Wochenblatt VG Montabaur
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VON STEFFEN MOHR:
Die Frau am anderen Ende der Leitung sprach leise. Der Kommissar brüllte in den Hörer: „Was wurde - ausgeraubt? Ihre Spielothek?“ Gustav Merks hätte sich nicht gewundert, denn Raubüberfälle auf Spielotheken lagen gerade im Trend. Als er verstand, dass es sich um eine Apotheke handelte, staunte er doch. Er ließ sich die Adresse und den Namen der Anruferin buchstabieren.
„Apotheke“, murmelte er grimmig während der Fahrt. „So was schießt aus dem Boden wie Unkraut. Verdient sich dusslig an den Risiken und Nebenwirkungen verblödeter Fernsehzuschauer.“
Als er an der benannten Straßenkreuzung einparkte, erblickte er zwei Apotheken auf der linken Straßenseite und eine gegenüber. „Völlig normal“, knurrte er. Instinktiv schritt er auf das Glitzerhäuschen zu, an dessen Tür das Schild prangte: Vorübergehend geschlossen. Er klopfte ans Glas.
Die Besitzerin, eine aufwändig frisierte Person mit violetten Fingernägeln, öffnete. Mitten in der Begrüßung unterbrach sie den Kommissar: Sie legte Wert darauf, nicht zu den zahllosen Frau Hoffmanns zu gehören, sondern eine Flofmann zu sein.
„Folgen Sie mir“, befahl sie und ging Merks durch die schillernden Auslagen voran. Sie trug Schuhe mit Absätzen höher als zehn Zentimeter und hinkte.
Auf dem schier endlosen Weg durch einen mehrmals gewinkelten Gang, vorbei an Regalen mit gestapelten Kompressen,wandte sich die Frau kurz um und kommentierte: „Das Lager.“ Neonröhren beleuchteten ausreichend die gut sortierte Ware. Inzwischen hatte Merks den Gehfehler von Frau Hofmann als nicht chronisch identifiziert. Er fragte: „Wobei haben Sie sich denn den Fuß verknackst?“
Die Apothekerin brauste leicht auf: „Bei der Verfolgung des Räubers natürlich.“
„Natürlich“, bestätigte der Kommissar höflich. Sie gelangten an eine Tür mit dem Messingschild BÜRO. Davor lag
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eine Leiter umgestürzt.
Sie riss an der Tür, die nicht gleich aufgehen wollte. Dabei erweckte Frau Hofmann den Eindruck, als würde sie zum ersten Mal ihr Büro betreten. Denn die Tür ging nach innen auf. Mit dieser leisen Stimme und dieser riesigen Wut im Bauch ranzte sie: „Es ist die Aufregung. Verständlicherweise!“ „Verständlicherweise“, gab Merks ihr Recht.
Durch vier breite Fenster beschien die Mittagssonne zwei Möbelgruppen. Eine, am Ende des Raumes, wurde von Frau Hofmanns Schreibtisch beherrscht. Die andere bestand aus vielen Topfpflanzen, einem flugzeugförmigen Designertisch und dazugehörigen grellbunten Sesseln.
In einen der Sessel, erst auf den zweiten Blick sichtbar, verkroch sich Frau Hofmanns totales Gegenstück. Eine völlig verschüchterte, völlig ungeschminkte junge Verkäuferin. „Meine Mitarbeiterin - Fräulein Kästner.“ Die Kleine übersah Merks’ ausgestreckte Hand und schien ein bisschen unter Schock zu stehen.
Wortreich, sich überhastend schilderte die Geschäftsinhaberin den Vorfall. Ein angeblicher Pharmazievertreter hatte den Laden betreten. Die späte Mittagsstunde hatte er sich gut ausgesucht, denn da herrschte wenig
Kundenbetrieb. Fräulein Käste]] te den Mann nach hinten geführt Hier, im Büro, hatte er ohne Von nung das Telefonkabel zerschnj Dann war er auf den Giftschrankiu gangen. Hatte die Frauen Pistole bedroht und blitzschnell ei Medikamente in seine Tasl gepackt.
„Alles geschah in Sekunden... das Handy fiel uns erst später eiij Merks erfuhr, dass es sich 11 kamente handelte, die in Dealeii sen begehrt und somit gut in Münze zu verwandeln waren. A Räuber verschwand, verstellte < Tür rasch mit der Metallleiter, sod die Frauen sie nicht gleich aufdrii| konnten. Damit gewann er wert" Zeit...
Bedächtig nahm der Kommissj einem der bunten Designers# Platz. Eben so bedächtig sagte „Reichen Ihnen die Einnahmen Ihrer Apotheke nicht aus, Frau HJ mann, dass Sie einen Versichern^ betrug Vortäuschen müssen? warum spielen Sie, Fräulein Käs bei diesem Schwindel so brav 1 ™ Welchen Schwindel meintetj
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