lebendig. Josef Otto Schneider
Ihn habt jetzt zman Tauuen; abeR ich tuende Euch tuiedenseheri/
und EueR Henz tuind sich fueuen und Eu«e FReude tuind niemand uon Euch nehmen.

