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Wochenblatt VG Montabaur

Nr. 40/2003

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The Road To Tradition Tour

Nach dem Mottoder Weg ist das Ziel ist The Irish Folk Festival (TIFF) seit 29 Jahrenon the road. Hunderttausende Besucher haben sich in dieser Zeit den Weg zeigen lassen, um Irland und seine Kultur kennen, verstehen und schätzen zu lernen. Unterwegs zu sein, war den Musikern, Veranstaltern und Besuchern immer wichtiger als irgendwo fest anzukommen. Warum auch? Man hat es schließlich mit einer lebenden Tradition zu tun, die sich fortwährend entwickelt. Die Vielfalt irischer Kultur ist viel interessanter und lebendiger als banale Patentlösungen oder Klischees. Das TIFF ist auf jeden Fallirisch aber auf keinen Falltypisch irisch. Wer sich für dieThe Road to Tradition Tour eine Karte kauft, wird über drei Stunden lang auf den Pfaden bester Unterhaltung wandeln. Die Auswahl der vier Programmpunkte ist so vielfältig, wie Irish Folk nur sein kann. Manche Künstler führen einen direkt in die Vergangenheit, andere in die Zukunft, dennThe Road to Tradition ist eben keine Einbahn­straße. Wie Wanderer auf irischen Feldwegen von unendlichen Steinmauern geleitet werden, so verläuft auch irische Musik in ihren festen Bahnen. Eine Generation von Musikern, Dichtern und Instrumentenbauern räumt für die nächste im besten Sinne des Wortes die Steine aus dem Weg und schichtet diese am Wegesrand kunstvoll auf. So ebnet man nicht nur für die nächsten Generationen den Weg, sondern schafft auch ein Mauerwerk aus Überlieferung, das Halt und Identität bietet. Dieses tolle Gemeinschaftsgefühl zeigt sich vor allem bei der mitreißenden Schluss-Session.

CATRIONA McKAYßf CHRIS STOUT * Scottish Harp 8t Shetland Fiddle

Warum spielen verdammt noch mal schon wieder keltische Exoten beim Irish Folk Festival? Die Antwort ist einfach: Weil sie verdammt gut sind! Chris Stout kennen die TIFF Besucher schon von der Tour 2000. Genau! Das ist der Teufelsgeiger, der mit der BandKennedy's Gathering Storms auftrat und sowohl mit seiner Musikalität als auch Virtuosiät beeindruckte. Chris kommt von den Shetlands. Dass man diese Inseln kennt, verdanken sie zwei Export- schlagem. Den wilden Shetland Ponys und den noch wilderen Fiddlespielem. Chris ist der große Motor hinter dem Shetland Fiddle Revival und er hat die Kultur seiner winzigen Insel bis in die größten Konzerthallen der Welt wie die Sidney Opera oder zum Sao Paolo Festival hinausgetragen. Entweder mit seinen Fiddlers Bid, Shetlands führender Folkgruppe, die gleich fünf Fiddlespieler plus fetzige Rhythmusgruppe ins Rampenlicht stellt oder auch mit der Weltmusik Gruppe Salsa Celtica oder last but not least im Duo mit Catriona McKay. Catriona ist eineClarsach Spielerin aus Leidenschaft und sie hat viel zur wachsenden Popularität der schottischen Harfe beigetragen. Sie sagt:Ich liebe es, die Harfe in Musikstile zu integrieren, wo man sie nicht ver­muten würde. Ihr Solo Album ist ein Zeugnis des Bestrebens, eine aufregende Fusion zu gestalten. Catriona hat 1999 den wichtigsten irischen Harfen­wettbewerb in Keadue gewonnen.

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EILIS KENNEDY & BAND * An amazing voice from the Dingle Gaeltacht

Irland ist ein Land fast ohne Bodenschätze. Dafür ist es aber reich an Liedern. Damit diese Schätze ans Tageslicht gehoben werden können, bedarf es be­sonderer Stimmen, die es verstehen, Zugang zu den Tiefen der Tradition zu finden. Aber auch zu den Herzen der Menschen. Eilis Kennedy hat eine die­ser Stimmen, die osmotisch zwischen den Zeiten, Stilen und Sprachen wandeln. The Irish Times sagte:Diese Stimme brenne dem Zuhörer auf der See­le. Man könnte es aber etwas sanfter formulieren. Diese Stimme wärmt die Seele. Sie ist entspannt, weich, aber auch dynamisch, egal ob sie Gälisch oder Englisch singt. Ihr Debut-AlbumTime to Sail hat letztes Jahr in Irland große Begeisterung ausgelöst. Vor allem weil das Album und diese wunderschö­ne Stimme quasi aus dem Nichts kamen. Es ist unglaublich, aber wahr. Gewisse Landstriche, insbesondere die Gaeltachts, führen ein ziemlich abgeschie­denes Leben und daher bleiben manche der originellsten Künstler unserer Mediengesellschaft eine zeitlang verborgen. Oder liegt es daran, dass manche Künstler auch ganz bewusst warten, bis für sie der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sich der Öffentlichkeit zu stellen? Bei Eilis trifft wohl beides zu. Ge­boren in der Dingle Gaeltacht im äußersten Südwesten Irlands, mußte sie nicht weit schweifen, um in der Muttersprache Irlands daheim zu sein und fün­dig zu werden. Auch in der Auswahl ihrer Band bleibt sie in den heimischen Gefilden. Die Klarinetistin Virginia McKee and Gitarrist Tommy O'SuIlivan leben ebenfalls in Dingle. Die Cello Spielerin Aishling Fitzpatrick kommt aus der benachbarten Grafschaft Cork. Die Einmaligkeit dieser Band verdeut­licht auch die Instrumentierung. Cello und Klarinette bringen völlig neue Klangfarben ein und überraschen uns, wie auch sehr bekannte Lieder in einem völlig neuen Glanz erstrahlen können. Cello und Klarinette sind in der Tat sehr weibliche Instrumente und Virginia und Aishling verstehen es, sie mit ei­nemfemale touch zu spielen. Die Hills Kennedy Band - eine sinnliche Erfahrung.

