henblatt VG Montabaur
Nr. 10/2001
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UMWELTINFO
Be j Meister Lampe gehen die Lichter aus
F rüher war er auf Deutschlands Wiesen und Äckern häufig zu sehen, zahlreiche Märchen, Geschichten und Sprichwörter ranken sich um ihn. Heute ist er jedoch immer seltener in der Flur anzu- treffen. Die Rede ist vom Feldhasen (Upus europaeus), der sich langsam aas unserer Agrarlandschaft verabschiedet. Grund genug für die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild, den „Mümmelmann“ nach der Aeskulapnatter (Tier 2000) zum Tier des Jahres 2001 zu küren. Die Organisationen; seit 1992 diesen Titel vergibt, will damit auf die starken Bestandsrückgänge des Hasen aufmerksam machen.
Viele Junghasen verenden früh
Der Feldhase stammt aus der Familie der Hasenartigen und gehört zur Ordnung der Hasentiere, die weltweit 45 Arten umfasst. Seine Verbreitung erstreckt sich vom Polarkreis bis zum Mittelmeer und von Nordspanien bis zum Ural.
Der Kulturfolger war ursprünglich in der Steppe beheimatet und ernährt sich überwiegend von Kräutern und Gräsern, verschmäht aber auch Feld- friiehte und Laubholzrinden nicht. In Deutschland ist er in Flach- und Hügelland nahezu überall verbreitet. Sein charakteristisches Kennzeichen sind seine großen Ohren (..Löffel”). Diese sind deutlich länger als sein Kopf und mit schwarzen Spitzen umrandet, wodurch der Feldhase auch im Gelände vom deutlich kleineren Wildkaninchen sicher zu unterscheiden ist.
Typisch für das Längohr ist der kurze, behaarte Schwanz („Blume”). Die vier bis sechs Kilogramm schw eren Hasen sind Einzelgänger, die sich nur zur Paarung vom Frühjahr bis zum Spätsommer zusammenfinden. Während dieser Rammelzeit sind die Hasen im Freien ? u t zu beobachten. Nach sechswöchiger Tragzeit setzt die Häsin ein bis vier Junge, and dies mitunter drei- bis viermal pro Jahr. Die neugeborenen Junghasen sind Nest- Hüchter. können also bereits v om ersten Tag
an sehen und kriechen. Das nützt ihnen aber wenig: Geschätzte 60 Prozent der Junghasen verenden bereits im ersten Lebensjahr. Da die Feldhasen keine Höhlen graben, sondern sich lediglich in flachen Mulden („Sassen“) ducken, sind sie ungünstigen nass-kalten Witterungsbedingungen nahezu schutzlos ausgeliefert. Auch zahlreiche Beutegreifer, wie Fuchs, Marder, Bussard und Krähe dezimieren die Hasenbestände im ersten Lebensabschnitt. Von seitens der Jägerschaft wird vor allem der Fuchs dafür verantwortlich gemacht, dass das Vorkommen des Rammlers regional stark zurückgeht. Die Jäger fordern deshalb vielerorts eine stärkere Beja- gung besonders des Fuchses, was wiederum die Naturschützer auf den Plan ruft. Diese appellieren, die Jagd auf den Feldhasen einzuschränken oder zu verbieten. Einig sind sich beide Gruppen nur dahingehend, dass der Lebensraumverlust und die Intensivierung der Landwirtschaft in großem Maße zum Bestandsrückgang des Hasen beigetragen haben. Gegen den Verlust ihrer natürlichen Habitate helfen dem Hasen weder die
Feldluisen überstellen strenge Winter ohne Bau. Foto: H Unghoff
überlangen Hinterbeine noch die güte Lunge, die ihn zu einem schnellen und trickreichen Läufer machen. Auch gegenüber dem Auto zieht Meister Lampe den kürzeren: Rund 120 000 Tiere sterben jährlich auf Deutschlands Straßen. Genaue bundesweite Be
standszahlen sind für den Feldhasen schwer zu ermitteln. Während der Jagdschulz- Verband für 1999 von rund zwei Millionen Langohren ausging, schätzt Peter Boye vom Bonner Bundesamt für Naturschutz (BfN) den Bestand auf 1 2 bis 2,5 Millionen Exemplare. Doch die Bestände nehmen seit geraumer Zeit deutlich ab, was sich an der Anzahl geschossener Hasen bundesweit gut veranschaulichen lässt: Wurden 1936 noch mehr als drei Millionen Feldhasen geschossen, waren es 1980 nur noch 740 000. Im Jagdjahr 1998/99 betrug die Jagdstrecke dann noch rund 450 000 Exemplare. Grund genug für das BfN. den Feldhasen 1998 auf die Rote Liste der gefährdeten Tier- und Pflan- zenarten in Deutschland zu setzen, Kategorie „gefährdet“.
Unfruchtbar durch Pestizide
Als einziges Bundesland hat Nordrhein- Westfalen reagiert und den Feldhasen 1999 auf seine landeseigene Rote Liste gesetzt. Dort wurde der Bestandsrückgang gleich zum Anlass genommen, zu untersuchen, inwieweit Fruchtbarkeitsstörungen für den Rückgang der Hasen verantwortlich sind. Die Ferti- litätsstörungen sollen durch Pflanzenschutzmittel hervorgerufen werden und die Qualität des Spermas bei den Rammlern entscheidend mindern, so die Vermutung der Wissenschaftler. Die bisher vorliegenden Ergebnisse haben dies jedoch für Nordrhein- Westfalen nicht belegen können.
So ist anzunehmen, dass nicht ein einziger Grund, sondern ein Sammelsurium von Gründen für die Abnahme des beliebten Langohrs verantwortlich ist. Dies sah die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild genauso. Sie begründet ihre Wahl nämlich auch damit, dass „die Ursachen für den Rückgang des Feldhasen noch weitgehend unbekannt“ seien. Ein Appell an die Wissenschaft. Schlechte Aussichten für Meister Lampe.
Benjamin Haerdle
Ein vierseitiges Faltblatt zum Feldhasen mit weiteren Informationen (SDWi-Merkblatl Nr. 2/2000) erhalten Sie bei: Schutzgemeinschaft deutsches Wild e.V„ Werner Koep. Godesheraer Allee 108-112. D-53175 Bonn. Fon 0228/269-2217. Fax 0228/269-2253
Auszug aus „Umwelt kommunale ökologische Briefe “ vom 28.02.2001 Constanze Wunderlich Verbandsgemeindeverwaltung Montabaur

