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Wochenblatt VG Montabaur

Nr, 2

Ü

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OBERLAND

Zwangspfand auf Einwegglasverpackungen vernichtet lul

Arbeitsplätze in der Glasindustrie p

Die Bundesregierung hat beschlossen, zum 1. Januar 2002 ein Zwangspfand auf Einwegge. tränkeverpackungen aus Metall, Glas und PET von 0,25 bzw. 0,50 Euro einzuführen. Kartonverbundverpackungen sollen hiervon unberührt bleiben.

Bei Glasverpackungen betrifft dies Bier, Mineralwasser, kohlensäurehaltige Erfrischungsgeträn- ke und Fruchtsäfte, nicht dagegen Wein und Spirituosen, Milch und Nahrungsmittel.

Zusammen mit unserem Betriebsrat protestiert die Belegschaft der Saint-Gobain Oberland AG gegen das Zwangspfänd auf Einweaalasflaschen . Dies sind unsere Gründe:

1. Seit Mitte der 60er Jahre haben die deutschen Behälterglashütten ein bundesweit flächen- deckendes Altglas-Containernetz aufgebaut, das die Bürger hervorragend annehmen. Pro Jahr kommen rd. 2,8 Mio. t Scherben als wertvoller Rohstoff in die Glashütten zurück.! rd. 70 % Rohstoffanteil sind Scherben in unserer Glashütte mit Abstand unser wichtigster Rohstoff. Durch diesen hohen Scherbenanteil sparen wir erheblich Energie und schonen die Umwelt. Über 2 Jahrzehnte waren wir die Musterknaben des Umweltrecyclings. Dieses Recy­cling wird von keinem anderen Verpackungswerkstoff erreicht.

Jetzt droht das beabsichtigte Zwangspfand, diese erfolgreiche Kooperation von Bürger

und Glasindustrie zu zerschlagen. j

2. Wer soll da noch durchblicken, wenn die Mehrweg-Bierflasche mit Pfand wie in der Vergan­

genheit in den Getränkemärkten zurückgenommen wird, die Einweg-Bierflasche mit dem Zwangspfand aber künftig in den Rücknahmeautomaten und das Marmeladenglas ohne Pfand weiterhin, wie in der Vergangenheit, in den Glascontainer soll. !

Fazit: Es wird künftig weniger und nicht mehr Glas recycelt.

3. Rücknahmeautomaten werden Glasverpackungen nicht nach Farben sortieren. Glashütten

brauchen aberfarbsortierte Scherben, um bei diesen großen Mengen die Farbqualität der neu­en Glasverpackungen sicherzustellen. Die Wiederverwertung der bepfandeten Einwegflaschen ist darum akut gefährdet und diese Scherben werden wohl nicht mehr im Recyclingkreislauf, sondern im Straßenbau als Füllmaterial landen. '

4. Wenn künftig für Einweg- und Mehrwegglas gleichermaßen Pfand erhoben wird, wird nach Eini Schätzung von Experten das bestehende gut funktionierende Mehrwegsystem geschwächt un Einweg, vor allem Dosen und PET-Flaschen faktisch gefördert. Das Gegenteil von dem, was eigentlich mit der Einführung eines Zwangspfandes erreicht werden soll.

Darum machen wir uns alle große Sorgen um unsere Arbeitsplätze.

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Saint-Gobain Oberland AG, Werk Wirges

Verantwort lich für den Inhalt: Betriebsratsvorsitzender Bernd Reinhardt, Saint-Gobain Oberland AG in