PADDY KEENAN & TOMMY OSULLIVAN * The legendary travelling piper meets a well travelled guitarist

Dieses Duo ist auf jeden Fall zum Urgestein des Irish Folk zu zählen. Paddy Keenan gehörte zu den Gründungsmitgliedern der legendären Bothy Band. In den siebziger Jahren haben dieBothies mit ihrer im Hurra-Stil gespielten Instrumentalmusik und subtilen Liedern weltweit eine unglaubliche Bre­sche für den Irish Folk geschlagen. Als Anerkennung für sein Lebenswerk ist Paddy gerade vom irischen Fernsehen zumtraditional musician of the year gekürt worden und seine vielen CDs gehören zu Meilensteinen irischer Instrumentalmusik. Seit gut fünf Jahren spielt das Duo Keenan / O'SuIlivan regel­mäßig zusammen und die aktuelle CDThe long grazing acre ist ein audiophiles Zeugnis dieser Zusammenarbeit. Paddy, der als einer der Götter am iri­schen Dudelsack-Himmel verehrt wird, spielt die Uillean Pipes imopen style, wie es die Tradition der irischenTravellers gebietet. Wenn Paddy einen Slow Air auf seiner Low Whistle spielt, dann klingt es unglaublich traurig, trauriger als der schwärzeste Blues. Tommy hat auch eine Ader für den Blues, der irgendwie nicht nur seiner Stimme als auch seinem Gitarrenspiel inne wohnt und so schafft es dieses Duo, uns mit seinen Liedern und Slow Airs tief zu berühren. Doch traurig bleibt man nicht lang. Die schnellen Tunes werden mit so viel Feuer und Elan gespielt, dass auchcoole Zuhörer in Kürze vor Begeisterung brennen.

GALLDUBH * Irish Roots Revisited

Ein gutes Programm lebt bekanntlich von Gegensätzen. Nach den sanften Tönen vor der Pause heißt es zum Schluss Bühne frei für diehigh energy Gruppe Galldubh. Unter dem MottoIrish Roots Revisited gelingt es dem Sextett überlieferte Melodien in ein neues rhythmisches Gewand zu kleiden. In der traditionelle Instrumentalmusik Irlands lodert von Natur aus ein inneres Feuer, das nur entfacht werden muss, damit der Funke überspringt und Zu­hörer plötzlich zu Tänzern werden. Bei Galldubh spürt man sowohl die Begeisterung für die Tradition als auch die Möglichkeiten, diese zeitgemäß zu ar­rangieren. Diese junge Band verfügt mit dem Drummer Paul Byrne, Gitarristen Fionän de Barra und Bassist Eugene Wogan über eine hochkarätige Rhythmusgruppe. Die Melodieinstrumente sind mit der Fiddlerin Zoe Convay, Flötistin und Sängerin Aideen Curtin und dem Piper Eamonn Galldubh ebenso virtuos besetzt. Fast alle Bandmitglieder haben sich bereits mit Solo CDs verewigt oder sind gefragte Studiomusiker. Die Hälfte der Band steht auch in Diensten der Clannad Sängerin Moya Brennan. Man hat es also mit musikalischen Hochkarätem zu tun. Auf den bisher veröffentlichten Albums Two little ducks undThe seventh step pendelt die Gruppe gekonnt zwischen Eigenkompositionen und Traditionais. Da die Eigenkompositionen in der Tradition des Irish Folk stehen, ist der Übergang zwischen Neu und Alt fließend und macht den Galldubh Sound äußerst homogen. Galldubh stehen ohne Zweifel in der bahnbrechenden Fusion der legendären Moving Hearts, die es leider für zu kostenintensiv und anstrengend hielten, diesen großen Sound auf die Dauer zu produzieren. Man muss also den jungen Galldubhs allen Respekt zollen, dass sie aus Begeisterung sowohl für die Tradition als auch für die aktuellen Musikformen diesen irischenBigband Sound pflegen. Man sollte sich diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen, sich vonIrish Roots Revisited begeistern zu lassen.

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