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Ich hatte ihn an Allerheiligen auf dem Montabau- rer Friedhof getroffen. Er stand, offenbar in Gedanken vertieft, in der alten Friedhofskapelle vor den Namenstafeln der Gefallenen und der Opfer des Krieges und der Gewalt.
Wir sind beide Mittsiebziger und kennen uns lange. Er hatte mein Eintreten
bemerkt, deutete auf die Tafeln und flüsterte, mir zugewandt, in unverfälschter Mundart: “Wot hatte mir Gleck, dat mir net dobei wäre!” Ich nickte zustimmend.
Und dann studierten wir beide die über vierhundert Namen jener Soldaten und Zivilisten, denen im schlimmsten Krieg der neueren Zeit ihr Lebensopfer abgefordert worden war.
Über fünfzig rote Lichter zu Füßen der Gedenktafeln legten Zeugnis davon ab, dass sie nicht vergessen sind, ihr Opfer auch von einer inzwischen längst in zeitlichem Abstand von Jahrzehnten lebenden Generation als Mahnung zu Frieden und Versöhnung auffasst und eine solche Haltung |auch praktiziert.
[Unvergessen.
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Neben den Toten auf dem Ehrenhain Westerwald gehören auch jene auf dem kleinen Soldatenfriedhof des Krieges 1914/18 dazu, die unweit der Kapelle ruhen, wo ein Monument 122 Namen nennt. Dreißig Gefallene aus Montabaur ruhen hier, alle “in
der Kraft, in der Jugend dahingerafft”, wie es der Dichter Ferdinand Freiligrath in seinem Gedicht “Die Trompete von Vionvil- le” formuliert. Die
Anlage wird auch nach vielen Jahrzehnten noch immer von der
Stadt Montabaur gepflegt,
deren frischer Kranz seit Allerheiligen sichtbarer Ausdruck des Gedenkens und des Erinnerns ist. Aber auch des Dankens, nicht nur im Sinne eines ganz persönlichen “dat mir net dobei wäre”, sondern auch dafür, dass die Völker Europas, nach Jahrhunderten des Streites, heute in gut nachbarlichem Einvernehmen und getragen von gegenseitigem Vertrauen miteinander leben - ohne Grenzen und ohne nationale Borniertheit. Die Menschen wissen aus bitterer Erfahrung, dass ihnen nur der Friede Wohlergehen und das bisschen Glück gibt, das sie in einem kurzen Leben ersehnen. Die Trauer aber bleibt.
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Ehrenhain Westerwald 1914/18” auf dem Friedhof der Stadt Montabaur, an der Friedensstraße
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