Montabaur 2/31/79
Kirmesgeschichten
R.S. Kaum jemand hört zu, wenn Geschichten nicht spannend sind. Bestenfalls kann ein talentierter Erzähler w
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muß es aber nicht. Als Volksfest ist ja erwiesenermaßen solch alter Brauch zugleich ein kleiner Teil der Stadtgeschichte
an den Mann bringen, was eigentlich niemand interessiert. Über Kirmes zu berichten, kann leicht eine solche muß es aber nicht. Als Volksfest ist ja erwiesenermaßen solch alter Brauch zugleich ein kleiner Teil der S 1
Angefangen hat es mit dem eigentlichen Kirmesbetrieb dort, wo er heute vermißt wird. Der Große Markt
: war vor der JahrK
wende Schauplatz hochsommerlicher Volksbelustigung. Dabei nahm sich das Aufgebot der Belustiger doch eigentlich J scheiden aus, gemessen an dem, was der stets treffsichere Volksmund heute „Kirmasrummel" nennt. ^
Auf dem Großen- und Kleinen Markt, in der Kirchstraße und im Trichter, da lockte nur der Budenzauber
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Kirmesgäste an. Am Kirmesmontag waren sie alle versammelt, die legendären Gestalten aus der guten alten Zeit. Wer L J einmal ihre Bekanntschaft zu machen, der lese bei J. Neurohr nach. 1
„No dem Maat in Montabaur", das ist nicht nur ein Lied. Hier feiern unsere Väter und Vorväter, gar manche OriginaleausSa und Umland, fröhliche Urständ. Geblieben von dem ist bis Kriegsbeginn nur der Kram- und Viehmarkt in der Innenstadt Dij löste auch die Reaktion des lärmbelästigten Bürgermeisters Mönig aus. „Verhaften Sie die „Kuh"! wies er den Marktmeister1 ihn das Brüllen eines Hornviehes störte.
Mitten in der Stadt lag auch der erste große Vergniiguni den die meisten von uns noch in lebhafter Erinnerung hajj Im Jahre 1889 erwarb die Stadt vom Land Preußendtn
^ i maligen Klostergarten der Franziskaner-alias Amtmam'i
/ J.-. ' H Garten, alias Juxplatz, alias Konrad-Adenauer-Platz-tat
Pkw-Schlucker im Untergeschoß und Zentrum des Stadtgi hens in spe. Noch im gleichen Jahr wurde hier Kirn Karussell und Schiff Schaukel waren als technische FreudeJ schon anzutreffen. Vorboten einer Entwicklung, diewah| gigantische Ausmaße angenommen hat, wie wir es h leben.
Zu Anfang des Jahrhunderts bedrängten Schaustelleraus| Himmelsrichtungen die Stadt, um die neuesten „Geschäft vorzuführen. Die Vielfalt der zwanziger und dreißigerJafiij Angebot der Vergnügungsindustrie ist nie mehr erreicht» „Teufelsrad", „Rollende Tonne", „Steile Wand", Menschenattraktionen" und was sonst noch alles.
Fast eine Woche lang fröhliches Lärmen der vielen Besuch übertönt von Kirmesmusik, die heute Seiten heitswert hat] Himmel standen die Silhouetten der Kirche und de wenn die Lichter angingen an den letzten, milden Sommerabenden im August.
Von all den vielen Schaustellernamen der älteren Generation noch immer bekannt, sei stellvertretend Carl Eller erwähnt.Übe Jahre war er die markanteste Figur auf dem Juxplatz.Sein Prachtkarussell war ausgestattet mit der besten Konzertorgel weij breit. Opern- und Operettenmelodien begleitete er gelegentlich auf seiner Trompete. Vorausgesetzt, er war bei guter Laune, einige Bierchen bewirken konnten.
Zu den Erinnerungen an Kirmes, gehört auch der 2. August 1914. Mobilmachungstag zum Ersten Weltkrieg. Kirmes in Monte Damit wurde nichts. In dieser ungewissen Zeit dauerte es Wochen, bis die letzten Schausteller mit ihren Wagen heim konnttfl Im ständigen Zeitwandel hat auch der Juxplatz seine einst so schöne Zweckbestimmung verloren. Er mußte den Autos weiq wurde Parkplatz. Ob das richtig war, darüber streiten heute noch die Gelehrten.
Mit klingendem Spiel zogen 1962 die örtlichen Vereine, angeführt vom Bürgermeister der Stadt, vom Amtmann's Garten hi«! dem Rathaus, zum neuen Platz im Sauertal.
Die Eichwiese hat sicher nichts von der Kirmesromantik früherer Jahre. Es dominiert, so scheint es, nur die Techm un brauch von Energie, der seit geraumer Zeit zum Hauptproblem geworden ist.
Unvollständig wäre unsere Reminiszenz ohne das Remidemi zu erwähnen, welches nach dem feierlichen Gottesdiens m „Amen" seinen Anfang nahm. In mehr als einem halben Hundert Gaststätten und Kneipen ging es nach dem Frühsc opp^ Tanz in einem halben Dutzend kleiner und größerer Säle. Nachmittagskonzert der Kapelle Müller-Seel und später es >- (Musik- und Wanderklub) im Kastaniengarten des Kath. Gesellenhauses.
Kirmesabschluß war am Mittwoch. Eine Militärkapelle aus Koblenz hat traditionsgemäß in „Hämmerlein s Garten au Schloßberg, zum Ausklang mit schmissigen Weisen den Montabäurern den Marsch geblasen. (Lesen Sie bitte weiterau
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