Ausgabe 
18.11.1977
Seite
1200
 
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Freude am

echt salzglasierten

Steinzeug

Wie entsteht die echte Salzglasur? Salzglasur ist eine seit Jahrhunder­ten bekannte und bewährte Glasur.

Die Besonderheit besteht darin, daß am Ende des Brennvorganges im offenen Feuer bei Temperaturen zwischen 1200 und 1300° Kochsalz in die Öfen gegeben wird. Hier bildet sich in einem chemischen und keramischen Prozeß die Salzglasur.

Das .Salzen erfolgt erst dann, wenn sich der Scherben infolge der hohen Temperatur zu Steinzeug verdichtet hat, d. h., die verschiedenen Roh­stoffe sind eng miteinander ver­schmolzen.

In dem chemischen Prozeß, den der Salzvorgang auslöst, reagieren das Natrium im Kochsalz und die Masse derart, daß sich auf der Oberfläche die Salzglasur bildet. Diese ist un­trennbar mit dem Scherben verbunden.

Der Salzbrand ist heut noch so schwierig und so aufwendig wie vor vielen 100 Jahren. Die Kosten in der Herstellung sind extrem hoch und die Brandausfallquote ist wesentlich höher als bei den meisten kerami­schen Erzeugnissen.

Welcher Vorteil hat salzglasiertes Steinzeug? Das salzglasierte Stein­zeug ist auf Grund der hohen Brenn­temperatur und der alten Technik ein Scherben von besonderer Härte und Festigkeit. Salzglasiertes Steinzeug ist erheblich widerstandsfähiger als viele andere feinkeramische Erzeug­nisse. Durch die untrennbare Ver­bindung von Form und Glasur kann es nicht zum Abspringen der Glasur kommen. Es ist unbegrenzt haltbar und vor allen Dingen spülmaschinen­fest.

M. Girmscheid, 541 Höhr-Grenzhausen, Postfach 41, Telefon 02624/7182

Information

Das salzglasierte Steinzeug ist absolut bleifrei. Daher für den täglichen Gebrauch besonders gut ge­eignet. Da salzglasiertes Steinzeug in seiner Art zeitlos ist, haben modische Vorgänge sehr wenig Ein­fluß. Jedes einzelne Stück ist durch den Brand im offenen Feuer und die Salzglasur ein individuelles, hand­werklich wertvolles Erzeugnis, daß sich von der Massenware abhebt und auch anspruchsvollen Wünschen entspricht.

Viele Hersteller von Keramikerzeug­nissen versuchen den erhöhten Auf­wand für Salzglasur und das damit verbundene Risiko zu umgehen, indem sie diese anerkannte und altherge­brachte Glasur .nachahmen. Es werden oft sogar für imitierte Erzeugnisse die Qualitätsbezeichnung Salzglasur benutzt. Inzwischen ist gerichtlich dokumentiert, daß dies ein Verstoß gegen die Grundsätze des lauteren Wettbewerbs ist.

Käufer des echten salzglasierten Steinzeugs sollten deshalb beim Kauf auf die Warenzeichen und die Deklaration achten.

REDTECHNIK ODER RADMACHEN

- eine Ritztechnik zur Dekoration von Steinzeug, die zuerst im Westerwald in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelt worden ist. Sie war im 18. Jahrhundert allgemein verbreitet und wurde auch von den Töpfern in Hessen, Sachsen und Schlesien übernommen. Mit den soge­nanntenRedhölzern aus Bambus haben die Töpfer Umrisse und Binnenzeichnung von Ornamenten und Figuren in den lederharten Tonkörper eingeritzt, die so­wohl die Dekoration ergaben als auch gleichzeitig das Verfließen der mit Schmälte ausgemalten Figuren hemmten. Im ausgehenden 17. Jahrhundert wurden jedoch zuerst mehrere parallele Linien mit der Gabel oder dem Kamm so ein­geritzt, daß sie als Ranken einzelne aufgelegte Blütenmotive miteinander ver­binden.