Ausgabe 
30.3.1972
Seite
2104
 
Einzelbild herunterladen

Besseres Angebot im Fremdenverkehr

Vielerorts wird es eine Aufgabe der Zukunft sein, verstärkt die Erschliessung des Fremdenverkehrs zu öffnen.

Dafür haben versch. Verbandsgemeindeverwaltungen schon frühzeitige Vorbereitungen in den vergangenen Jahren getroffen, so durch die Erstellung eines Landschafts- und Erholungsplanes, der Herrichtung von Wanderwegen und der Erstellung von Rastplätzen, und Hütten.

Um auch die Einwohner mit dem Gedanken des Fremdenverkehrs weiter und näher vertraut zu machen, möchten wir heute einen Bericht zum Abdruck bringen, den wir dem"Jahresbericht der Industrie- und Handelskammer Koblenz für das Jahr 1972" entnommen haben. Hierbei möchten wir nicht nur die Gastronomie unseres Bereiches und die Fremdenverkehrsvereine anspre­chen, sondern alle Bürger.

Dem Verfasser des Artikels "Besseres Angebot im Fremdenverkehr" aus dem Jahresbericht 1972 der Industrie- und Handelskam mer zu Koblenz danken wir für die Genehmigung zur Übernahme, welcher wie folgt lautet:

Die Industrie- und Handelskammern haben sich im ablaufenden Jahr verstärkt mit Fragen des Fremden­verkehrs befaßt. Einer der Gründe ist die Tatsache, daß dieser Gewerbezweig immer mehr Bedeutung für die Volkswirtschaft gewonnen hat. Der direkte Beitrag des Fremdenverkehrs zum Bruttosozialprodukt ist zwar relativ gering, die indirekten Auswirkungen sind in­dessen nicht annähernd zu messen. Die Ausstrahlungen auf andere Wirtschaftsbereiche sind vielgestaltig. Der Fremdenverkehr ist keineswegs nur eine Angelegenheit des Hotel- und Gaststättengewerbes, der Reisevermitt­ler und der Reiseveranstalter. Die Kammer empfiehlt nicht zuletzt deshalb erneut die Bildung eines beson­deren Beirates bei dem für Fragen des Fremdenver­kehrs zuständigen Ministerium für Wirtschaft und Ver­kehr.

Die Stellung des Fremdenverkehrs im gesamten Wirtschaftsgefüge ist erheblich gewachsen. 1962 nah­men erst 27 v. H. der Bevölkerung am Reiseverkehr teil, 1972 schon 43 v. H. Die Situation im Fremdenver­kehrsgewerbe ist durch steigende Ansprüche der Gäste, erhöhten Kapitalbedarf, akute Arbeitskräftesorgen und verstärkten Wettbewerb des Auslandes gekennzeichnet. Möglichkeiten zur Verbesserung des Angebots liegen in einer verstärkten Bemühung um die Ausbildung des Nachwuchses, um die Fort- und Weiterbildung der bereits Ausgebildeten und der Unternehmer selbst. Der technischen und betriebswirtschaftlichen Beratung der Betriebe muß jedoch noch größere Aufmerksamkeit ge­widmet werden. Ohne Ausbau des Beratungswesens

und ohne Förderung der technischen und kaufmänni­schen Rationalisierung ist eine dauerhafte Gesundung des mittelständischen Hotel- und Gaststättengewerbes nicht zu erwarten. Der Fremdenverkehr kann schließ­lich auch dadurch aktiviert werden, daß verstärkte An­strengungen zur Belebung der Vor- und Nachsaison unternommen werden.

Die Landesregierung hat 1970 einen Entwicklungs­plan für den Fremdenverkehr veröffentlicht. Darin wird auch das finanzielle Förderungsprogramm darge­stellt. Das Entwicklungsprogramm soll jetzt durch Fremdenverkehrsanalysen ergänzt werden. Damit wird einer Anregung der Industrie- und Handelskammern des Landes entsprochen. Ziel einer solchen Arbeit ist es, eine Bestandsaufnahme aller öffentlichen und ge­werblichen Fremdenverkehrseinrichtungen durchzufüh­ren und den Zustand nach einheitlichen Kriterien zu bewerten. Der Analyse sollte jedoch eine umfassende Bestandsaufnahme aller wichtigen und relevanten Da­ten des Fremdenverkehrs vorausgehen. Dazu gehört alles, was für die Landschaft, die Infrastruktur und das Fremdenverkehrsgewerbe von Bedeutung ist. Im einzelnen sollte eine solche Bestandsaufnahme Anga­ben über das Landschaftsbild, die Höhenlagen, das Klima der einzelnen Fremdenverkehrsorte, vorhandene Wasserflächen, aber auch über Einrichtungen, die das Landschaftsbild beeinträchtigen, enthalten. Sie muß auch die gesamte Verkehrserschließung mit den öffent­lichen Verkehrsverbindungen, Straßenparkplätzen, Ab­wasser- und Abfallbeseitigung umfassen.

Die Beherbergungskapazität der 286 Gemeinden des Bundesberichtskreises nach Stadt- und Landkreisen am 1.4.1972

(ohne Kinderheime, Jugendherbergen und Campingplätze)

Verwaltungsbezirk

Berichts­

ge­

meinden

Betriebe

*)

Zimmer

Betten

ins­

gesamt

Hotels

Gast­

häuser

Pen­

sionen

und

Fremden­

heime

Er­

holungs­

und

Ferien­

heime

Heil­

stätten

und

Sana­

torien

Ferien­häuser u. ä.

Privat­

quar­

tiere

Kreisfreie Stadt Koblenz

1

94

1506

2757

2413

246

98

Landkreise

Ahrweiler

14

355

5497

10607

4944

1127

875

175

1686

50

1750

Altenkirchen (Ww.)

15

96

896

2027

667

373

241

306

-

440

Bad Kreuznach

10

150

2 554

4929

1467

313

533

198

1808

610

Birkenfeld

6

55

594

1152

549

306

19

41

120

117

Cochem-Zell

21

306

3810

10398

2916

2131

755

77

755

3764

Mayen-Koblenz

16

189

2203

4647

1803

1206

296

573

145

624

Neuwied

23

276

3399

7424

3901

755

788

481

80

38

1381

Oberwesterwaldkreis

7

89

898

2046

589

372

341

213

72

459

Rhein-Hunsrück-Kreis

11

166

2500

5396

2705

761

320

41

588

111

870

Rhein-Lahn-Kreis

19

232

3234

7056

2649

1234 '

535

272

1065

109

1192

Unterwesterwaldkreis

3

31

410

712

370

193

9

-

-

88

52

Reg.-Bez. Koblenz

146

2039

27501

59151

24973

9017

4810

2377

6319

396

11259

) Ohne Privatquartiere

Quelle: Statistisches Landesami