Der MINI-KRIMI des Monats
Die Jagd nach Johnny Geest
Text: Wolfgang Ecke Zeichnungen: S. Schäfer-Rüdinger
Fieberhaft suchte die Polizei von Stockholm nach Johnny Geest. Dem Mann, der in Verdacht stand, am späten Abend des Freitags in das Haus des Juweliers Gösta Oesgard eingebrochen zu sein, die dort gerade allein anwesende Ehefrau Oesgards mit Chloroform betäubt, und das gesamte Bargeld sowie sämtlichen vorhandenen Schmuck geraubt zu haben.
Der ganze Überfall trug so deutlich die Handschrift Johnny Geest's, daß es für den alten Fuchs Eeno Nilsson, Kommissar und Chef des Raubdezernats, keine Sekunde des Zweifelns gab. Am
Sonnabend, kurz nach 19 Uhr, war es so weit. Beim Verlassen eines Lokals in der Nähe des Hauptbahnhofes wurde Geest trotz lauten Protestes verhaftet.
Als er in Kommissar Nilssons Zimmer geschoben wurde, zischte er den Beamten giftig an: „Diese Schwachköpfe von Polizisten haben mich verhaftet, weil ich angeblich jemanden beraubt haben soll. Darf ich endlich erfahre, wen ich beraubt hate? "
„Aber gern, Johnny! Es handelt sich um Gösta Oesgard." erwiderte Nilsson freundlich. „Den Juwelier? " Geest schien ehrlich überrascht. Und als er den Komis- sar nicken sah,fragte er: ,JWann soll das denn gewesen sein? "
„Gestern abend kurz vor 23 Uhr." „Ach,.." Aus Johnnys Augen schossen Blitze. „Sie machen es sich ziemlich leicht, Kommissar ....Wenn Ihnen nichts besseres einfällt, verdächtigen Sie einfach mich. Aber diesmal haben Sie sich in den Finger geschnitten. Gestern abend saß ich im Kino. Spätvorstellung des Central-Theaters. Und die läuft von 21 h-23.15 h. Was sagen Sie jetzt?" Kommissar Nilsson schien unbeeindruckt. „Die Kinokarte haben Sie sicher noch Der Verhaftete begann in seinen Taschen zu suchen, hielt plötzlich inne und rief: „Natürlich, ich hatte ja gestern einen anderen Anzug an ... Dort steckt auch die Kinokarte drin."
Doch als er das mißmutige Lächeln des Kommissars sah, schlug er eine andere Lösung vor: „Warum stellen Sie mich nicht einfach Frau Oesgard gegenüber? Wir werden ja sehen, ob sie mich kennt." Nilsson winkte ab: „Zuerst wollen wir uns mal mit Ihrer Wohnung befassen. Vielleicht finden wir dabei auch die Kinokarte."
Sie fanden in Johnny Geests Wohnung zwar die bewußte Kinokarte, doch nicht ein einziges der geraubten Schmuckstük- ke.
Als sie vor dem Central-Theater ankamen, hatte gerade der Vorfilm begonnen. Kommissar Nilsson ließ Kassiererin und Platzanweiserin in einen Nebenraum bitten, erklärte ihnen den Sachverhalt und holte dann Johnny Geest herein. „Hallo!", rief Johnny, als er die beiden jungen Damen erblickte. Dann steuerte er auf die blonde Platzanweiserin zu und forderte sie auf: „Ich hoffe. Sie können sich noch an mich erinnern,"
Und als das Mädchen nickte, triumphierte er: „Da haben Sie's. Sie erkennt und erinnert sich. Oder glauben Sie vielleicht, ich hätte die Kleine be
stochen? fügte er rasch hinzu, als er Nilssons reservierten Gesichtsausdruck sah. „Nein, das glaube ich nicht, Johnny ... Nur, fragen Sie mal die junge Dame, in welcher Vorstellung sie Sie gesehen hat ..."
Geest starrte die Platzanweiserin wortlos an. „Tut mir leid," zuckte diese mit den Schultern, „aber in welcher Vorstellung Sie waren, das weiß ich nicht mehr."
Nilsson faßte Johnny am Arm. „Gehen wirl " . Geest versuchte Nilfcsons Hand abzuschütteln und schimpfte: „Sie können mich doch nicht verhaften, nur weil die Kleine ein so miserables Gedächtnis hat..." „Stimmt! Deshalb nicht.
Die Ursache liegt ausschließlich bei Ihnen, Johnny. Verraten haben Sie sich selbst."
Nun, womit hat sich Johnny Geest selbst überführt?
Auflösung „Die Jagd nach Johnny Geest":
Johnny wußte angeblich bei seiner Verhaftung nicht, welchen Einbruch man ihn. anlastete. Wie konnte er dann wissen, daß es sich bei der in Mitleidenschaft gezogenen Person um die Ehefrau des Juweliers handelte und nicht um diesen selbst?

